Seit Mittwoch gilt für viele Reisende eine neue Vorschrift für die Einreise ins Vereinigte Königreich. Bürgerinnen und Bürger aus 85 Ländern – darunter die USA und Australien – benötigen nun eine sogenannte Electronic Travel Authorisation (ETA), wenn sie bislang visafrei einreisen konnten.
Die britische Regierung erklärt, das neue System solle die Einwanderung effizienter, schneller und sicherer machen. Für manche Reisende, insbesondere Doppelstaatler, sorgt die Umstellung jedoch für Probleme.
Was ist eine ETA?
Die ETA ist eine digitale Reisegenehmigung, die vor der Einreise beantragt werden muss.
Mit einer genehmigten ETA dürfen Besucher:
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bis zu sechs Monate im Vereinigten Königreich bleiben
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mehrfach innerhalb von zwei Jahren einreisen (oder bis der Reisepass abläuft)
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zu touristischen, geschäftlichen oder kurzfristigen Studienzwecken reisen
Auch Transitpassagiere benötigen grundsätzlich eine ETA – es sei denn, sie verlassen den internationalen Transitbereich eines Flughafens nicht.
Wer ohnehin ein Visum braucht, benötigt keine zusätzliche ETA, sondern weiterhin nur das entsprechende Visum.
Wer braucht keine ETA?
Von der neuen Regelung ausgenommen sind:
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britische und irische Staatsbürger
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Personen mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus („settled status“)
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einige Sonderfälle, etwa bestimmte Schülergruppen aus Frankreich
Wie beantragt man die ETA – und was kostet sie?
Die Beantragung erfolgt online, idealerweise über die offizielle App (Google Play oder Apple App Store).
Erforderlich sind:
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Passdaten
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Kontaktdaten
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ein Foto
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die Beantwortung einiger Sicherheitsfragen
Die Gebühr beträgt derzeit 16 Pfund, soll jedoch künftig auf 20 Pfund steigen.
Die Regierung empfiehlt, den Antrag mindestens drei Werktage vor Reiseantritt zu stellen. In vielen Fällen erfolgt die Genehmigung innerhalb weniger Minuten.
Wichtig: Die ETA ist digital mit dem Reisepass verknüpft. Reisende müssen mit genau dem Pass reisen, der bei der Antragstellung verwendet wurde.
Wie wird kontrolliert?
Airlines und andere Transportunternehmen prüfen bereits beim Check-in elektronisch, ob eine gültige ETA vorliegt. Ohne gültige Genehmigung kann die Beförderung verweigert werden.
Trotz ETA müssen Reisende weiterhin durch die reguläre Passkontrolle. Die Genehmigung garantiert kein automatisches Einreiserecht – Grenzbeamte können weiterhin die Einreise verweigern.
Probleme für Doppelstaatler
Besonders betroffen sind Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft, etwa britisch-amerikanische Staatsbürger.
Doppelstaatler können keine ETA beantragen. Stattdessen müssen sie bei der Einreise:
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einen britischen Reisepass vorlegen
oder -
ein spezielles digitales „Certificate of Entitlement“ besitzen, das mit dem ausländischen Pass verknüpft ist
Viele Betroffene hatten bislang ausschließlich ihren nicht-britischen Pass genutzt und nie einen britischen Reisepass beantragt – teilweise, obwohl sie seit Jahrzehnten im Vereinigten Königreich leben.
Die Dokumente sind zudem kostenintensiv:
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Britischer Reisepass: rund 100 Pfund
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Certificate of Entitlement: 589 Pfund
Da beide Dokumente mehrere Wochen Bearbeitungszeit benötigen, berichten einige Doppelstaatler, dass sie von der Umstellung überrascht wurden oder sich aktuell im Ausland befinden und Schwierigkeiten haben, rechtzeitig die notwendigen Unterlagen zu erhalten.
Das britische Innenministerium verweist darauf, dass seit Oktober 2024 öffentlich über die neuen Anforderungen informiert worden sei.
Fazit
Für die meisten Besucher bedeutet die ETA lediglich einen zusätzlichen digitalen Schritt vor der Reise. Für Doppelstaatler hingegen bringt die neue Regelung erhebliche praktische und finanzielle Hürden mit sich.
Wer künftig nach Großbritannien reisen möchte, sollte frühzeitig prüfen, ob eine ETA oder andere Dokumente erforderlich sind – und genügend Zeit für die Beantragung einplanen.
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