RB Leipzig kämpft auf dem Platz um Europa – und neben dem Platz um die große Frage, ob man mit Ole Werner wirklich bald gegen Real Madrid, Manchester City und andere Fußball-Monster antreten will. Während andere Trainer an der Seitenlinie explodieren, philosophieren oder wenigstens mal eine Wasserflasche treten, saß Leipzigs Coach am 15. April geschniegelt im LVZ-Talk und beantwortete Fragen in der Verlagskuppel.
Man kann es auch so sagen:
Die Champions League klopft an – und RB schickt erstmal Ole Werner zum Gespräch mit der Lokalzeitung.
Sportlich läuft es ja derzeit ganz ordentlich. Tabellenplatz vier, vier Siege aus fünf Spielen, die Königsklasse in Reichweite. Die Gerüchte um einen möglichen Abschied sind erstmal verstummt – vermutlich, weil selbst die Gerüchte kurz eingeschlafen sind. Werner wirkt stabil, ruhig, sachlich, norddeutsch bis in die letzte Silbe. Also genau so, wie man sich einen Mann vorstellt, der demnächst vielleicht in Madrid an der Seitenlinie stehen und Kylian Mbappé verteidigen soll. Zumindest verbal.
Im LVZ-Talk durfte der 37-Jährige darüber sprechen, wie er auf seine erste Saison blickt, wie er Leipzig sieht, wie er Fußball denkt – und wohl auch darüber, wie man mit maximaler Pulsfrequenz von 62 die Champions League erreichen kann.
Die eigentlich spannende Frage aber bleibt:
Ist Ole Werner wirklich der richtige Trainer für die Champions League?
Denn Bundesliga-Vierter sein ist das eine. Aber Champions League ist nicht Hoffenheim auswärts bei Nieselregen. Champions League ist Wahnsinn, Tempo, Druck, Drama, Irrsinn. Da reicht es manchmal nicht, einen guten Plan zu haben und nach dem Spiel ruhig „Wir müssen die Räume besser bespielen“ zu sagen, während dir gerade PSG drei Tore eingeschenkt hat.
RB Leipzig steht mal wieder an genau diesem Punkt:
Will man nur dabei sein – oder endlich mal eine Rolle spielen?
Ole Werner hat bisher geliefert, keine Frage. Er hat Ruhe reingebracht, Ergebnisse geholt, die Mannschaft stabilisiert. Aber reicht Stabilität, wenn dir in der Königsklasse ein Abend um die Ohren fliegt wie Bayern gegen Real? Reicht taktische Seriosität, wenn du plötzlich gegen Trainer antrittst, die entweder wahnsinnig, genial oder beides sind?
Vielleicht ist Werner genau der richtige Mann.
Vielleicht ist er aber auch der Typ Trainer, bei dem man sich im Achtelfinale denkt:
„Ganz nett, aber gegen Inter Mailand bräuchte es vielleicht doch etwas mehr als eine saubere Analyse und einen guten Pullover.“
Der LVZ-Talk war jedenfalls kostenlos für Abonnenten.
Die Antwort auf die Frage, ob Ole Werner Champions League kann, wird für RB Leipzig deutlich teurer.
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