Startseite Allgemeines Söder und die Brandmauer: Drei Mal Nein, ein Mal Ja – und jede Menge Taktik
Allgemeines

Söder und die Brandmauer: Drei Mal Nein, ein Mal Ja – und jede Menge Taktik

preiselbauer (CC0), Pixabay
Teilen

CSU-Chef Markus Söder hat mal wieder zur großen Abgrenzung angesetzt – diesmal mit der rhetorischen Feinheit eines Presslufthammers. „Nein, nein und nochmals nein!“, donnerte er auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg und erteilte der AfD eine klare Absage. Zwei Wochen vor der Bundestagswahl betonte er mit Pathos: „Ja, ja, ja, wir sind der Schutzwall, wir sind die Brandmauer.“

Was nach entschlossener Haltung klingt, wirkt bei genauerem Hinsehen wie ein politischer Eiertanz. Denn während Söder und die CSU öffentlich die AfD verdammen, hatte die Union im Bundestag gerade erst mit den Stimmen der AfD eigene migrationspolitische Vorschläge durchgesetzt. Die Empörung darüber ließ nicht lange auf sich warten.

Ampel schuld am AfD-Aufstieg?

Dass die AfD in den vergangenen Jahren massiv an Zustimmung gewonnen hat, liegt für Söder natürlich nicht an der Union, sondern an den Regierungsparteien: „Die AfD hat sich in den letzten drei Jahren wegen der Ampel verdoppelt.“ Ein interessanter Erklärungsansatz – schließlich hatte die AfD auch schon lange vor der Ampel beachtliche Wahlerfolge, und nicht wenige ihrer Wähler stammen aus dem konservativen Lager.

Doch Söder lässt sich von solchen Feinheiten nicht aufhalten. „Wenn die Rot-Grünen weitermachen, wird die AfD von selbst irgendwann übernehmen.“ – ein Satz, der klingt, als hätte die Union mit ihrer eigenen politischen Arbeit überhaupt nichts zu tun und wäre nur der schockierte Beobachter am Spielfeldrand.

Kampfansage mit Einschränkungen

Söders Anti-AfD-Rhetorik erreichte dann ihren Höhepunkt: „Die AfD ist und bleibt der Systemgegner unserer freiheitlich-rechtsstaatlichen Demokratie.“ Doch damit nicht genug. „In der AfD, bei der AfD, gibt es gesichert Rechtsextremismus.“ Manche könne man „öffentlich als Nazis bezeichnen“, so der CSU-Chef. Das ist starker Tobak – aber eben auch eine bequeme Strategie, um sich als der letzte verbliebene Verteidiger der Demokratie zu inszenieren.

Gleichzeitig bleibt die politische Realität: Die Union mag sich verbal von der AfD distanzieren, aber in der Praxis ist die Zusammenarbeit zumindest auf parlamentarischer Ebene kein Tabu mehr. Die Brandmauer ist also weniger eine festgemauerte Verteidigungsanlage – sondern eher ein politisches Schiebetürchen, das sich je nach Bedarf öffnen oder schließen lässt.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Aaron Rai gewinnt sensationell die PGA Championship

Mit Aaron Rai hat die Golfwelt einen überraschenden neuen Major-Sieger. Der Engländer...

Allgemeines

Alex Palou schreibt weiter IndyCar-Geschichte

Alex Palou dominiert den US-Motorsport weiter nach Belieben. Der Spanier sicherte sich...

Allgemeines

Cavaliers zerlegen Detroit – jetzt wartet das NBA-Monster aus New York

Die Cleveland Cavaliers stehen nach einer Machtdemonstration in den NBA-Conference-Finals. Im entscheidenden...

Allgemeines

Swatch-Hype eskaliert weltweit – Luxus für 400 Dollar sorgt für Chaos vor Geschäften

Eigentlich wollte Swatch nur eine neue Uhren-Kollektion verkaufen. Herausgekommen ist ein weltweiter...