Hier ist ein kompakter Recherchebericht zu „OneCoin“ auf Deutsch. Hinweis vorab: Meine Websuche ist derzeit deaktiviert, daher stütze ich mich auf verlässliche, veröffentlichte Informationen bis Juni 2024 (u. a. US-Justizdokumente, große US-Zeitungen und Wirtschaftstitel)
Executive Summary
OneCoin (2014–2017 aktiv vermarktet, mit Nachwirkungen bis heute) war kein echtes Kryptowährungsprojekt, sondern ein globales Multi-Level-Marketing-System (MLM), das nach übereinstimmender Ansicht von Ermittlern und Gerichten ein Betrugssystem/Ponzi-Schema war. Die Organisation, geführt von Ruja Ignatova („The Cryptoqueen“) und Mitstreitern, soll weltweit Milliarden US-Dollar von Anlegern eingesammelt haben. Die USA spielten bei Aufklärung und Strafverfolgung eine Schlüsselrolle: Die US-Staatsanwaltschaft SDNY (Southern District of New York) leitete Anklagen ein; mehrere OneCoin-Funktionäre bekannten sich schuldig oder wurden verurteilt. Ruja Ignatova ist seit 2017 flüchtig (seit 2022 auf der FBI-Liste der „Ten Most Wanted“).
1. Hintergrund & Entstehung
- Gründung/Start: 2014 durch Ruja Ignatova (Bulgarien/Deutschland) und Karl Sebastian Greenwood.
- Struktur: Kombination aus „Bildungspaketen“ (teure „Krypto-Schulungen“) und Tokens, die angeblich in die Kryptowährung OneCoin konvertierbar waren.
- Marketing: Aggressive MLM-Rekrutierung, große Bühnenshows (z. B. London, Wembley), Hochglanz-Narrativ der „nächsten Bitcoin-Chance“.
- Kernversprechen: Rasanter Wertzuwachs, baldige Börsennotierung auf einer eigenen Exchange („xcoinx“, später „DealShaker“ als Marktplatz).
Kerndifferenz zu echten Kryptowährungen:
OneCoin hatte keine öffentliche Blockchain, keine unabhängige Verifikation der „Mints“, keine frei zugängliche Open-Source-Codebasis. Der „Preis“ wurde intern bestimmt.
2. Funktionsweise des Systems
- Vertrieb: „Bildungspakete“ (von wenigen hundert bis zu zehntausenden Euro). Beim Kauf gab es „Tokens/Voucher“, die angeblich zum „Schürfen“ von OneCoins dienten.
- „Mining“: De facto simuliert (laut Ermittlern). Kein offener Konsensmechanismus, kein Peer-to-Peer-Netzwerk.
- Inzentivierung: Hohe Provisionen für Werber*innen (Binary/Unilevel-Pläne), klassische MLM-Dynamik.
- Liquidität: Auszahlungen/„Wertrealisierungen“ waren stark eingeschränkt; interne Marktplätze dienten als Illusion von Nutzbarkeit.
Red Flags (schon früh):
- Kein öffentliches Ledger/Blockchain-Explorer.
- Preisbildung zentral gesteuert.
- Vertrieb über MLM statt über Börsen/Developer-Ökosystem.
- Verbote/Verfügungen durch Aufsichtsbehörden (2016 ff.).
3. Wachstum & globale Reichweite
- Regionen: Europa (v. a. DE, BG, UK), Asien, Afrika, Lateinamerika, USA.
- Opferzahlen & Summen: Schätzungen variieren, häufig genannt: > $4 Mrd. eingesammelt.
- Öffentliche Aufmerksamkeit: 2019 BBC-Podcast „The Missing Cryptoqueen“ (Jamie Bartlett/Georgia Catt) trug wesentlich zur Aufklärung im Mainstream bei.
4. Behördenreaktionen & rechtliche Schritte
4.1 USA
- SDNY / DOJ (Department of Justice):
- Konstantin Ignatov (Rujas Bruder): 2019 in den USA festgenommen, Geständnis (Betrug etc.).
- Karl Sebastian Greenwood: Schuldig; Verurteilung 2023 (u. a. zu 20 Jahren Haft) und umfangreiche Vermögensabschöpfung.
- Mark S. Scott (ehem. US-Anwalt): 2019 verurteilt (Geldwäsche i. V. m. OneCoin-Geldern; > $400 Mio.); Sentencing mehrfach vertagt (Stand bis Mitte 2024: Terminverschiebungen, Ergebnis tagesaktuell prüfen).
- Gilbert Armenta (persönliches Umfeld Ignatovas): schuldig; Verurteilung (Presseberichte nennen 2023 eine mehrjährige Haftstrafe).
- Irina Dilkinska (ehem. „Head of Legal & Compliance“): ausgeliefert, Geständnis; Verurteilung 2024 (US-Berichte nannten eine mehrjährige Haftstrafe).
- FBI „Ten Most Wanted“ (seit 2022): Ruja Ignatova wegen Drahtbetrug/Wertpapierbetrug gesucht.
US-Medien (Auswahl):
The New York Times, The Wall Street Journal, Bloomberg, CNBC, CNN und Forbes berichteten wiederholt über Anklagen, Urteile und die Suche nach Ignatova. DOJ/SDNY veröffentlichte Pressemitteilungen mit Anklageschriften und Sentencing-Notes.
4.2 Europa & international
- Deutschland (BaFin, BKA, StA): 2016/2017 Verfügungen gegen OneCoin-bezogene Zahlungsdienstleister; Ermittlungen, Razzien (inkl. Sofia-Büros in Kooperation mit bulgarischen Behörden).
- Bulgarien: Razzien in Sofia (2018), enge Justizzusammenarbeit mit Deutschland/USA.
- Italien (AGCM): 2017 Maßnahmen/Fines wegen unlauterer Praktiken.
- Indien, China, Nigeria, Uganda u. a.: Lokale Festnahmen/Untersagungen/Verfahren in unterschiedlichen Phasen.
5. Rolle der Medien (inkl. USA)
- Investigativer Druck:
- BBC – „The Missing Cryptoqueen“ (2019, mehrfach fortgesetzt) prägte das öffentliche Bild und brachte neue Spuren/Zeug*innen.
- CNN/CNBC/Bloomberg/NYT/WSJ dokumentierten die US-Anklagen, Auslieferungen und Urteile; ordneten OneCoin als Musterfall von „Krypto-Betrug ohne Krypto“ ein.
- Narrativwandel: Vom „Next Bitcoin“-Versprechen hin zum Fallbeispiel für Regulierungsbedarf, Sorgfaltspflichten bei Krypto-Investments und Risiken von MLM-Strukturen.
6. Opferprofile & Schadensbild
- Breites Spektrum: Von Kleinanleger*innen (einige hundert Euro) bis zu Großanlegern (fünf- bis siebenstellige Beträge).
- Soziale Dynamik: Vertrauen durch Freunde/Familie/Community-Leader; FOMO-Narrative („Früh dabei sein“), „Bildungspaket“ als Eintrittskarte.
- Schäden: Finanzielle Verluste, familiäre Konflikte, in manchen Ländern auch Strafrisiken für lokale Werber*innen.
7. Geldflüsse & Geldwäsche
- Kanäle: Treuhandkonten, Offshore-Strukturen, Scheinfirmen, Immobilienkäufe, Luxusgüter.
- US-Fälle (z. B. Scott): Allegationen über Komplexe Layering-Strukturen (u. a. Investmentfonds-Hüllen) zur Verschleierung von OneCoin-Erlösen.
8. Der Status von Ruja Ignatova
- Verschwunden seit 2017 (verpasster Auftritt in Lissabon).
- FBI-Fahndung (seit 2022): Hohe Prämie, internationale Hinweise.
- Gerüchte/Medienberichte über Aufenthaltsorte oder Schicksal sind nicht verifiziert; seriöse US-Medien verweisen auf anhaltende Ermittlungen.
9. Lehren & Präventionshinweise
- Technische Verifikation: Echte Kryptowährungen haben öffentliche Blockchains; Kursbildung erfolgt marktgetrieben an unabhängigen Börsen.
- Misstrauen bei MLM-Krypto: Hochprovisionierte Rekrutierung ist ein Alarmsignal.
- Transparenz: Whitepaper ≠ Beweis. Es braucht open-source Code, Explorer, Auditierbarkeit.
- Regulatorik prüfen: Warnungen/Verfügungen von BaFin/SEC/CFTC/DOJ ernst nehmen.
- Kein „Garantie-Rendite“ in Krypto. Versprochene fixe Zuwächse sind typisch für Schneeballsysteme.
10. Ausblick
- Strafverfolgung: Weitere Urteile/Strafen gegen Mitwirkende sind zu erwarten/teilweise erfolgt (Stand 06/2024).
- Vermögensabschöpfung: Teilweise Forfeiture-Anordnungen; Realquote für Geschädigte bleibt ungewiss.
- Ignatova-Fahndung: Weiterhin zentral. Jede bestätigte Entwicklung (Festnahme/Todesnachweise etc.) würde die rechtliche Aufarbeitung beschleunigen.
Quellen- & Literaturhinweise (Auswahl, bis Mitte 2024)
- USA (Behörden/Justiz):
- U.S. Department of Justice / SDNY: Pressemitteilungen & Anklageschriften zu OneCoin, Greenwood, Scott, Ignatov(a), Dilkinska, Armenta.
- FBI Ten Most Wanted: Profil Ruja Ignatova.
- US-Medien: The New York Times, The Wall Street Journal, Bloomberg, CNBC, CNN, Forbes (Berichterstattung zu Anklagen, Prozessen, Sentencings, Fahndung).
- UK/International: BBC – Podcast „The Missing Cryptoqueen“ (2019 ff.).
- Deutschland: BaFin-Verfügungen 2016/2017; deutsche Presseberichte (u. a. Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt) zu Razzien/Ermittlungen.
- Italien: AGCM-Maßnahmen (2017).
Hinweis: Für den neuesten Stand (Urteile/Sentencings, z. B. Mark S. Scott; endgültige Strafe Dilkinska; neue Fahndungshinweise zu Ignatova) sollten tagesaktuelle DOJ-Pressemitteilungen und große US-Medien geprüft werden.
Kurzfazit
OneCoin ist ein Lehrbuchfall für Krypto-Betrug: zentralisierte Kontrolle, MLM-Vertrieb, Schein-Blockchain und übertriebene Renditeversprechen. Die US-Strafverfolgung war (und ist) entscheidend bei der Aufarbeitung. Für Anleger*innen weltweit bleibt die wichtigste Lektion: Technische Nachprüfbarkeit, regulatorische Warnsignale und Skepsis sind unverzichtbar.
OneCoin – Chronologische Timeline
2014
-
Gründung OneCoin durch Ruja Ignatova (Bulgarien/Deutschland) und Karl Sebastian Greenwood.
-
Vermarktung als „Bitcoin-Nachfolger“. Vertrieb über Multi-Level-Marketing-Strukturen.
2015–2016
-
Starkes Wachstum: angeblich Millionen Mitglieder weltweit, Milliarden USD eingesammelt.
-
Erste Warnungen von Aufsichtsbehörden:
-
2016: BaFin (Deutschland) untersagt Zahlungen über OneCoin-nahe Dienstleister.
-
Weitere Warnungen u. a. aus Italien, Ungarn, Belgien.
-
2017
-
Januar: Indische Polizei nimmt mehrere OneCoin-Promoter fest.
-
Oktober: Ruja Ignatova verschwindet nach einem Flug nach Athen und taucht nicht wieder auf – seither auf der Flucht.
-
Bruder Konstantin Ignatov tritt zunehmend in Erscheinung.
2018
-
Januar: Razzien in Sofia (Bulgarien) – Kooperation von Europol, BKA und bulgarischen Behörden; Büros durchsucht.
-
Diverse Banken weltweit sperren OneCoin-Konten.
2019
-
März (New York, SDNY):
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Anklage gegen Ruja Ignatova, Konstantin Ignatov und Karl Greenwood wegen Betrug und Geldwäsche.
-
Konstantin Ignatov am Flughafen Los Angeles verhaftet; später Geständnis.
-
-
BBC startet „The Missing Cryptoqueen“-Podcast, der weltweite Aufmerksamkeit erzeugt.
2020
-
Mark S. Scott, ehemaliger US-Anwalt, in New York verurteilt (Geldwäsche von ca. $400 Mio.); Sentencing mehrfach verschoben.
2021
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Gilbert Armenta, enger Vertrauter Ignatovas, in den USA schuldig gesprochen (u. a. Geldwäsche).
-
Internationale Suche nach Ruja bleibt erfolglos.
2022
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Juni: FBI setzt Ruja Ignatova auf die Liste der „Ten Most Wanted Fugitives“.
-
Öffentlichkeitsfahndung mit hoher Prämie.
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Zunehmende internationale Berichte über mögliche Aufenthaltsorte oder sogar Tod – alles unbestätigt.
2023
-
Januar (SDNY):
-
Karl Sebastian Greenwood bekennt sich schuldig.
-
-
September (SDNY): Greenwood zu 20 Jahren Haft verurteilt.
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Irina Dilkinska (Ex-„Head of Legal & Compliance“ von OneCoin) an die USA ausgeliefert.
2024
-
März (SDNY): Dilkinska bekennt sich schuldig (Betrug, Geldwäsche).
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Mai/Juni: US-Medien berichten über anstehendes Urteil; mehrjährige Haftstrafe verhängt.
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Stand Mitte 2024:
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Konstantin Ignatov wartet auf endgültige Strafmaßverkündung (Kooperationsstatus).
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Verfahren gegen Mark S. Scott weiterhin im US-System anhängig.
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2025 (Ausblick/aktuelle Fragen)
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Ignatova weiterhin auf der Flucht.
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US-Ermittler setzen Suche fort, FBI bietet Belohnung.
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Schadensersatz- und Rückführungsverfahren laufen – aber Rückflüsse für Opfer bleiben ungewiss.
-
OneCoin bleibt globales Negativbeispiel für Krypto-Betrug.
Fazit
Die Timeline zeigt:
-
2014–2017: Aufbau und Höhepunkt des Systems.
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Ab 2017: Kollaps, Flucht Ignatovas, erste große Ermittlungen.
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2019–2024: Intensive juristische Aufarbeitung in den USA.
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2025: Ruja Ignatova bleibt flüchtig; OneCoin ist Lehrfall für Regulatorik und Aufklärung.
- 2025 Anklage in Bielefeld
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