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Schalke04-Kein Ball? Kein Problem! Schalke nervt die Bayern in den Wahnsinn

jorono (CC0), Pixabay
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0:0 gegen den Rekordmeister – und plötzlich fühlt sich ein Unentschieden an wie die Deutsche Meisterschaft

Es gibt Fußballspiele, da gewinnt die bessere Mannschaft. Es gibt Spiele, da gewinnt die glücklichere Mannschaft. Und dann gibt es Schalke gegen Bayern.

Da gewinnt einfach niemand.

Und trotzdem fühlt es sich für Königsblau verdammt nach Sieg an.

FC Schalke 04 gegen Bayern München: 0:0.

Ja, richtig gelesen. Kein Tippfehler. Kein Stromausfall bei der Ergebnisanzeige. Keine vergessene Aktualisierung im Videotext.

Null zu null.

Gegen Bayern.

Und nach allem, was in diesen 90 Minuten passierte, möchte man fast sagen: Dieses 0:0 gehört eingerahmt, mit einer kleinen Messingplakette versehen und irgendwo zwischen Eurofighter-Erinnerungen und Aufstiegsfotos in der Vereinsgeschichte aufgehängt.

Denn Schalke hatte an diesem Abend einen bemerkenswert einfachen Plan:

Wenn wir den Ball nicht haben, können wir ihn wenigstens auch nicht verlieren.

Und was soll man sagen?

Der Plan funktionierte hervorragend.

Die Statistik liest sich nämlich ungefähr so, als hätten Bayern und Schalke zwei verschiedene Sportarten betrieben: 14:2 Torschüsse und 11:0 Ecken für München. Im Stadion waren 62.094 Zuschauer.

Normalerweise schaut man bei solchen Zahlen anschließend vorsichtig auf die Anzeigetafel und hofft, dass es nicht allzu schlimm geworden ist.

Diesmal stand dort:

0:0.

Herrlich.

Karius macht einfach die Tür zu

Einer hatte an diesem Abend offenbar beschlossen, dass Tore vollkommen überschätzt werden: Loris Karius.

Nathaniel Brown versucht es?

Karius hält.

Michael Olise versucht es?

Karius hält.

Harry Kane packt kurz vor Schluss noch einmal den Hammer aus?

Natürlich hält Karius auch den.

In der 87. Minute zog Kane aus der Distanz ab, doch Karius fischte auch diesen Ball aus der Ecke. Zuvor hatte er bereits gegen Olise und Brown stark reagiert. Schalkes Profifußball-Direktor Youri Mulder erfand dafür gleich eine neue Qualitätsstufe und sprach sinngemäß von einer „nationalmannschaftsleistungsfähigen“ Parade.

Ein wunderschönes Wort.

Vielleicht sollte der Duden schon einmal Platz schaffen.

Karius selbst machte hinterher allerdings kein großes Theater daraus. Er lobte vielmehr die gesamte Mannschaft und erklärte, er habe eigentlich nur dirigieren müssen:

weiter, hoch, runter.

Das klingt weniger nach Bundesliga-Torwart und mehr nach einem besonders engagierten Einweiser auf einem Flughafenparkplatz.

Aber offenbar reicht das gegen Bayern.

Vor Karius stand eine königsblaue Betonmischmaschine

Und jetzt bitte nicht den Fehler machen und dieses Ergebnis allein dem Torwart zuschreiben.

Vor Karius stand nämlich keine normale Abwehr.

Da stand eine königsblaue Selbsthilfegruppe für verzweifelte Bayern-Stürmer.

Hasan Kurucay, Nikola Katic und Timo Becker warfen sich in alles, was ungefähr die Form eines Fußballs hatte.

Flanke?

Weg damit.

Chipball?

Nicht mit uns.

Dribbling?

Kannst du gerne versuchen.

Schuss?

Da steht schon irgendjemand.

Und wenn niemand stand, flog eben Karius.

Besonders bemerkenswert war, mit welcher Leidenschaft Schalke den eigenen Strafraum verteidigte. El-Faouzi und Tanaka jagten den Münchner Kreativspielern permanent hinterher, während Kurucay, Katic und Becker im Zentrum gegen Flanken, Finten und Abschlüsse arbeiteten.

Man könnte sagen: Bayern hatte Ballbesitz.

Schalke hatte Besitzansprüche auf jeden Quadratmeter rund um den eigenen Strafraum.

Die Bayern brachten irgendwann einfach alle

Besonders schön wurde es, als Vincent Kompany offenbar langsam genug hatte.

Zu Beginn saßen Harry Kane und Michael Olise noch draußen. Später kamen sie.

Dann kam auch noch Jamal Musiala.

Also praktisch die fußballerische Variante von:

„Jetzt reicht’s, holt alles aus dem Schrank.“

Doch Schalke reagierte darauf ungefähr so:

„Ach, der Kane ist jetzt auch da? Grüß dich.“

Die Münchner erhöhten den Druck massiv. Pass um Pass. Dribbling um Dribbling. Hereingabe um Hereingabe.

Aber Schalke verteidigte weiter.

Und weiter.

Und weiter.

Die Gastgeber warfen sich in die Angriffe, Karius hielt und Bayern machte sich zusätzlich selbst das Leben schwer. Trainer Kompany bemängelte nach dem Spiel unter anderem das fehlende Tempo und die verlorenen Minuten im eigenen Angriffsspiel.

Auf Schalke nennt man solche verlorenen Minuten vermutlich einfach:

erfolgreiche Arbeitszeit.

Tanaka und El-Faouzi: Zwei Männer, ungefähr zwölf Lungen

Besonders beeindruckend war die Laufleistung.

Satoshi Tanaka und Soufiane El-Faouzi waren gefühlt gleichzeitig links, rechts, vorne, hinten und wahrscheinlich zwischendurch noch kurz auf dem Parkplatz.

Bayern wollte kombinieren.

Da war Tanaka.

Bayern wollte aufdrehen.

Da war El-Faouzi.

Bayern wollte mal zwei Sekunden Ruhe.

Keine Chance.

Trainer Miron Muslic hatte offenbar elf Spielern erklärt, dass persönlicher Raum eine völlig überbewertete Erfindung sei.

Und seine Mannschaft nahm ihn beim Wort.

Bayern wurde überall angelaufen: einzeln, zu zweit und teilweise zu dritt. Muslic erklärte anschließend, man habe einen klaren Plan gehabt und das „Leiden“ sogar ein Stück weit genießen wollen. Sein Fazit: Ein größeres Kompliment als ein 0:0 gegen Bayern könne er seinen Spielern kaum machen.

Das muss man sich einmal vorstellen.

Andere genießen Wellness.

Schalke genießt Leiden.

Vielleicht ist das einfach Ruhrgebiet.

Moussa Sylla rennt – auch wenn der Ball woanders ist

Und dann Moussa Sylla.

Der Mann hatte nicht viele Bälle.

Das störte ihn aber offensichtlich überhaupt nicht.

Dann rennt man eben ohne Ball.

Auch eine Beschäftigung.

Sylla arbeitete bis tief in die Nachspielzeit, jagte jedem Ball hinterher und opferte sich für die Mannschaft auf. Selbst als offensiv kaum etwas möglich war, ließ der Einsatz nicht nach.

Genau solche Spiele zeigen, worum es für einen Aufsteiger gehen wird.

Nicht immer schön.

Nicht immer elegant.

Vielleicht auch nicht immer mit Ball.

Aber mit Herz, Beinen und einer gewissen Bereitschaft, dem Gegner den Abend gründlich zu vermiesen.

Und dann kommt Luca Vozar

Die vielleicht schönste Szene des Spiels ereignete sich in der Nachspielzeit.

Nicht, weil ein Tor fiel.

Nicht einmal, weil eine Torchance entstand.

Sondern weil der 19-jährige Luca Vozar plötzlich die rechte Seite entlangraste.

  1. Minute.

Die Beine eigentlich längst leer.

Vozar rennt.

Jonathan Tah steht vor ihm.

Vozar rennt weiter.

Dann prallt er an Tah ab.

Ball im Aus.

Und Vozar?

Feiert.

Natürlich feiert er.

Denn wieder waren ein paar Sekunden weg.

Wieder musste Bayern warten.

Wieder war Schalke seinem Punkt näher.

Am Ende blieb es beim 0:0. Die Münchner diskutierten noch über den Zeitpunkt des Abpfiffs, während Schalke den Punkt nach dem Wiederaufstieg entsprechend ausgelassen feierte.

Manchmal besteht Fußballkunst eben nicht darin, vier Gegenspieler auszudribbeln.

Manchmal besteht Fußballkunst darin, in der 93. Minute einen Ball ins Aus zu befördern und sich darüber zu freuen wie über das Tor des Monats.

Vom 0:3 zum Bayern-Schreck

Dabei war die Ausgangslage alles andere als angenehm.

Am ersten Spieltag hatte Schalke beim FC Augsburg mit 0:3 verloren. Die Mannschaft bekam damit sofort vor Augen geführt, dass die Bundesliga nach den Jahren in Liga zwei keinen Begrüßungssekt verteilt.

Und dann kommt ausgerechnet Bayern.

Ein Gegner, gegen den die jüngere Bilanz beinahe grotesk aussah: Aus den vorherigen zehn Bundesliga-Duellen standen für Schalke null Punkte und 2:38 Tore zu Buche.

Zwei zu achtunddreißig!

Das ist weniger eine Bilanz als ein Hilferuf.

Und dann stellen sich diese Schalker hin und sagen:

Heute nicht.

Kein Tor.

Kein Bayern-Sieg.

Kein nächster Eintrag in der Horrorliste.

Stattdessen ein Punkt.

Elf Mann, ein Plan und ganz viel königsblauer Wahnsinn

Natürlich wird Schalke in dieser Saison irgendwann mehr brauchen als eine spektakuläre Abwehrschlacht.

Man wird Spiele gewinnen müssen.

Man wird selbst Tore schießen müssen.

Man wird sicherlich auch einmal mehr als zwei Torschüsse benötigen.

Das weiß jeder.

Aber darum geht es nach diesem Abend gar nicht.

Dieses Spiel war ein Beweis dafür, dass diese Mannschaft etwas besitzt, das im Abstiegskampf unbezahlbar sein kann:

Zusammenhalt.

Jeder lief für den anderen.

Jeder warf sich rein.

Jeder akzeptierte seine Aufgabe.

Keiner war sich zu schade für den nächsten Sprint, den nächsten Zweikampf oder den nächsten geblockten Ball.

Und irgendwann merkte man sogar den Bayern an:

Diese Schalker gehen uns langsam gewaltig auf die Nerven.

Ein schöneres Kompliment kann es für einen Aufsteiger eigentlich kaum geben.

Schalke ist wieder da

Vor dem Spiel hatten die Fans ihre Mannschaft mit einer riesigen Choreografie empfangen.

Die Botschaft:

„Nicht der Bessere soll gewinnen, sondern immer Schalke.“

Nun ja.

Gewonnen hat Schalke offiziell nicht.

Aber versuchen Sie das einmal jemandem auf der Nordkurve zu erklären.

Nach Jahren voller Krisen, Abstiegen, finanzieller Sorgen und Zweitliga-Abenden war dieser Abend wieder einer dieser Momente, die daran erinnern, warum dieser Klub trotz aller Verrücktheiten eine solche Wucht entwickeln kann.

62.094 Menschen.

Eine Mannschaft, die rennt, kämpft und grätscht.

Ein Torwart, der alles hält.

Ein Trainer, der seinen Spielern erklärt, sie sollen das Leiden genießen.

Und Bayern München, das irgendwann nur noch verzweifelt versucht, irgendwo eine Lücke zu finden.

Am Ende findet Bayern keine.

Schalke findet dafür etwas anderes:

Selbstvertrauen.

Vielleicht war es nur ein Punkt.

Vielleicht war es nur der zweite Spieltag.

Vielleicht hatte Schalke kaum den Ball.

Aber manchmal erzählt ein 0:0 eben mehr über eine Mannschaft als ein lockeres 3:0.

Diese Elf hat gezeigt, dass sie bereit ist, füreinander zu laufen, zu kämpfen und notfalls 90 Minuten lang jeden Zentimeter Rasen zu verteidigen.

Oder einfacher gesagt:

Bayern hatte den Ball. Schalke hatte Karius, Kampfgeist und 62.094 Leute im Rücken.

Reichte völlig.

Glück auf! 🔵⚪

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