Es gibt Wochenenden als RB-Leipzig-Fan, an denen man sonntags aufwacht, kurz aufs Handy schaut und denkt: Ach komm, Fußball kann doch eigentlich ganz schön sein. Gladbach 3:0 geschlagen, Martín Demichelis gewinnt sein erstes Bundesligaspiel – und während wir noch über Nusa, Baku, Reitz und Nkunku reden, bastelt Marcel Schäfer offenbar schon an den nächsten Transfers. Marc Guiu soll kommen. Neil El Aynaoui ebenfalls. Conrad Harder dagegen wohl gehen. Leute, ich wollte heute eigentlich einen ruhigen Sonntag.
Fangen wir mit dem Wichtigsten an:
3:0.
Gegen Borussia Mönchengladbach.
Drei Tore. Kein Gegentor. Drei Punkte.
Martín Demichelis dürfte sich seinen ersten Bundesliga-Auftritt ungefähr so vorgestellt haben.
Der Trainer sprach anschließend von einem Tag, den er nicht vergessen werde. Nach Abpfiff holte er die Mannschaft noch einmal in der Kabine zusammen. Die Spieler sollten diesen Moment genießen, schließlich habe der ganze Klub wochenlang darauf hingearbeitet.
Und ich sage als RB-Fan:
Unbedingt genießen!
Denn wir wissen schließlich alle, wie Fußball funktioniert. Heute 3:0, Euphorie, Sonnenschein und Aufbruchstimmung – und drei Wochen später sitzt man möglicherweise wieder da und diskutiert 45 Minuten darüber, warum bei einer Ecke niemand am zweiten Pfosten stand.
Also nehmen wir diesen Moment einfach mit.
Demichelis jubelt – und ich gleich mit
Was mir bei Demichelis gefällt?
Der Mann wirkt emotional dabei.
Bei den Toren gegen Gladbach jubelte er gemeinsam mit seinem Trainerteam. Das mag nach einer Selbstverständlichkeit klingen, aber genau diese Energie möchte ich an der Seitenlinie sehen.
Nach all den Veränderungen dieses Sommers brauchen wir einen Trainer, bei dem man das Gefühl bekommt:
Der hat richtig Bock auf dieses Projekt.
Natürlich war gegen Gladbach nicht alles perfekt. Die Borussia hatte gerade in der Anfangsphase Möglichkeiten.
Aber entscheidend war etwas anderes: RB wurde stärker.
Baku macht das 1:0.
Nusa dieses herrliche 2:0.
Und dann kommt Nkunku rein, legt praktisch sofort für Rocco Reitz auf und der macht das 3:0.
So darf ein Bundesliga-Samstag gerne öfter aussehen.
Und offenbar dachte sich Marcel Schäfer danach:
Schön. Aber ein bisschen was geht noch.
Marcel Schäfer hat offenbar keine Lust auf einen ruhigen Sonntag
Das Transferfenster schließt am Dienstag um 18 Uhr.
Für normale Menschen bedeutet das: Dienstag ist Dienstag.
Für Fußballfans bedeutet es:
Bis Dienstag 18 Uhr wird das Smartphone nicht mehr aus der Hand gelegt.
Denn laut dem vorliegenden Bericht arbeitet RB sowohl an Zugängen als auch an Abgängen.
Und da stehen einige interessante Namen im Raum.
Ganz vorne:
Marc Guiu.
Der 20 Jahre alte Chelsea-Stürmer soll dem Bericht zufolge fest verpflichtet werden. Genannt werden 15 Millionen Euro Ablöse sowie eine relativ hohe Weiterverkaufsbeteiligung für Chelsea.
Wenn das tatsächlich so kommt, finde ich den Transfer ziemlich spannend.
Jung.
Entwicklungsfähig.
Stürmer.
Und mit 20 definitiv ein Spieler, bei dem noch einiges passieren kann.
Also im Grunde ziemlich genau das Beuteschema, das man in Leipzig seit Jahren kennt.
Und El Aynaoui soll gleich hinterherkommen
Damit aber nicht genug.
Auch Neil El Aynaoui soll nach Leipzig kommen.
Der marokkanische Nationalspieler steht bei der AS Rom unter Vertrag und soll laut Bericht zunächst ausgeliehen werden.
Genannt werden vier Millionen Euro Leihgebühr. Zusätzlich soll RB eine Kaufoption über 25 Millionen Euro erhalten. Der zentrale Mittelfeldspieler werde bereits in Leipzig erwartet.
Und da wird es interessant.
Denn genau diese Art von Transfer gefällt mir grundsätzlich.
Nicht sofort die komplette Summe auf den Tisch legen, sondern erst einmal schauen:
Passt er zur Bundesliga?
Passt er zu Demichelis?
Passt er zu RB?
Und wenn die Antworten dreimal „Ja“ lauten, kann man über die Kaufoption sprechen.
So zumindest die Theorie.
Wir RB-Fans wissen natürlich auch, dass Transfer-Theorie und Transfer-Praxis gelegentlich ungefähr so viel miteinander zu tun haben wie meine taktischen Analysen auf dem Sofa mit einer UEFA-Pro-Lizenz.
Harder sagt offenbar schon Tschüss
Auf der anderen Seite dürfte sich bei Conrad Harder etwas tun.
Nach dem Bericht soll der 21-Jährige per Leihe ohne Kaufoption zu Racing Straßburg wechseln.
Nach dem Gladbach-Spiel gab es offenbar bereits eine Szene, die ziemlich nach Abschied aussah: Harder holte Rocco Reitz im Kabinengang zu sich, umarmte ihn und verließ später als erster Spieler das Stadion.
Nach einer ersten Saison mit 34 Einsätzen und vier Toren soll er nun andernorts Spielpraxis und neues Selbstvertrauen sammeln.
Und ganz grundsätzlich?
Kann ich damit leben.
Harder braucht Spiele.
Er braucht Tore.
Er braucht wahrscheinlich auch einmal ein Umfeld, in dem er über mehrere Wochen regelmäßig auf dem Platz steht.
Eine Leihe ohne Kaufoption bedeutet zumindest: RB gibt ihn nicht auf.
Also geh nach Straßburg, Junge, mach deine Buden – und dann schauen wir weiter.
Bitshiabu? Vermeeren? Da könnte es komplizierter werden
Bei El Chadaille Bitshiabu sieht die Sache offenbar weniger eindeutig aus.
Ein möglicher Wechsel nach Lens soll aktuell wackeln, auch wenn die Beteiligten laut Bericht weiterhin an einer Lösung arbeiten.
Bei Arthur Vermeeren wiederum sollen derzeit keine Angebote vorliegen.
Das zeigt auch, wie kompliziert diese letzten Transfertage werden können.
Du möchtest deinen Kader umbauen.
Dafür brauchst du Zugänge.
Aber teilweise eben auch Abgänge.
Und plötzlich hängt Transfer A an Transfer B, Transfer B an Transfer C und irgendwo wartet ein Berater darauf, dass noch ein vierter Verein anruft.
Herrlich.
Transferfenster.
Der einzige Ort, an dem erwachsene Menschen ernsthaft den ganzen Tag Flugbewegungen beobachten und daraus eine Startelf für Samstag ableiten.
Und David Raum? Bitte einfach hierbleiben
Dann wäre da noch David Raum.
Der Nationalspieler war zuletzt mit Manchester United in Verbindung gebracht worden.
Nach dem aktuellen Bericht deutet inzwischen aber vieles auf einen Verbleib in Leipzig hin. RB wolle seinen Stammspieler so kurz vor Ende der Transferperiode offenbar nicht mehr abgeben.
Meine hochkomplexe Fan-Analyse dazu lautet:
Gut so.
Irgendwann muss auch Schluss sein.
Wir können schließlich nicht gleichzeitig eine neue Mannschaft aufbauen und jeden Spieler, der geradeaus laufen und eine Flanke schlagen kann, noch schnell nach England schicken.
Raum kennt die Bundesliga.
Er kennt den Verein.
Er ist Nationalspieler.
Und wenn Demichelis jetzt etwas aufbauen möchte, braucht er neben jungen Talenten auch Spieler, die nicht erst drei Wochen lang herausfinden müssen, wo in Leipzig das Trainingszentrum steht.
Plötzlich sieht dieser Kader ziemlich interessant aus
Und genau deshalb bin ich nach diesem Wochenende vorsichtig optimistisch.
Nkunku ist wieder da.
Guiu könnte kommen.
El Aynaoui könnte kommen.
Raum dürfte bleiben.
Harder könnte Spielpraxis in Frankreich sammeln.
Dazu ein Trainer, der sein erstes Bundesligaspiel direkt mit 3:0 gewinnt und anschließend aussieht, als würde ihm dieser Erfolg tatsächlich etwas bedeuten.
Natürlich ist das erst der Anfang.
Natürlich werden wir nach einem einzigen Sieg nicht Meister.
Und natürlich werden vermutlich spätestens beim nächsten schlechteren Spiel wieder sämtliche Grundsatzfragen hervorgeholt.
Aber darum kümmere ich mich dann.
Heute genieße ich erst einmal dieses Wochenende.
3:0 gegen Gladbach.
Drei Punkte.
Kein Gegentor.
Demichelis mit einem perfekten Bundesliga-Start.
Und Marcel Schäfer sitzt wahrscheinlich irgendwo mit zwei Telefonen, drei Beratern und zwölf geöffneten WhatsApp-Chats und versucht, bis Dienstag noch den halben Kader umzubauen.
Von mir aus.
Wenn am Ende Guiu und El Aynaoui tatsächlich in Leipzig stehen und David Raum weiterhin unser Trikot trägt, darf Marcel sein Handy danach sogar für ein paar Stunden ausschalten.
Aber bitte wirklich erst Dienstag um 18.01 Uhr.
Die konkreten Angaben zu Guiu, El Aynaoui, Harder und den möglichen weiteren Abgängen beruhen auf dem am 30. August um 10:29 Uhr veröffentlichten Bericht und sollten bis zu offiziellen Vereinsbestätigungen als Medieninformationen beziehungsweise Transfermeldungen behandelt werden.
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