Nach der verlorenen Parlamentswahl hätte man erwarten können, dass Viktor Orbán den Staffelstab weiterreicht. Stattdessen entschied sich die FIDESZ für die bewährte Strategie: Alles bleibt anders, damit alles gleich bleibt.
Beim Parteitag in Budapest wurde Orbán mit geradezu nordkoreanischer Spannung wiedergewählt. Von 737 Delegierten stimmten 729 für ihn, niemand dagegen, acht enthielten sich. Vermutlich, weil sie kurz nachsehen mussten, ob Enthaltung überhaupt erlaubt ist.
Damit bleibt der 63-Jährige weitere zwölf Monate Parteichef.
In seiner Rede erklärte Orbán zugleich, dass die Zeit der „jüngeren Generation“ gekommen sei. Ein Satz, den Beobachter der ungarischen Politik mittlerweile ungefähr so häufig gehört haben wie den Wetterbericht.
Die gute Nachricht für den Nachwuchs: Die Zukunft gehört ihnen.
Die schlechte Nachricht: Der genaue Übergabetermin bleibt weiterhin ein Mysterium.
Immerhin übernahm Orbán Verantwortung für die Wahlniederlage. Er räumte ein, die Schuld zu tragen – eine bemerkenswerte Geste in einer politischen Kultur, in der Niederlagen sonst gerne auf Brüssel, Soros, das Wetter oder die internationale Großwetterlage geschoben werden.
Konsequenzen hat dieses Schuldeingeständnis allerdings vorerst keine.
Statt Rückzug lautet die Devise nun: Neuorganisation. Bis zum Herbst soll die Partei an der Basis gestärkt werden, um eine schlagkräftige Oppositionsarbeit zu gewährleisten.
Oder anders gesagt: Der Mann, der Ungarn über Jahre dominierte, will nun beweisen, dass er auch Opposition kann.
Politisch betrachtet ist das fast schon ein neues Hobby.
So bleibt nach dem Parteitag vor allem eine Erkenntnis: Viktor Orbán hat angekündigt, Platz für die nächste Generation zu machen – und wurde unmittelbar danach erneut zum Chef gewählt.
Die junge Generation darf sich also weiterhin gedulden.
Schließlich hat auch die Zukunft Zeit. Nur bitte nicht vor Ablauf von Orbáns nächstem Mandat.
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