Mehrere Wohltätigkeitsorganisationen in Nordirland sehen sich mit finanziellen Engpässen und drohenden Entlassungen konfrontiert – Grund ist die Umstellung auf den britischen Shared Prosperity Fund (UKSPF), der nach dem Brexit den Wegfall der EU-Fördermittel ersetzen soll. Anders als beim früheren EU-Programm müssen die Organisationen nun erhebliche Summen vorstrecken und auf eine spätere Rückzahlung durch die Regierung hoffen.
So erklärte Andrew Irvine, Geschäftsführer der East Belfast Mission, gegenüber der BBC, man müsse pro Quartal rund 180.000 Pfund vorfinanzieren, obwohl dieses Geld nicht zur Verfügung stehe. Sollte dies nicht gelingen, drohten 17 Entlassungen bei seiner Organisation und bis zu 96 beim gesamten Netzwerk „Belfast Works“, das monatlich rund 400 Menschen beim Berufseinstieg unterstützt.
Obwohl laut UKSPF die Zahlungen eigentlich im Voraus alle sechs Monate erfolgen sollen, berichten betroffene Träger, dass sie stattdessen auf Rückerstattungen am Quartalsende vertröstet würden. Irvine kritisierte dies scharf als eine Art „kostenlose Finanzierung der Regierung durch kleine Wohltätigkeitsorganisationen“.
Auch Susan Russam, Leiterin von GEMS Northern Ireland, warnte vor einem drohenden Zahlungsstopp: „Wir können die Gehälter im April noch zahlen, aber im Mai wird es unmöglich.“ GEMS bietet unter anderem Sprach- und Rechenkurse sowie Schulungen im Kundenservice an – für viele Migranten ein wichtiger Schritt in den Arbeitsmarkt.
Die britische Regierung kündigte an, mit den Organisationen im engen Austausch zu stehen, räumte in einer internen Mail jedoch selbst ein, dass es „Cashflow-Herausforderungen“ geben könne.
Irvine kritisierte abschließend den Widerspruch zwischen den politischen Zielen und der Realität: „Wer Menschen aus der Armut in Arbeit bringen will, muss Projekte wie diese verlässlich finanzieren. Andernfalls ist das reine Rhetorik.“
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