Kaum eine Filmrolle wird mit so viel Spannung neu besetzt wie James Bond. Seit Sean Connery erstmals als Agent 007 auftrat, gehörten nur sechs Schauspieler offiziell zu diesem exklusiven Kreis. Daniel Craigs Nachfolger wird damit Teil einer Filmgeschichte, die seit Jahrzehnten weltweit Millionen Fans beschäftigt.
Die letzte große Bond-Neubesetzung liegt bereits mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Daniel Craig wurde 2005 als neuer Geheimagent vorgestellt. Entsprechend groß ist inzwischen die Neugier darauf, wer künftig den Smoking tragen, den Aston Martin fahren und sich mit der berühmten Doppelnull-Lizenz durch die nächste Mission kämpfen darf.
Noch ist die wichtigste Frage unbeantwortet: Wer wird der neue James Bond?
Seit Jahren kursieren zahlreiche Namen. Zu den immer wieder genannten Kandidaten gehören unter anderem Henry Cavill, Harris Dickinson, Jacob Elordi, Jack Lowden, James Norton, Jack O’Connell, Callum Turner und Aaron Taylor-Johnson.
In jüngerer Zeit kamen weitere Schauspieler hinzu. Berichten zufolge soll etwa der Bühnendarsteller Tom Francis für die Rolle vorgesprochen haben. Auch Paul Mescal und Jack Barton wurden im Zusammenhang mit möglichen Screen-Tests genannt.
Fest steht bislang lediglich, dass der Castingprozess läuft. Ob einer der häufig genannten Favoriten tatsächlich das Rennen macht, ist dagegen völlig offen.
Viele der kursierenden Namen beruhen auf Branchenberichten, Gerüchten und Spekulationen. Die Verantwortlichen halten sich mit konkreten Angaben bislang auffallend zurück.
Das Casting läuft bereits
Amazon MGM Studios bestätigte im Mai, dass die Suche nach dem neuen Bond begonnen hat.
Details sollen während des Auswahlverfahrens allerdings nicht veröffentlicht werden. Die Produzenten wollen offenbar erst dann an die Öffentlichkeit gehen, wenn die Entscheidung tatsächlich gefallen ist.
Produzentin Amy Pascal deutete zuletzt an, dass es möglicherweise noch bis Ende des Jahres Klarheit geben könnte. Auf die Frage, ob bis dahin mit einer Bekanntgabe zu rechnen sei, bezeichnete sie diesen Zeitraum sinngemäß als durchaus realistische Möglichkeit.
Parallel dazu kursieren Gerüchte, wonach die Auswahl bereits stark eingeschränkt worden sein könnte. Branchenbeobachter berichteten von mehreren Castingrunden und davon, dass möglicherweise nur noch wenige Kandidaten im Rennen seien.
Ob der zukünftige Bond tatsächlich unter den prominenten Namen zu finden ist, die seit Monaten durch die Medien gehen, bleibt jedoch fraglich. Gut möglich, dass Amazon MGM am Ende einen Schauspieler präsentiert, den bislang kaum jemand auf seiner Favoritenliste hatte.
Was ein Schauspieler beim Bond-Casting zeigen muss
Wer James Bond spielen möchte, muss bei einem Casting offenbar nicht zwingend zuerst Explosionen überleben, einen Sportwagen durch London jagen oder mit einem Bösewicht auf einem fahrenden Zug kämpfen.
Traditionell wurde bei früheren Bond-Castings häufig eine vergleichsweise ruhige Szene aus „Liebesgrüße aus Moskau“ verwendet.
Darin kommt Bond aus dem Badezimmer und entdeckt Tatiana Romanova in seinem Bett.
Gerade weil die Szene ohne große Action auskommt, lässt sich daran viel erkennen: Körpersprache, Selbstbewusstsein, Charisma, Timing und die Fähigkeit, scheinbar mühelos eine Situation zu kontrollieren.
Regisseur Martin Campbell, der unter anderem „GoldenEye“ und „Casino Royale“ inszenierte, beschrieb eine zentrale Eigenschaft Bonds einmal mit einem einfachen Begriff: Mühelosigkeit.
Bond soll nie wirken, als müsse er sich besonders anstrengen. Seine Bewegungen, seine Reaktionen und sein Auftreten sollen kontrolliert und selbstverständlich erscheinen.
Die Screen-Tests sind entsprechend aufwendig. Kostüme, Maske, Kulissen und andere Schauspieler werden eingesetzt, damit die Produzenten möglichst genau beurteilen können, wie ein Kandidat tatsächlich als James Bond auf der Leinwand wirkt.
Wie wird der neue Bond vorgestellt?
Auch die Art der Bekanntgabe könnte diesmal anders ausfallen als früher.
Neue Bond-Darsteller wurden traditionell bei großen Presseveranstaltungen in London präsentiert. Daniel Craig beispielsweise wurde 2005 unter erheblicher medialer Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vorgestellt.
Doch inzwischen haben sich die Machtverhältnisse rund um die Filmreihe verändert.
Amazon übernahm MGM im Jahr 2021 für rund 8,5 Milliarden Dollar und sicherte sich damit unter anderem die Vertriebsrechte an James Bond. Später erhielt das Unternehmen zudem stärkeren kreativen Einfluss auf die Zukunft des Franchise.
Damit wäre erstmals denkbar, dass die Enthüllung des neuen 007 nicht ausschließlich über eine klassische Pressekonferenz erfolgt.
Amazon MGM könnte die Bekanntgabe beispielsweise nutzen, um große Aufmerksamkeit auf Prime Video zu lenken. Eine exklusive Präsentation auf der Streamingplattform würde vermutlich weltweit enorme Resonanz auslösen.
Ein möglicher Termin, über den Fans spekulieren können, ist der 5. Oktober. An diesem Tag wird traditionell der „Global James Bond Day“ begangen. Er erinnert an die Veröffentlichung des ersten Bond-Films „Dr. No“. Ob tatsächlich an diesem Datum eine Ankündigung erfolgt, ist allerdings bislang reine Spekulation.
Was wissen wir über Bond 26?
Über den nächsten Film selbst ist erstaunlich wenig bekannt.
Einen offiziellen Titel gibt es bislang ebenso wenig wie einen bestätigten Kinostart.
Fest steht jedoch, dass mit Steven Knight und Denis Villeneuve zwei prominente Namen an dem Projekt beteiligt sind. Knight, bekannt als Schöpfer von „Peaky Blinders“, schreibt das Drehbuch. „Dune“-Regisseur Villeneuve soll Regie führen.
Intern dürfte das Projekt vorerst schlicht unter einer Bezeichnung wie „Bond 26“ laufen.
Bei der Titelsuche könnten die Verantwortlichen erneut auf Ian Flemings literarisches Werk zurückgreifen. Viele Bond-Filme übernahmen ihre Namen aus Flemings Romanen oder Kurzgeschichten.
Einige bislang nicht als Filmtitel verwendete Fleming-Titel sind noch vorhanden, darunter „The Hildebrand Rarity“, „Risico“, „007 in New York“ und „The Property of a Lady“.
Allerdings wurden einzelne Elemente dieser Geschichten teilweise bereits in früheren Filmen verarbeitet.
Fans liefern natürlich längst eigene Vorschläge. Seit König Charles III. den britischen Thron bestiegen hat, tauchen beispielsweise Titel wie „On His Majesty’s Secret Service“ oder „King & Country“ regelmäßig in Diskussionen auf.
Als möglicher Kinostart wird derzeit häufig das Jahr 2028 genannt. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre die Pause zwischen zwei Bond-Filmen die längste in der Geschichte der Reihe.
Plant Amazon bereits eine ganze Bond-Ära?
Mit der Verpflichtung eines neuen Hauptdarstellers dürfte die Planung kaum bei einem einzelnen Film enden.
Amazon MGM verfügt über die finanziellen Möglichkeiten, James Bond langfristig als eines seiner wichtigsten Film-Franchises aufzubauen.
Damit stellen sich zahlreiche strategische Fragen.
Soll ein Schauspieler mehrere Filme lang Bond bleiben? Soll sich seine Geschichte über ein Jahrzehnt entwickeln? Kommt alle zwei oder drei Jahre ein neuer Film oder werden die Abstände größer?
Auch mögliche Ableger sind denkbar.
Seit Jahren wird darüber spekuliert, ob Figuren oder Themen aus dem Bond-Universum eigene Produktionen erhalten könnten. Ein jüngerer James Bond oder Abenteuer rund um Miss Moneypenny wären theoretisch mögliche Ansätze.
Doch genau hier lauert auch eine Gefahr.
Andere große Studios haben gezeigt, dass selbst enorm populäre Marken Schaden nehmen können, wenn innerhalb kurzer Zeit zu viele Filme und Serien erscheinen. Amazon MGM dürfte deshalb genau beobachten, welche Erfahrungen Disney mit „Star Wars“ und dem Marvel Cinematic Universe gemacht hat.
Der Kern der Marke dürfte deshalb auch künftig der große James-Bond-Kinofilm bleiben.
Und was passiert mit Bonds Tod?
Dann gibt es noch ein ziemlich außergewöhnliches Problem.
Daniel Craigs letzter Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ endete bekanntlich nicht mit einem Martini an der Hotelbar.
Bond befand sich auf der Insel seines Gegenspielers Safin, als diese bombardiert wurde. Alles deutete darauf hin, dass der Geheimagent die Explosion nicht überlebte.
Damit stellt sich für den nächsten Film eine Frage, mit der frühere Bond-Produzenten in dieser Form kaum konfrontiert waren: Wie bringt man einen gestorbenen James Bond zurück?
Die wahrscheinlich eleganteste Antwort könnte ein vollständiger Neustart sein.
Gerüchten zufolge könnte der neue Film einen jüngeren Bond zeigen und zu einem früheren Abschnitt seiner Laufbahn beim britischen Geheimdienst zurückkehren.
Damit müsste die Handlung nicht unmittelbar an das Ende von Daniel Craigs letzter Mission anschließen.
Für die Filmreihe wäre ein solcher Neustart keineswegs ungewöhnlich. Schon mit Daniel Craig wurde die Figur in „Casino Royale“ gewissermaßen neu eingeführt.
Bond besitzt schließlich eine besondere filmische Eigenschaft: Er kann sein Gesicht, sein Alter und sogar seine Vergangenheit verändern und trotzdem James Bond bleiben.
Die vielleicht wichtigste Gewissheit bleibt
Während Fans über Schauspieler, Regisseure, Drehbücher, Starttermine und mögliche neue Geschichten spekulieren, gibt es zumindest eine Tradition, auf die man sich seit Jahrzehnten verlassen kann.
Am Ende nahezu jedes Bond-Films erschien irgendwann eine beruhigende Botschaft:
James Bond wird zurückkehren.
Diesmal scheint die Frage weniger zu sein, ob er zurückkehrt.
Die spannendere Frage lautet:
Wer wird James Bond sein, wenn er es tut?
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