Die Republikanische Partei versammelt sich zu einem zweitägigen Parteitag in Dallas, um ihrer Kampagne für die US-Zwischenwahlen neuen Schwung zu verleihen. Weniger als zwei Monate vor dem Wahltermin am 3. November haben sich die politischen Aussichten der Partei deutlich verschlechtert. Die Demokraten rechnen sich inzwischen Chancen aus, sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit zu übernehmen.
Mit der erstmals veranstalteten Midterm Convention wollen die Republikaner ihre Anhänger mobilisieren und den wachsenden Vorsprung der politischen Konkurrenz stoppen. Im Mittelpunkt steht Präsident Donald Trump, der an beiden Abenden zur besten Sendezeit sprechen soll. Die Parteiführung setzt darauf, dass er vor allem die MAGA-Basis aktiviert und republikanische Wähler stärker für die Zwischenwahlen interessiert.
Aktuelle Prognosen verdeutlichen die schwierige Ausgangslage. Auf dem Prognosemarkt Polymarket wurde die Wahrscheinlichkeit einer demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus zuletzt mit 87 Prozent angegeben. Für eine Übernahme des Senats lag der Wert bei 53 Prozent. Auch Decision Desk HQ bewertete die Chancen der Demokraten auf eine Senatsmehrheit mit rund 50 Prozent. Noch über weite Strecken des vergangenen Jahres hatten die Republikaner dort als klare Favoriten gegolten.
Republikanische Funktionäre vermarkten die Veranstaltung in Dallas unter dem Namen „Trumpapalooza“. Neben Trump sollen Regierungsvertreter und Kandidaten aus verschiedenen Bundesstaaten auftreten. Geplant ist, die politischen Erfolge der Regierung hervorzuheben, die Demokraten scharf anzugreifen und die eigenen Anhänger auf die entscheidende Phase des Wahlkampfs einzustimmen. Der republikanische Stratege Charlie Black räumte ein, dass die Partei wegen der Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage, dem Krieg und weiteren Entscheidungen der Regierung vor einem schwierigen Wahljahr stehe. Umso wichtiger sei es, den eigenen Anhängern wieder positive Botschaften zu vermitteln.
Der Parteitag birgt zugleich Risiken. Trump konkurriert mit seinen abendlichen Auftritten um die Aufmerksamkeit eines Publikums, das sich parallel für den Beginn der NFL-Saison interessiert. Zudem bleiben mehrere republikanische Kandidaten aus besonders umkämpften Wahlkreisen und Bundesstaaten der Veranstaltung fern. Sie befürchten offenbar, dass eine zu enge Verbindung mit Trump ihrer eigenen Kampagne schaden könnte.
Besonders angespannt ist die Situation im Senat. Nach den zusammengefassten Umfragen von Real Clear Politics lagen demokratische Kandidaten zuletzt in acht der neun wichtigsten Rennen vorn. Dazu zählen North Carolina, Georgia, Maine, Michigan, Texas, New Hampshire, Ohio und Alaska. Lediglich in Iowa verfügten die Republikaner über einen knappen Vorsprung.
Für eine Mehrheit im Senat müssen die Demokraten vier zusätzliche Sitze gewinnen und gleichzeitig ihre Mandate in Georgia, Michigan und New Hampshire verteidigen. Derzeit verfügen die Republikaner dort über eine Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen. Dass sie inzwischen auch in traditionell republikanisch geprägten Staaten wie Alaska, Ohio und Iowa erhebliche Mittel einsetzen müssen, bindet Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen könnten. Trump kündigte deshalb unter anderem einen Wahlkampfauftritt in Alaska an.
Auch die Mehrheit im Repräsentantenhaus steht auf dem Spiel. Dort kontrollieren die Republikaner derzeit 218 Sitze, während die Demokraten 215 Mandate halten. Der oppositionellen Partei würden damit bereits drei zusätzliche Sitze zur Übernahme der Kammer reichen.
Trotz schwacher persönlicher Umfragewerte bleibt Trump für die Republikaner der wichtigste Mobilisierungsfaktor. Seine starke Unterstützung innerhalb der eigenen Kernwählerschaft soll die Beteiligung erhöhen. Gleichzeitig versuchen die Demokraten, republikanische Kandidaten mit der Unzufriedenheit über Trumps Wirtschafts- und Außenpolitik in Verbindung zu bringen.
Eine im August veröffentlichte Befragung von Economist und YouGov zeigte zudem eine deutliche Mobilisierungslücke. Demnach erklärten 91 Prozent der registrierten demokratischen Wähler, sicher an der Wahl teilnehmen zu wollen. Bei den Republikanern waren es 79 Prozent. In der allgemeinen Parteipräferenz lagen demokratische Kongresskandidaten mit 46 zu 40 Prozent vorn. Unter den besonders entschlossenen Wählern fiel ihr Vorsprung noch größer aus.
Der Politikwissenschaftler Calvin Jillson von der Southern Methodist University bewertet den Parteitag deshalb vor allem als Versuch, der Republikanischen Partei einen gemeinsamen Sammelpunkt und größere mediale Aufmerksamkeit für die Schlussphase des Wahlkampfs zu verschaffen. Ob die Veranstaltung tatsächlich eine Trendwende auslösen kann, bleibt offen. Sicher ist nur: Die Republikaner reisen nach Dallas, weil sie dringend neue Energie benötigen – und Donald Trump soll sie liefern.
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