Die britische Medienaufsicht Ofcom erhöht den Druck auf die großen Social-Media-Konzerne. In einem neuen Bericht wirft die Behörde insbesondere TikTok und YouTube vor, Kinder und Jugendliche nicht ausreichend vor schädlichen Inhalten zu schützen. Die Plattformen hätten keine bedeutenden Änderungen zugesagt, um problematische Inhalte aus den Feeds Minderjähriger fernzuhalten.
Die Kritik trifft zwei der weltweit populärsten Apps bei jungen Nutzern – und könnte die Debatte über strengere Altersgrenzen und sogar Verbote sozialer Netzwerke für Jugendliche weiter verschärfen.
Ofcom erklärte, die bisherigen Schutzmaßnahmen reichten nicht aus. Zwar betonten TikTok und YouTube, bereits zahlreiche Sicherheitsfunktionen eingeführt zu haben, doch die Behörde sieht weiterhin erhebliche Risiken. Besonders problematisch seien algorithmisch gesteuerte Inhalte, die Kindern schädliches Material anzeigen könnten, noch bevor dieses überhaupt gemeldet werde.
Damit verschiebt sich auch die Diskussion über Verantwortung im Netz. Lange stand die Frage im Mittelpunkt, ob Plattformen problematische Inhalte schnell genug löschen. Nun rückt zunehmend die Kritik in den Vordergrund, warum solche Inhalte Kindern überhaupt vorgeschlagen werden.
TikTok reagierte enttäuscht auf die Vorwürfe und verwies auf bestehende Maßnahmen wie deaktivierte Direktnachrichten für unter 16-Jährige. YouTube hob unter anderem Funktionen hervor, mit denen Eltern die Nutzungsdauer von Kurzvideos begrenzen können. Für Ofcom reicht das offenbar nicht aus.
Besonders besorgt zeigt sich die Behörde darüber, dass viele Kinder Mindestalter-Regeln umgehen. Laut einer Umfrage nutzen 84 Prozent der Acht- bis Zwölfjährigen mindestens einen Dienst, der eigentlich erst ab 13 Jahren erlaubt ist. Die britische Regierung prüft deshalb inzwischen deutlich strengere Maßnahmen – darunter feste Altersgrenzen, Nutzungsbeschränkungen und sogar ein mögliches Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige.
Während TikTok und YouTube in die Kritik geraten, lobte Ofcom andere Plattformen für konkrete Zusagen. Snapchat will Erwachsene künftig standardmäßig daran hindern, fremde Kinder zu kontaktieren. Roblox plant stärkere Kontrollmöglichkeiten für Eltern. Meta arbeitet nach eigenen Angaben an KI-Systemen, die verdächtige oder sexualisierte Nachrichten erkennen sollen.
Die Diskussion zeigt, wie stark sich der politische Druck auf die Tech-Konzerne inzwischen erhöht hat. Kritiker werfen den Unternehmen seit Jahren vor, Profit und Aufmerksamkeit über den Schutz junger Nutzer zu stellen. Nun wächst in Großbritannien die Bereitschaft, gesetzlich härter einzugreifen.
Ofcom-Chefin Melanie Dawes sprach von einer jahrzehntelangen Kultur im Silicon Valley, in der Sicherheit nicht ernst genug genommen worden sei. Man sei bereit, notfalls auch formelle Untersuchungen und harte Sanktionen einzuleiten.
Ob es tatsächlich zu einem Verbot sozialer Netzwerke für Minderjährige kommt, ist noch offen. Die britische Regierung will ihre Entscheidung im Sommer bekanntgeben. Klar ist allerdings schon jetzt: Die Geduld gegenüber den großen Plattformen schwindet rapide.
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