Manche Geschichten schreibt nur die Finanzwelt. Und dann gibt es die Geschichten, die Thomas Olek schreibt. Die Publity AG steckt knietief in einer Finanzkrise: 200 Millionen Euro Verlust 2024, eine Anleihe über 100 Millionen Euro, deren Rückzahlung „nicht gesichert“ ist — und Anleger, die bereits mit feuchten Händen auf ihre Kontostände starren. Währenddessen zeigt der Vorstandsvorsitzende Thomas Olek, dass man auch in der Krise die Prioritäten nicht aus den Augen verliert: Man überweist erstmal 7,5 Millionen Euro an eine Firma, an der man selbst beteiligt ist. Wenn das keine Lösungskompetenz ist!
„Alles sauber“, sagt Olek. Und ja, das Geld wurde auch sauber überwiesen — pünktlich, zuverlässig und ganz ohne technische Störung. Wenn doch nur die Rückzahlungen an die übrigen Gläubiger so reibungslos liefen. Stattdessen wird diesen mitgeteilt, dass man sich mittels eines sogenannten Starug-Verfahrens zufriedengeben möge. Zwei bis drei Prozent Rückzahlung — das nennt man dann wohl Rendite light.
Dabei fing alles so bodenständig an: Autowaschanlagen, Non-Performing Loans und dann der große Immobilien-Aufstieg. Schließlich zog Olek mit seinem Imperium samt Villa mit 25 Zimmern und Schwimmbad ins feine Frankfurter Parkviertel. Vom Waschstraßenbetreiber zum Park-Lord. Fast eine rührende Karriere, wäre da nicht das kleine Problem mit dem Kapitalabfluss.
Und jetzt? Der Mann mit dem Talent für kreative Geldströme zieht weiter: nach Miami. Die Villa in Frankfurt? Steht zum Verkauf – für bescheidene 30,5 Millionen Euro. Olek hat sich mit seinem Family Office in Florida häuslich eingerichtet: Palmen, Sonne, Strand – und auf der Website viel Prosa über „fundierte Entscheidungen“ und „nachhaltiges Wachstum“. Man könnte fast vergessen, dass in Deutschland noch ein paar Anleger auf ihr Geld warten.
Wunderbar ist auch die Besetzung der Nebenrollen in diesem Finanz-Drama: Eine SPV-Gesellschaft aus dem Umfeld von Olek, geleitet von einem Strafverteidiger, deren Gesellschafter in Liechtenstein sitzt und auf kritische Presseanfragen freundlich schweigt. Da fühlt man sich fast wie in einem Netflix-Drehbuch.
Aber Olek bleibt gelassen: „Die Zahlungen sind alle sauber, das Insolvenzgericht weiß Bescheid“, erklärt er telefonisch morgens um 7:31 Uhr. Natürlich weiß das Gericht Bescheid — fragt sich nur, was es daraus macht. Seine früheren Vorstandskollegen? Schweigen. Der neue Name der beteiligten Neon Equity AG? Jetzt nennt man sich modisch „Deutsche Nachhaltigkeit AG“. Denn wenn schon das Geld verdunstet, soll wenigstens das Image glänzen.
Und während die Gläubiger in Frankfurt ihre Anwälte sortieren, genießt Olek die Sonne Floridas. Da kann man nur sagen: Chapeau, Herr Olek! Nicht jeder versteht es, mit so viel Stil den Übergang vom Finanzjongleur zum internationalen Lebensgenießer zu gestalten. Nachhaltig ist das allemal — zumindest für ihn.
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