George Soros, der 95-jährige US-Investor, Milliardär und Gründer des Finanzunternehmens Soros Fund Management, zählt zu den einflussreichsten – und zugleich umstrittensten – Persönlichkeiten der internationalen Politik und Wirtschaft. Seit Jahrzehnten wird der gebürtige Ungar wegen seiner milliardenschweren Spenden für progressive und liberale Projekte zur Zielscheibe rechter Verschwörungstheorien – insbesondere in den USA.
Zielscheibe rechter Angriffe
Soros wird von Kritikern – insbesondere aus konservativen und rechtspopulistischen Kreisen – regelmäßig als „Strippenzieher“ oder „globalistischer Manipulator“ dargestellt. Diese Narrative haben sich in Teilen der US-Politik und internationaler Medienlandschaften festgesetzt. Auch Ex-Präsident Donald Trump wiederholte kürzlich solche Vorwürfe und bezeichnete Soros als „wahrscheinlichen Kandidaten für strafrechtliche Ermittlungen“. Er bezichtigte ihn, gewalttätige Proteste finanziert zu haben – ohne Beweise vorzulegen.
Trump forderte im August gar, George Soros und dessen Sohn Alex Soros wegen „RICO-Verstößen“ (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act) anzuklagen – ein Gesetz, das zur Bekämpfung organisierter Kriminalität entwickelt wurde. Grundlage war ein Bericht einer konservativen Denkfabrik, laut dem Soros-nahe Organisationen mit angeblich „pro-terroristischen Gruppen“ zusammenarbeiteten.
Die Open Society Foundations (OSF) – Soros’ globale Stiftung – wies diese Behauptungen entschieden zurück: „Wir verurteilen Terrorismus und fördern ausschließlich friedliche und rechtskonforme Aktivitäten“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Die Angriffe seien „politisch motivierte Attacken auf die Zivilgesellschaft“.
Ein Leben für offene Gesellschaften
Soros’ philanthropische Aktivitäten begannen bereits in den 1970er-Jahren mit Stipendien für schwarze Studenten im Apartheid-Regime Südafrikas. In den 1980ern unterstützte er Dissidenten in Osteuropa im Kampf gegen kommunistische Regime. Bis heute hat die Open Society Foundations laut eigenen Angaben über 32 Milliarden US-Dollar für Projekte in über 100 Ländern bereitgestellt. Allein im Jahr 2024 flossen 1,2 Milliarden US-Dollar in Initiativen zur Förderung von Bildung, Gesundheitsversorgung, Rassengerechtigkeit, Drogenpolitik-Reformen, Menschenrechten und Klimaschutz.
Soros gilt als bedeutender Unterstützer der Demokratischen Partei in den USA. 2021 spendete er 125 Millionen US-Dollar an ein liberales Super-PAC. Gleichzeitig räumt er politische Voreingenommenheit ein, äußerte sich aber auch kritisch gegenüber übermäßiger Bürokratie und Ineffizienz des Staates.
„Ich werde oft als Symbol der radikalen Linken dargestellt – und ja, ich bin nicht frei von politischer Voreingenommenheit. Doch ich erkenne auch, dass viele konservative Kritiker recht haben, wenn sie eine effizientere Regierung fordern“, sagte Soros 2011 beim libertären Thinktank Cato Institute.
Einfluss auch in konservativen Kreisen
Ironischerweise unterstützt Soros nicht ausschließlich linke Organisationen: Im Jahr 2020 spendete seine Stiftung 150.000 US-Dollar an das Cato Institute, um Reformen bei Polizeigewalt und das Ende der sogenannten „qualifizierten Immunität“ zu fördern – eine Position, die auch bei konservativen Libertären Anklang findet.
Vom Holocaust-Überlebenden zum Finanzgiganten
George Soros wurde 1930 in Budapest geboren. Er überlebte die nationalsozialistische Besatzung, emigrierte nach London und studierte an der London School of Economics. 1956 zog er in die USA und gründete 1970 das Unternehmen Soros Fund Management, mit dem er ein Milliardenvermögen aufbaute.
Besonders bekannt wurde er 1992, als er am „Black Wednesday“ durch Spekulation gegen das britische Pfund rund eine Milliarde US-Dollar Gewinn machte – ein Manöver, das ihn weltweit bekannt, aber auch umstritten machte.
Soros besitzt laut Bloomberg Billionaires Index ein Vermögen von rund 7,5 Milliarden US-Dollar. 2017 spendete er 18 Milliarden US-Dollar an seine Stiftung – eine der größten privaten Zuwendungen in der Geschichte der Philanthropie.
Verbindungen in die Trump-Administration
Ein bemerkenswerter Aspekt: Trumps aktueller Finanzminister Scott Bessent war jahrelang Mitarbeiter von Soros. Zwischen 1991 und 2000 leitete Bessent das Londoner Büro von Soros Fund Management, kehrte 2011 als Chief Investment Officer zurück und erhielt 2015 ein Startkapital von 2 Milliarden US-Dollar, um seinen eigenen Hedgefonds zu gründen. Bessent selbst verglich später Trumps Führungsstil mit dem von Soros: Beide seien „dominante Persönlichkeiten mit Hang zur Provokation“.
Soros als Feindbild – und antisemitische Narrative
Soros wird regelmäßig mit antisemitischen Stereotypen in Verbindung gebracht – etwa wenn er als „globaler Strippenzieher“ oder „Zerstörer der Zivilisation“ bezeichnet wird. Tesla-CEO Elon Musk schrieb 2023 auf X, Soros „hasse die Menschheit“ – eine Aussage, die breite Kritik auslöste. Auch rechte US-Politiker wie Marjorie Taylor Greene fordern offen, Soros die US-Staatsbürgerschaft zu entziehen.
Der frühere Fox-News-Moderator Tucker Carlson widmete Soros 2022 gar eine eigene Dokumentation mit dem Titel „Hungary vs. Soros: The Fight for Civilization“, in der Soros als gefährlichere Bedrohung als frühere Weltreiche dargestellt wird.
Fazit: Mehr als nur ein Spender
George Soros ist mehr als nur ein vermögender Spender: Er ist eine politische Projektionsfläche – verehrt als Förderer von Menschenrechten und Demokratie, verteufelt als Symbol eines angeblich manipulativen „globalen Establishments“. Seine Stiftung bleibt ein mächtiger Akteur auf der Bühne der internationalen Zivilgesellschaft – und zugleich ein zentraler Brennpunkt in der polarisierten Weltpolitik des 21. Jahrhunderts.
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