Startseite Allgemeines Putins verhüllte Drohung gegen Großbritannien: Kreml setzt weiter auf psychologischen Druck
Allgemeines

Putins verhüllte Drohung gegen Großbritannien: Kreml setzt weiter auf psychologischen Druck

Sunriseforever (CC0), Pixabay
Teilen

Russlands Präsident Wladimir Putin hat mit einer bewusst vagen Antwort neue Spannungen mit Großbritannien ausgelöst. Auf die Frage, ob Moskau als Reaktion auf britische Waffenlieferungen an die Ukraine militärische Einrichtungen im Vereinigten Königreich angreifen könnte, antwortete Putin lediglich: „Das ist geheim. Ein militärisches Geheimnis.“

Es war weder ein Ja noch ein Nein. Genau darin liegt die Wirkung: Die Antwort lässt offen, was Moskau tatsächlich beabsichtigt – und erzeugt damit Unsicherheit.

Keine konkrete Angriffsdrohung – aber eine klare Botschaft

Aus Putins Worten lässt sich nicht ableiten, dass russische Raketen unmittelbar gegen Ziele in Großbritannien eingesetzt werden sollen. Die Formulierung passt jedoch zu einer Kommunikationsstrategie des Kremls, die auf Andeutungen, Abschreckung und psychologischen Druck setzt.

Großbritannien gehört seit Beginn des russischen Angriffskriegs zu den entschiedensten Unterstützern der Ukraine. Putins Antwort kann daher auch als Versuch verstanden werden, London zum Nachdenken über die Folgen weiterer militärischer Hilfe zu bringen.

Die russische Rhetorik gegenüber Großbritannien hatte sich bereits zuvor verschärft. In der Zeitung „Moskovsky Komsomolets“ war dem britischen Premierminister Andy Burnham sinngemäß nahegelegt worden, Russland nicht in seinen Träumen, sondern in seinen Albträumen zu sehen.

Viel martialische Sprache – konkrete Angaben dazu, was damit gemeint sein soll, fehlen jedoch.

Sorge vor russischen Hybridoperationen in Europa

Die Debatte erhält zusätzliche Brisanz durch jüngste Vorfälle in Europa.

Deutschland macht Russland für einen Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig im vergangenen Monat verantwortlich. Putin wies die Vorwürfe zurück und beschuldigte Deutschland seinerseits, Beweise platziert zu haben.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprach dagegen von einem bekannten Muster russischer Hybridoperationen in Europa.

Damit stellt sich auch für Großbritannien die Frage, ob Moskau seinen Druck möglicherweise weniger durch einen offenen militärischen Angriff als durch Cyberattacken, Sabotage, Drohnenoperationen oder andere Formen hybrider Einflussnahme erhöhen könnte.

Putin warnt den gesamten Westen

Die Botschaften aus Putins Pressekonferenz in Bischkek richteten sich nicht nur an London.

Der russische Präsident verglich westliche Staaten mit Haien und erklärte, Russland werde sich wehren, wenn jemand versuche, das Land „in der Nahrungskette nach unten zu ziehen“ oder zu „verschlingen“.

Wer dies versuche, könne „einen Schlag auf die Zähne“ bekommen, sagte Putin.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kremlchef geopolitische Konflikte mit Bildern aus der Tierwelt beschreibt. Erst kürzlich hatte er Orcas erwähnt, die Eisbären zerreißen, um seine Argumentation zum Krieg gegen die Ukraine zu illustrieren.

Putin demonstriert Selbstvertrauen

Während der rund 45-minütigen Pressekonferenz wirkte Putin kämpferisch und siegessicher.

Besonders lebhaft sprach er über die Konfrontation Russlands mit dem Westen und den Krieg in der Ukraine. Dabei steht seine demonstrative Zuversicht in deutlichem Gegensatz zur Realität eines Konflikts, der inzwischen seit mehr als viereinhalb Jahren andauert und Russland enorme militärische Verluste sowie erheblichen wirtschaftlichen Druck beschert hat.

Putin erklärte dennoch, er habe keinerlei Zweifel daran, dass der Gegner „zusammenbrechen“ werde.

Bislang ist genau das nicht geschehen. Die Ukraine kämpft weiter.

Aus der „Spezialoperation“ wird auch bei Putin zunehmend ein Krieg

Bemerkenswert war auch Putins Wortwahl.

Der Kreml bezeichnet den Angriff auf die Ukraine offiziell weiterhin als „militärische Spezialoperation“. Putin selbst sprach während der Pressekonferenz allerdings ausdrücklich von einem „Krieg“.

„Krieg ist eine brutale und unvorhersehbare Sache“, sagte er.

Damit benutzt auch der russische Präsident zunehmend einen Begriff, den die Staatsführung über Jahre hinweg in offiziellen Darstellungen möglichst vermieden hatte.

Verhandlungen ja – aber offenbar bevorzugt mit Trumps Vertrauten

Gleichzeitig behauptete Putin, weiterhin offen für Verhandlungen über ein Ende des Kriegs zu sein.

Dabei ließ er erkennen, mit welchen Vertretern der US-Regierung er besonders gerne sprechen würde: Jared Kushner und Steve Witkoff.

Putin bezeichnete beide als Menschen, die man in Moskau gut kenne und denen man grundsätzlich vertraue. Sie seien jederzeit willkommen.

Deutlich zurückhaltender fiel dagegen die Behandlung von CIA-Direktor John Ratcliffe aus, der in der vergangenen Woche überraschend Moskau besucht hatte. Nach Angaben des Kremls kam es dabei nicht zu einem Treffen mit Putin.

Frieden weiterhin nach russischen Vorstellungen

Ob Witkoff oder Kushner in nächster Zeit erneut nach Moskau reisen werden, ist bislang offen.

Sollte es dazu kommen, dürften sie jedoch auf einen russischen Präsidenten treffen, der sich trotz hoher Verluste und wirtschaftlichen Drucks weiterhin überzeugt gibt, den Krieg politisch wie militärisch zu seinen Bedingungen beenden zu können.

Putins knappe Antwort auf die Frage nach möglichen Angriffen auf Großbritannien passt genau in dieses Bild: keine klare Ankündigung, keine ausdrückliche Entwarnung – sondern bewusst erzeugte Unsicherheit.

Und möglicherweise ist genau diese Unsicherheit derzeit eines der wichtigsten Instrumente des Kremls im Konflikt mit dem Westen.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Nach geplatztem Prozess: Patrick Clancy fürchtet erneute Belastung durch Neuauflage

Nach dem ergebnislosen Ende des Mordprozesses gegen Lindsay Clancy hat sich ihr...

Allgemeines

FBI startet neue „Most Wanted“-Liste für mutmaßliche Großbetrüger

Das FBI erweitert seine bekannten Fahndungsprogramme um eine neue Kategorie. Neben den...

Allgemeines

Update:„Wheel of Fortune“ trennt sich von Sprecher Jim Thornton

Die US-Gameshow „Wheel of Fortune“ hat sich nach einer internen Untersuchung von...

Allgemeines

Trumps Außenpolitik bringt die internationale Ordnung ins Wanken

Donald Trumps Außenpolitik stellt traditionelle Bündnisse der Vereinigten Staaten zunehmend infrage und...