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Trotz Entschuldigung: Iran setzt Angriffe in der Golfregion fort

EdenMoon (CC0), Pixabay
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Trotz einer Entschuldigung des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian bei den Nachbarstaaten dauern die Angriffe in der Golfregion an. Mehrere Staaten meldeten am Samstag abgefangene Raketen und Drohnen. Besonders stark betroffen sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), auch Katar, Saudi-Arabien und Bahrain berichteten von Angriffen und Luftalarm.

Peseschkian hatte in einer Rede erklärt, der Iran wolle die Angriffe auf Nachbarstaaten einschränken – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass von deren Territorium keine Angriffe auf den Iran erfolgen. Zugleich betonte er, dass sich die iranischen Militäraktionen gegen US-Militärstützpunkte und Einrichtungen in der Region richteten. Aus seinem Büro hieß es später ergänzend, der Iran werde sich keinem Druck beugen und auf jede Aggression von US-Stützpunkten entschlossen reagieren. Länder der Region müssten daher keine Angriffe fürchten, solange sie nicht mit den USA kooperierten.

Mehrere Golfstaaten meldeten jedoch weiterhin Angriffe. Nach Angaben der VAE wurden seit Beginn der iranischen Offensive rund 200 Raketen, mehr als 1.100 Drohnen und mehrere Marschflugkörper abgefangen. Allein am Samstag registrierte die Luftabwehr 16 ballistische Raketen. Die iranische Revolutionsgarde erklärte, bei Angriffen auf eine US-Militärbasis in den Emiraten unter anderem ein Kommunikationszentrum und Radarsysteme getroffen zu haben. Katar meldete ebenfalls den Abschuss einer Rakete, Saudi-Arabien berichtete von abgefangenen Drohnen über dem Ölfeld Schaiba im Südosten des Landes sowie von zwei Raketen nahe einer US-Luftwaffenbasis südöstlich von Riad. Auch in Bahrain gab es erneut Luftalarm.

In Iran selbst sorgte Peseschkians Entschuldigung für Kritik. Hardliner im Parlament warfen dem Präsidenten vor, Schwäche zu zeigen und den nationalen Stolz zu verletzen. Ein Abgeordneter erklärte in sozialen Medien, eine Entschuldigung sei nur angebracht, wenn tatsächlich ein Fehler gemacht worden sei – das sei jedoch nicht der Fall. Auch andere konservative Politiker bezeichneten die Geste als unangemessen.

Unterdessen verschärfte US-Präsident Donald Trump den Ton gegenüber Teheran. Das US-Militär habe seit Beginn der Offensive vor rund einer Woche mehr als 3.000 Ziele im Iran angegriffen, teilte das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (CENTCOM) mit. Zudem seien zahlreiche Schiffe der iranischen Marine zerstört oder beschädigt worden. Trump sprach von einem großen militärischen Erfolg und kündigte weitere intensive Angriffe an. Der Iran werde „sehr hart getroffen werden“, erklärte er und drohte damit, auch bislang nicht angegriffene Ziele ins Visier zu nehmen.

Die iranische Führung wiederum warf den USA vor, zivile Infrastruktur anzugreifen. Außenminister Abbas Araktschi beschuldigte Washington, eine Entsalzungsanlage auf der Insel Keschm im Persischen Golf bombardiert zu haben. Dadurch sei die Wasserversorgung in rund 30 Ortschaften beeinträchtigt worden. Der Angriff auf Infrastruktur sei ein gefährlicher Schritt mit schwerwiegenden Konsequenzen, erklärte Araktschi.

Die militärische Eskalation hat zunehmend Auswirkungen auf die gesamte Region. Saudi-Arabien warnte den Iran vor einer „Fehlkalkulation“, die die Stabilität im Nahen Osten weiter gefährden könnte. Kuwait reagierte bereits mit Vorsichtsmaßnahmen und drosselte wegen der angespannten Sicherheitslage seine Ölproduktion sowie den Durchsatz in den Raffinerien. Hintergrund sind auch Drohungen gegen die Schifffahrt in der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Die iranische Revolutionsgarde erklärte, sie warte auf eine mögliche Präsenz von US-Kriegsschiffen, nachdem Washington angekündigt hatte, Handelsschiffen in der Meerenge Geleitschutz geben zu wollen.

Die Arabische Liga kündigte für Sonntag eine Notfallsitzung an, um über die jüngsten Angriffe in der Golfregion zu beraten. Beobachter erwarten allerdings vorerst vor allem politische Stellungnahmen, da konkrete gemeinsame Maßnahmen innerhalb des Bündnisses oft an internen Differenzen scheitern.

Auch in anderen Teilen des Nahen Ostens bleibt die Lage angespannt. Die israelische Armee flog erneut Luftangriffe auf Stellungen der Hisbollah im Libanon und griff nach eigenen Angaben Raketenwerfer, Waffenlager und weitere militärische Einrichtungen der proiranischen Miliz an. Gleichzeitig kam es im Süden des Libanon zu einem israelischen Militäreinsatz mit Hubschraubern. Laut libanesischem Gesundheitsministerium wurden bei den Kämpfen mehr als 40 Menschen getötet.

Die Hisbollah rief ihrerseits die Bewohner der nordisraelischen Stadt Kirjat Schmona zur sofortigen Evakuierung auf, ohne konkrete Details zu möglichen Angriffen zu nennen. Israels Verteidigungsminister Israel Katz forderte die Bevölkerung im Norden hingegen auf, in ihren Häusern zu bleiben, das Militär werde für ihre Sicherheit sorgen.

Auch die humanitäre Lage in der Region verschlechtert sich weiter. Im Libanon sind seit Beginn der aktuellen Eskalation Hunderttausende Menschen auf der Flucht. Hilfsorganisationen wie UNICEF haben begonnen, in Schulen Notkliniken einzurichten, um Vertriebene medizinisch zu versorgen. Das Rote Kreuz spricht von einer „fatalen“ humanitären Situation.

Die militärischen Auseinandersetzungen beeinträchtigen zudem zunehmend den internationalen Flugverkehr. Mehrere Staaten der Golfregion haben ihren Luftraum gesperrt, darunter Katar und Bahrain. Fluggesellschaften mussten zahlreiche Verbindungen aussetzen oder umleiten. Auch der irakische Luftraum bleibt vorerst geschlossen.

Beobachter warnen, dass sich der Konflikt weiter ausweiten könnte. Vertreter der mit Iran verbündeten Huthi-Miliz im Jemen erklärten, man sei bereit, sich dem Krieg anzuschließen. Eine Ausweitung der Kämpfe auf weitere Länder sei nur eine Frage der Zeit, hieß es. Gleichzeitig zeigen sich Teile der iranischen Bevölkerung laut Expertinnen und Experten gespalten: Während einige hoffen, dass Druck von außen politische Veränderungen im Land auslösen könnte, lehnen andere Angriffe von außen ab – trotz Kritik am eigenen Regime.

Damit bleibt die Lage im Nahen Osten weiterhin äußerst angespannt, während sich die militärischen Auseinandersetzungen und politischen Spannungen zwischen Iran, den USA, Israel und mehreren Staaten der Region weiter zuspitzen.

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