Es gibt Unternehmensmitteilungen, die beginnen mit „wichtige Entscheidung zur künftigen Ausrichtung“ – und man weiß sofort: Jetzt wird gleich etwas beerdigt, aber bitte mit Blumenkranz, PowerPoint und dem Wort „partnerschaftlich“.
SENEC hat seinen Fachpartnern mitgeteilt, dass man sich künftig auf das Bestandskundengeschäft konzentrieren werde. Das klingt zunächst nach Ruhe, Reife und Serviceorientierung. Tatsächlich bedeutet es aber vor allem: Neukunden? Danke, war schön, machen wir nicht mehr. Neue Produkte? Werden nicht mehr entwickelt, aktiv vermarktet oder vertrieben. Wachstumskurs? Abgebogen. Zukunftsoffensive? Parkplatz.
Natürlich wird das alles nicht als Rückzug verkauft, sondern als „Neuausrichtung“. Das ist in der Unternehmenssprache ungefähr das, was im normalen Leben heißt: „Wir hören auf, aber bitte nennen Sie es strategisch.“
Für bestehende Kunden soll alles weiterlaufen: installierte Systeme können genutzt werden, Garantien bleiben bestehen, Servicefälle werden bearbeitet, Feldaustauschmaßnahmen fortgeführt. Das ist wichtig und richtig. Wer bereits ein SENEC-System im Keller stehen hat, soll schließlich nicht das Gefühl bekommen, er habe sich ein Energiespeicher-Museum angeschafft.
Auch die Fachpartner bleiben laut Schreiben eine wichtige Schnittstelle. Übersetzt heißt das: Ihr dürft bitte weiterhin die Gesichter sein, die den Kunden erklären, warum aus dem einstigen Zukunftsprodukt nun ein Bestandskundenpflegefall geworden ist. Dafür gibt es immerhin eine virtuelle Informationsveranstaltung. Freitag, 12 Uhr. Also genau die Zeit, zu der viele Fachpartner vermutlich gerade zwischen Baustelle, Kundenrückruf und innerem Kopfschütteln hängen.
Besonders charmant ist der Produktteil. Offene Bestellungen für SENEC.Home E4 und P4 werden noch ausgeliefert. Neue Bestellungen nimmt man noch bis Ende August an, ausgeliefert wird bis Ende September, installiert werden muss bis Ende 2026. Das klingt weniger nach Vertrieb als nach Ladenschluss mit freundlicher Durchsage: „Liebe Kunden, bitte begeben Sie sich mit Ihren letzten Speicherwünschen zur Kasse.“
Die SENEC.Storage Wall 1 wird dagegen ab sofort nicht mehr ausgeliefert. Stattdessen empfiehlt SENEC, ein vergleichbares System direkt bei VARTA zu beziehen. Das ist ungefähr so, als würde ein Restaurant sagen: „Unsere Küche schließt, aber der Italiener gegenüber macht auch Pasta.“
Auch neue Stromverträge werden nicht mehr abgeschlossen. Bestehende Verträge laufen weiter. Das wirkt wie ein geordneter Rückzug aus mehreren Zimmern gleichzeitig: Licht aus im Neukundengeschäft, Tür zu bei neuen Produkten, Vorhang runter bei Stromverträgen – aber im Bestandskundenflur brennt noch eine Serviceleuchte.
Der Hintergrund wird immerhin offen benannt: EnBW hatte eine Investorensuche gestartet. Trotz Fortschritten bei SENEC habe sich im schwierigen Marktumfeld kein geeigneter Investor gefunden. Die EnBW müsse ihre eigenen Investitionen auf strategisch zentrale Bereiche des Kerngeschäfts konzentrieren. Ohne finanzierten Wachstumskurs sei eine profitable Fortführung des bisherigen Geschäftsmodells nicht möglich.
Das ist der Satz, bei dem aus der Neuausrichtung dann doch ziemlich deutlich ein Geschäftsmodell-Problem wird. Denn wenn ein Wachstumskurs nur mit Investor funktioniert und ohne Investor nicht profitabel fortgeführt werden kann, dann war der Kurs vielleicht weniger Autobahn als Seilbahn ohne Strom.
SENEC betont, man habe mit dem flächendeckenden Feldaustausch gezeigt, dass man Verantwortung übernehme und Zusagen einhalte. Das ist zweifellos der richtige Anspruch. Nur dürfte mancher Fachpartner bei diesem Satz kurz tief durchatmen. Denn wer in den vergangenen Jahren Servicefälle, Kundengespräche und Austauschmaßnahmen begleitet hat, weiß: Verantwortung übernehmen klingt in der Mitteilung oft deutlich sauberer als im Alltag beim Kunden vor Ort.
Am Ende bleibt ein bemerkenswerter Vorgang: Ein Unternehmen, das lange im Zukunftsmarkt Energiewende unterwegs war, zieht sich aus dem Neukundengeschäft zurück und verwaltet künftig im Kern den Bestand. Das muss nicht automatisch schlecht für bestehende Kunden sein, sofern Service, Garantien und Ersatzmaßnahmen tatsächlich zuverlässig funktionieren. Aber es ist ein harter Einschnitt – und für Fachpartner alles andere als eine Kleinigkeit.
Denn sie müssen nun erklären, was SENEC freundlich formuliert: Das Unternehmen bleibt da, aber es geht nicht mehr nach vorne.
Oder satirisch gesagt: SENEC macht jetzt keine neuen Speicher mehr, sondern speichert vor allem die Vergangenheit.
Und die Fachpartner dürfen bitte weiterhin partnerschaftlich, einheitlich und sachlich kommunizieren, dass das alles natürlich kein Rückzug ist.
Es ist nur Wachstum – in die andere Richtung.
Ich war von 2020 bis 2024 bei SENEC tätig. Leider fehlte die ganze Zeit eine klare Produktstrategie, die auch bis in die Softwareentwicklung runtergebrochen war und realistisch umsetzbar gewesen wäre.
Dafür gab es permanent adhoc-Wünsche aus dem Vertrieb und dem Produktmanagement, die auf Grund ihrer Vielzahl und des Umfangs eben nicht leistbar waren, sondern in der Masse primär Stillstand und viele Lösungsfragmente erzeugten.
Relativ viele relativ unprofessionelle Mitarbeiter und Führungskräfte kamen dazu…
Spätestens die Entscheidung, sämtliche „gefährliche“ Speicher zu tauschen hat einfach zu viel Geld gekostet bei zu wenig Wettbewerbsfähigkeit mit den Produkten.
Zusammengefasst: Ein Chaoten-Laden
Programmierer und Kundendienst sind letztendlich nur die Ausführenden einer verkorksten Unternehmenspolitik. Nach außen präsentiert man sich als Technologieunternehmen, intern wurde die letzten Jahre insb. an der IT gespart. Damit kann man weder Kundenplattformen noch Serviceprozesse entwickeln. Das die Servicemitarbeiter irgendwann frustriert sind, wenn sie extern als Katalysator und intern als Wall für Kundenfrust, in dessen Tools aber nicht mehr als unbedingt nötig investiert wird, herhalten müssen, kann man verstehen.
Man liest sonst nichts im www dazu. Fake News?
Steht auch auf der Senec Webseite
Leider zeigt dieser Fall einmal mehr, wie ein Großunternehmen ein einst innovatives und aufstrebendes Startup nach einer Übernahme Stück für Stück ausgebremst hat. Wer ein Unternehmen wie SENEC kauft, sollte eine klare Vision für dessen Zukunft haben, anstatt ständig die Geschäftsführung auszutauschen und Entscheidungen von Beratern oder Managern treffen zu lassen, die offenbar weder den Markt noch die Besonderheiten eines jungen Technologieunternehmens ausreichend verstehen.
Viele personelle Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre haben aus meiner Sicht maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen. Statt die vorhandenen Stärken auszubauen und langfristig Wachstum zu ermöglichen, wurde SENEC zunehmend in Konzernstrukturen eingebunden, die Innovation eher verwalten als fördern.
Das Ergebnis sehen wir heute: Aus einem Unternehmen, das einmal für Wachstum und Zukunft im Energiespeichermarkt stand, wird ein Bestandskundenverwalter. Für die Mitarbeiter, Fachpartner und Kunden ist das eine bittere Entwicklung. Die Verantwortung dafür allein auf schwierige Marktbedingungen zu schieben, greift meines Erachtens zu kurz. Auch strategische und personelle Entscheidungen haben ihren Anteil an diesem Ausgang.
Es fehlt noch die Info, das wir auf Verlangen der EnBW alle Punkte im Geschäft erreicht haben und wir die Kunden als auch die Fachpartner wieder von uns überzeugen konnten. Wir sind auf dem aufstrebenden Ast gewesen und dann hat die EnBW den Stecker gezogen, weil es nicht mehr in die politische Richtung wie für Katharine Reiche geht. Dieser Zusammenhang fehlt euch schon. VARTA geht es außerdem auch nicht gut. einfach mal googlen. Die Frage die sich stellt, wie viele Mitarbeiter müssen gehen, den Bestandsbetrieb braucht nicht alle MA.
75% müssen gehen.
Hoffentlich die Führungsetage und die Programmierer und Kundendienstmitarbeiter.
Dann wird hoffentlich neues, fähiges und motiviertes Personal eingestellt.
Ein gestresster und leidgeplagter Kunde der EKD/SENEC Kooperation…
Wenn eine Abteilung wo am wenigsten was dafür kann, dann ist das der Kundenservice. Die baden das aus, was oben verzapft wird und fangen dafür noch den Frust von uns Kunden ab.