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Sonnencreme statt Souvenir: Warum Reisende auf der ganzen Welt gezielt nach bestimmten Marken suchen

Socialissue (CC0), Pixabay
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Kühlschrankmagnete oder Schlüsselanhänger gehören für viele Urlauber längst der Vergangenheit an. Stattdessen entwickelt sich ein anderes Produkt immer häufiger zum begehrten Mitbringsel: Sonnencreme. Ob in Südkorea, Frankreich, Spanien oder Kolumbien – immer mehr Reisende planen ihre Urlaubsrouten gezielt so, dass sie Apotheken und Kosmetikgeschäfte besuchen können, um dort begehrte Sonnenschutzprodukte zu kaufen.

Sonnencreme wird zum Reiseziel

Die Kanadierin Caitlin Francis-Agnew plante ihre Reise nach Seoul wochenlang bis ins Detail. Ein fester Programmpunkt war der Besuch der bekannten südkoreanischen Kosmetikkette Olive Young. Ihr Ziel: möglichst viele koreanische Sonnenschutzprodukte mit nach Hause zu nehmen.

Ähnlich geht es der Amerikanerin Anna Clark aus Florida. Für ihren Familienurlaub im kolumbianischen Cartagena markierte sie bereits vor Reisebeginn den Weg zur Apothekenkette Farmatodo auf Google Maps. Nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt wollte sie dort europäische Sonnencremes kaufen, die in den USA nicht erhältlich sind.

Neue Einstellung zum Sonnenschutz

Nach Einschätzung der Verhaltenspsychologin Carolyn Mair hat sich der gesellschaftliche Blick auf das Sonnenbaden in den vergangenen Jahren deutlich verändert.

Während gebräunte Haut früher häufig als Symbol für Gesundheit und Wohlstand galt, wird Sonnenschutz heute zunehmend als fester Bestandteil der täglichen Hautpflege und der Gesundheitsvorsorge angesehen. Vor allem soziale Medien hätten dazu beigetragen, dass Verbraucher weltweit auf innovative Sonnenschutzprodukte aufmerksam werden.

Korea und Europa gelten als Vorreiter

Besonders gefragt sind Sonnenschutzprodukte aus Südkorea sowie aus europäischen Mittelmeerländern.

Nach Angaben von Olive Young stammen inzwischen Besucher aus mehr als 190 Ländern. Bereits 2025 machten internationale Kunden mehr als ein Viertel des stationären Umsatzes des Unternehmens aus. Gerade Sonnenschutzprodukte gehören inzwischen zu den beliebtesten K-Beauty-Artikeln. Vor allem Touristen aus den USA und Brasilien reisen gezielt zum Einkaufen an.

Auch französische Apotheken haben sich in den vergangenen Jahren zu regelrechten Touristenattraktionen entwickelt. Influencer und Beauty-Magazine empfehlen den Besuch von Apotheken inzwischen regelmäßig als festen Programmpunkt einer Paris-Reise.

Warum US-Amerikaner im Ausland einkaufen

Ein wesentlicher Grund liegt in den unterschiedlichen Zulassungsverfahren.

In den USA unterliegen UV-Filter den Vorgaben der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA. Viele moderne Filter, die in Europa oder Asien längst verwendet werden, sind dort bis heute nicht zugelassen.

Der Dermatologe Patrick Coleman bezeichnet ausländische Sonnenschutzprodukte deshalb als technologisch deutlich fortschrittlicher.

„Sonnencreme gehört zu den einfachsten Möglichkeiten, Hautkrebs und vorzeitiger Hautalterung vorzubeugen. Internationale Produkte sind den amerikanischen Formulierungen teilweise Jahrzehnte voraus“, erklärt er.

Unterschiedliche Stärken weltweit

Europäische Sonnencremes genießen einen ausgezeichneten Ruf, weil sie moderne UVA-Filter wie Mexoryl 400 oder Tinosorb M enthalten.

Koreanische Produkte wiederum gelten vor allem wegen ihrer angenehmen Anwendung als besonders beliebt. Sie ziehen schnell ein, hinterlassen keine weißen Rückstände und fühlen sich auf der Haut deutlich leichter an als viele klassische Sonnenschutzmittel.

Auch japanische Produkte werden häufig wegen ihrer besonders flüssigen, fast wasserartigen Konsistenz geschätzt.

Social Media verstärkt den Trend

Plattformen wie TikTok, Instagram und Reddit spielen bei der Entwicklung des Trends eine entscheidende Rolle.

Viele Nutzer veröffentlichen Einkaufsvideos, Produktempfehlungen und ausführliche Testberichte. Reisende informieren sich oft bereits Wochen vor dem Urlaub über aktuelle Empfehlungen, Preisvergleiche und die besten Einkaufsorte.

Caitlin Francis-Agnew erstellt dafür eigene Einkaufslisten und recherchiert gezielt in Internetforen sowie Beauty-Blogs.

Einkauf gehört zur Reiseplanung

Für viele Beauty-Fans ist der Besuch einer Apotheke inzwischen ebenso selbstverständlich wie ein Museumsbesuch oder ein Restaurant.

Influencerin und Unternehmerin Chriselle Lim beschreibt ihren idealen Urlaubstag als Kombination aus Kultur, Kulinarik und anschließendem Besuch einer Apotheke oder eines Kosmetikgeschäfts.

Sie empfindet den Einkauf von Hautpflegeprodukten als Möglichkeit, die Kultur eines Landes besser kennenzulernen.

„Schönheitspflege zeigt, wie eine Gesellschaft über Gesundheit, Ästhetik und Selbstfürsorge denkt“, erklärt sie.

Mehr als nur Kosmetik

Die amerikanische Hautpflegeexpertin Melissa Coleman bringt von jeder Europareise Dutzende Sonnenschutzprodukte mit nach Hause. Einen Großteil verschenkt sie später an Freunde oder verlost die Produkte an ihre Follower.

Auch Dermatologin Ellen Gendler empfiehlt ihren Patienten häufig, Sonnenschutzprodukte direkt im Ausland zu kaufen. Dort seien Originalformulierungen erhältlich, die über Onlinehändler oft deutlich teurer seien oder aufgrund neuer Zölle gar nicht mehr wirtschaftlich importiert werden könnten.

Urlaubserinnerung mit praktischem Nutzen

Nach Einschätzung vieler Experten erklärt sich der Boom nicht allein durch die Qualität der Produkte.

Sonnencremes verbinden praktischen Nutzen mit emotionalen Erinnerungen. Ähnlich wie ein Parfüm oder regionale Spezialitäten erinnern sie später an den Urlaubsort und an besondere Reiseerlebnisse.

Für viele Urlauber ist der Gang in eine Apotheke im Ausland deshalb längst weit mehr als ein gewöhnlicher Einkauf. Er gehört inzwischen genauso selbstverständlich zur Reise wie Sehenswürdigkeiten oder kulinarische Entdeckungen – und die Sonnencreme wird zum wohl praktischsten Souvenir der modernen Urlaubsgeneration.

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