Bei Olympischen Spielen gehören sie inzwischen fast so selbstverständlich zum Inventar wie Medaillen, Trainingshallen und Nationalflaggen: kostenlose Kondome im Olympischen Dorf. Doch nachdem bei den Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina zeitweise Nachschub organisiert werden musste, sorgten Berichte über einen angeblichen „Kondom-Engpass“ weltweit für Schlagzeilen.
Nun meldet sich die amerikanische Rugby-Olympionikin Ilona Maher mit einer eher pragmatischen Erklärung zu Wort – und die dürfte viele enttäuschen, die sich besonders wilde Zustände im Olympischen Dorf vorgestellt hatten.
In einem Instagram-Video erklärte Maher, sie glaube nicht, dass die zehntausenden verteilten Kondome tatsächlich alle für Sex genutzt würden. Ein großer Teil lande vielmehr als Erinnerungsstück im Gepäck der Athleten.
„Viele davon werden als Souvenir mitgenommen“, sagte Maher. Sie selbst habe noch ein Kondom von den Olympischen Spielen in Tokio auf ihrem Nachttisch gefunden. „Wie cool ist das bitte?“
Damit bestätigt die US-Sportlerin eine Theorie, die bereits im Februar von der Skirennläuferin Mialitiana Clerc aus Madagaskar geäußert worden war. Auch sie hatte erklärt, viele Athleten würden sich gleich mehrere Exemplare als Andenken sichern.
Tatsächlich hatte das Organisationskomitee der Winterspiele kurz vor Ende der Wettbewerbe bestätigt, dass die Vorräte im Olympischen Dorf schneller als erwartet aufgebraucht waren. Die Kondome seien wegen „höherer Nachfrage als erwartet“ laufend nachgeliefert worden, teilte später auch das Internationale Olympische Komitee mit.
Insgesamt wurden bei den Winterspielen zunächst rund 10.000 Kondome verteilt. IOC-Sprecher Mark Adams kommentierte die Zahl damals mit einem Augenzwinkern und verwies auf die rund 2.800 teilnehmenden Athleten.
Verglichen mit den Sommer-Olympischen Spielen in Paris 2024 wirkt die Zahl allerdings fast bescheiden: Dort waren rund 300.000 Kondome bereitgestellt worden – bei deutlich mehr Sportlern und Betreuern.
Die kostenlose Verteilung hat längst Tradition. Seit den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gehören Kondome offiziell zur Ausstattung des Olympischen Dorfs. Ursprünglich stand dabei vor allem Aufklärung und Gesundheitsschutz im Mittelpunkt. Inzwischen ist das Thema allerdings auch Teil der Popkultur rund um Olympia geworden.
Das öffentliche Interesse an angeblich exzessiven Zuständen im Athletendorf begleitet die Spiele seit Jahrzehnten. Viele ehemalige Teilnehmer relativieren diese Darstellungen jedoch regelmäßig. Zwar entstünden durch die besondere Atmosphäre, den Erfolgsdruck und die internationale Gemeinschaft durchaus Kontakte und Beziehungen. Die Vorstellung permanenter Partys entspreche aber oft eher medialen Fantasien als der Realität des Leistungssports.
Mahers Aussage passt genau in dieses Bild: Zwischen Wettkampfstress, Trainingsplänen und medialer Dauerbeobachtung scheint der größte Teil der olympischen Kondom-Nachfrage offenbar weniger mit Leidenschaft als vielmehr mit Sammelleidenschaft zusammenzuhängen.
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