Ein Kommentar eines frustrierten Schweriner Fußballfans
Es gibt Städte in Deutschland, die deutlich kleiner sind als Schwerin und trotzdem auf der Fußballkarte sichtbar sind. Greifswald spielt Regionalliga. Verl, Elversberg oder Aue haben es zeitweise sogar bis in die 2. Bundesliga geschafft. Selbst Sandhausen, ein Ort mit nicht einmal 20.000 Einwohnern, war jahrelang im Profifußball vertreten.
Und Schwerin?
Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns spielt seit Jahren in der Bedeutungslosigkeit der Verbandsliga herum.
Liga sechs.
Eine Stadt mit knapp 100.000 Einwohnern, Landesregierung, Wirtschaft, Tourismus und einer hervorragenden Infrastruktur schafft es nicht einmal dauerhaft in die Oberliga. Das ist für viele Fußballfans schlicht nicht nachvollziehbar.
Ein Bundesland ohne starke Hauptstadt
Besonders bemerkenswert ist der Vergleich mit anderen Landeshauptstädten.
Rostock spielte über Jahrzehnte Bundesliga und 2. Bundesliga. Magdeburg ist im Profifußball etabliert. Erfurt, Potsdam, Saarbrücken oder Wiesbaden waren zumindest zeitweise deutlich höherklassig unterwegs.
Schwerin dagegen ist fußballerisch seit Jahren ein weißer Fleck auf der Landkarte.
Dabei fehlt es nicht an Fußballtradition. Zu DDR-Zeiten spielte Dynamo Schwerin mehrfach in der zweitklassigen DDR-Liga. Nach der Wiedervereinigung gelang es jedoch nie, eine nachhaltige sportliche Struktur aufzubauen.
Das eigentliche Problem heißt Kirchturmdenken
Die aktuellen Aussagen aus der Schweriner Politik treffen einen wunden Punkt.
Seit Jahren wird über eine engere Zusammenarbeit von FC Mecklenburg Schwerin, Dynamo Schwerin und dem MSV Pampow diskutiert.
Passiert ist wenig.
Immer wieder scheiterten Annäherungsversuche an unterschiedlichen Vorstellungen, persönlichen Interessen und Vereinsbefindlichkeiten.
Man könnte es höflich „unterschiedliche Philosophien“ nennen.
Viele Fans nennen es schlicht Egoismus.
Während andere Städte ihre Kräfte bündeln, konkurrieren in Schwerin mehrere Vereine um dieselben Talente, Sponsoren, Ehrenamtlichen und Zuschauer.
Das Ergebnis sieht man jedes Wochenende auf den Tabellen.
Greifswald macht vor, wie es gehen kann
Besonders schmerzhaft ist der Blick nach Greifswald.
Die Universitätsstadt hat rund 60.000 Einwohner und spielt inzwischen erfolgreich in der Regionalliga Nordost.
Dort wurde früh erkannt, dass man nur gemeinsam etwas erreichen kann. Wirtschaft, Politik und Verein zogen an einem Strang.
In Schwerin diskutiert man dagegen seit Jahren darüber, ob man überhaupt an einem Strang ziehen möchte.
Die Talente wandern ab
Ein weiteres Problem:
Viele talentierte Jugendliche verlassen Schwerin frühzeitig.
Wer höherklassig spielen möchte, landet häufig in Rostock, Berlin, Hamburg oder Leipzig.
Die Folge ist ein Teufelskreis.
Ohne starke Nachwuchsspieler keine sportlichen Erfolge.
Ohne sportliche Erfolge keine Sponsoren.
Ohne Sponsoren keine besseren Strukturen.
Regionalliga bleibt ein Traum
Natürlich würde auch eine Fusion keine Erfolgsgarantie bedeuten.
Die Regionalliga ist sportlich und wirtschaftlich anspruchsvoll. Viele Vereine kämpfen dort ums Überleben.
Aber zumindest hätte Schwerin endlich eine Perspektive.
Aktuell wirkt es dagegen so, als hätten sich viele Beteiligte mit der Rolle des Provinzvereins arrangiert.
Und genau das macht viele Fußballfans wütend.
Schwerin verdient mehr
Niemand verlangt Bundesliga-Fußball am Lambrechtsgrund.
Niemand erwartet Champions League am Schweriner See.
Aber eine Landeshauptstadt sollte zumindest den Anspruch haben, im regionalen Spitzenfußball vertreten zu sein.
Die Regionalliga darf kein unerreichbarer Traum bleiben.
Wenn Schwerin weiterhin zusieht, wie andere Städte vorbeiziehen, wird sich auch in zehn Jahren nichts geändert haben.
Dann diskutiert man vermutlich immer noch über Fusionen, Kooperationen und Konzepte.
Während anderswo längst Fußball gespielt wird.
Und genau deshalb muss die Frage erlaubt sein:
Warum schafft es eigentlich jede zweite Kleinstadt in Deutschland, nur Schwerin nicht?
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