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Schalke04-Trainer kommt zum Trainer-Treffen – und stellt fest: Die Bundesliga hat offenbar frei

jorono (CC0), Pixabay
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Es gibt diese Momente im Leben: Man erscheint pünktlich zu einer Veranstaltung, schaut sich um und stellt fest, dass offenbar alle anderen eine Information bekommen haben, die einem selbst fehlt. Genau dieses Gefühl dürfte Schalke-Trainer Miron Muslic am Montag in Leverkusen gehabt haben. Trainertagung der Bundesliga – nur die Bundesliga-Trainer waren irgendwie nicht da.

Montagmorgen.

Miron Muslic steht auf.

Vermutlich Kaffee.

Vielleicht noch schnell den Kalender kontrollieren.

Trainertagung in Leverkusen.

Alles klar.

Also hin.

Schließlich handelt es sich um die traditionelle Veranstaltung „Regionalstützpunkt & Schiedsrichter“, zu der Bundesliga-Gruppe und DFB eingeladen hatten.

Ein Termin für Fußballlehrer aus dem Westen Deutschlands.

Muslic kommt an.

Schaut nach links.

Schaut nach rechts.

Schaut vermutlich noch einmal auf die Einladung.

Und denkt sich:

Bin ich zu früh – oder sind die anderen einfach sehr spät?

Die Antwort lautete offenbar:

Weder noch.

Sie kamen einfach nicht.

Sechs Erstliga-Trainer eingeladen – einer sitzt da

Eigentlich hätten sechs Bundesliga-Trainer bei der Veranstaltung auftauchen können.

Tatsächlich erschien laut der vorliegenden Berichterstattung genau einer:

Miron Muslic vom FC Schalke 04.

Das muss man auch erst einmal schaffen.

Die Bundesliga lädt zur Trainertagung – und der einzige Bundesligatrainer im Raum kommt aus Gelsenkirchen.

Muslic soll über die Abwesenheit seiner Kollegen ziemlich irritiert gewesen sein. Besonders deshalb, weil er vorher offenbar nicht darüber informiert worden war, dass die Veranstaltung in Sachen Erstliga-Beteiligung eher übersichtlich ausfallen würde.

Oder anders formuliert:

Schalke war pünktlich.

Das allein wäre in manchen Spielzeiten bereits eine positive Nachricht gewesen.

Statt Bundesliga-Gipfel plötzlich Klassentreffen mit Überraschungsgästen

Ganz allein musste Muslic glücklicherweise nicht am Tisch sitzen.

Mit dabei waren unter anderem Friedhelm Funkel, Horst Steffen und Markus Anfang.

Außerdem nahmen Trainer aus der 2. und 3. Liga teil, darunter Vertreter von Bochum, Bielefeld, Viktoria Köln, Rot-Weiss Essen und dem MSV Duisburg.

Das ist selbstverständlich eine illustre Runde.

Nur eben nicht ganz die Runde, die Muslic offenbar erwartet hatte.

Vielleicht hatte er sich morgens noch gedacht:

„Heute tausche ich mich mal mit den Bundesliga-Kollegen aus.“

Ein paar Stunden später:

„Friedhelm, wie läuft’s bei dir eigentlich?“

Und das Ganze dauerte fast sechs Stunden

Wer nun glaubt, Muslic habe nach einer halben Stunde wieder fahren dürfen, unterschätzt die deutsche Fußball-Fortbildung.

Beginn:

10 Uhr.

Ende:

15.45 Uhr.

Fast sechs Stunden Programm.

DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig hielt einen Vortrag über Erkenntnisse aus der Trendanalyse der FIFA-Weltmeisterschaft.

Bundesliga-Schiedsrichter waren ebenfalls vor Ort.

Diskutiert wurde über aktuelle Regelanpassungen und Regelauslegungen.

Das bedeutet:

Muslic saß fast sechs Stunden bei einer Trainertagung und hatte reichlich Zeit darüber nachzudenken, wo eigentlich die anderen Bundesliga-Trainer geblieben waren.

Wo war Niko Kovac?

Für die Abwesenheit der Kollegen gab es laut Vorlage unterschiedliche Gründe.

Dortmund-Trainer Niko Kovac war nach dem Spiel in Stuttgart zu seiner Familie nach Österreich gereist.

Kölns René Wagner wollte nicht auf die parallel stattfindende Trainingseinheit seiner Mannschaft verzichten.

Paderborns Ralf Kettemann hatte vor einer anstehenden USA-Reise organisatorisch einiges zu erledigen und wollte freie Tage nutzen.

Leverkusens Carles Martinez war krankgemeldet.

Und Gladbachs frisch verpflichteter Trainer Alexander Blessin hatte unmittelbar nach seinem Amtsantritt offenbar andere Prioritäten.

Alles nachvollziehbare Gründe.

In der Summe ergibt sich trotzdem ein wunderbares Bild:

Muslic kommt zur Bundesliga-Trainertagung – und die Bundesliga schickt Entschuldigungszettel.

Manche Trainer fanden den Termin offenbar ohnehin nicht ideal

Hinzu kommt laut Vorlage, dass einigen Trainern der Zeitpunkt der Veranstaltung nicht besonders gut passte.

Die Tagung fand zu Beginn einer mehrwöchigen Länderspielpause statt.

Einige hielten diesen Termin offenbar für unglücklich.

Das wiederum führt zu einer interessanten organisatorischen Frage:

Wenn ein Treffen so gelegt wird, dass fast alle eingeladenen Bundesliga-Trainer etwas anderes vorhaben, könnte man beim nächsten Mal vielleicht eine revolutionäre Technologie ausprobieren.

Den gemeinsamen Kalender.

Muslic blieb trotzdem bis zum Ende dabei

Und hier kommt der eigentlich sympathische Teil der Geschichte.

Muslic soll die Veranstaltung trotz seiner anfänglichen Irritation gut gefunden haben.

Er beteiligte sich intensiv und schätzte offenbar gerade den Austausch mit Trainern aus der 2. und 3. Liga sowie den anwesenden Schiedsrichtern.

Und noch besser:

Er möchte beim nächsten Mal wiederkommen.

Das verdient Anerkennung.

Fast sechs Stunden zu einer Bundesliga-Trainertagung fahren, als einziger Bundesliga-Trainer erscheinen und anschließend sagen:

„Beim nächsten Mal bin ich wieder dabei.“

Das ist entweder beeindruckende Professionalität.

Oder Muslic möchte einfach wissen, ob es die anderen Trainer wirklich gibt.

Beim nächsten Treffen vielleicht mit Namensschildern für die seltenen Gäste

Für die Organisatoren ergibt sich damit eine überschaubare Aufgabe.

Die nächste Einladung könnte beispielsweise lauten:

Trainertagung Bundesliga

Teilnahmebedingungen:

  1. Trainer sein.
  2. Bundesliga wäre schön.
  3. Schalke braucht nicht mehr zu bestätigen – Muslic kommt sowieso.

Und falls tatsächlich zwei Erstliga-Trainer erscheinen sollten, könnte man vorsichtshalber ein Gruppenfoto machen.

Sonst glaubt es später niemand.

Für Schalke ist die Geschichte eigentlich ein Kompliment

Bei allem Spaß zeigt die Episode nämlich auch etwas Positives.

Muslic nahm den Termin ernst.

Er erschien.

Er beteiligte sich.

Er diskutierte mit Schiedsrichtern und Kollegen.

Und obwohl er sich offenbar deutlich mehr Bundesliga-Kollegen im Raum vorgestellt hatte, zog er nicht beleidigt nach einer Stunde wieder ab.

Vielleicht ist genau das die schönste Pointe:

Der Schalke-Trainer wollte etwas lernen – und ließ sich dabei nicht einmal von der Abwesenheit der Bundesliga stören.

Beim nächsten Termin sollte der DFB deshalb vielleicht einfach zwei Einladungen verschicken.

Eine normale:

„Sehr geehrter Herr Trainer, wir laden Sie herzlich zur Trainertagung ein.“

Und eine für Muslic:

„Sehr geehrter Herr Muslic, ja, der Termin findet wirklich statt. Ob noch jemand kommt, können wir allerdings nicht garantieren.“

Immerhin wissen wir schon jetzt ziemlich sicher:

Einer wird da sein.

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