Mit dem Ende von Stephen Colberts „Late Show“ endet in den USA möglicherweise mehr als nur eine einzelne Fernsehsendung. Viele Medienbeobachter sehen darin das mögliche Ende einer gesamten TV-Ära.
Am 21. Mai läuft Colberts letzte Ausgabe bei CBS – und die Unsicherheit über die Zukunft des klassischen Late-Night-Fernsehens ist größer denn je.
CBS beendet legendäre „Late Show“
Bereits im vergangenen Jahr hatte CBS angekündigt, die traditionsreiche „Late Show“ nach rund drei Jahrzehnten einzustellen.
Offiziell begründete der Sender die Entscheidung mit wirtschaftlichen Problemen und sinkenden Einnahmen im klassischen Fernsehen.
Doch rund um die Absetzung gab es schnell Spekulationen über politische Hintergründe.
Diskussionen über politischen Einfluss
Kritiker vermuteten, dass Colberts häufige Angriffe auf Donald Trump und konservative Kreise eine Rolle gespielt haben könnten.
Zeitgleich befand sich CBS-Mutterkonzern Paramount mitten in einer Fusion mit Skydance Media. Deren neuer Chef David Ellison gilt als Sohn des bekannten Trump-Unterstützers Larry Ellison.
Colbert selbst deutete zuletzt an, dass sich innerhalb des Unternehmens „etwas verändert“ habe.
Ersatzshow deutlich günstiger produziert
Den frei werdenden Sendeplatz übernimmt zunächst „Comics Unleashed with Byron Allen“.
Die Comedy-Show ist wesentlich günstiger zu produzieren als klassische Late-Night-Formate mit großem Studio, Live-Band und umfangreichem Autorenteam.
Experten gehen allerdings davon aus, dass dies möglicherweise nur eine Übergangslösung ist.
Ganze Branche kämpft ums Überleben
Das klassische Late-Night-TV steckt seit Jahren in einer Krise.
Probleme sind unter anderem:
- sinkende Einschaltquoten
- Konkurrenz durch YouTube, TikTok und Streaming
- veränderte Sehgewohnheiten
- hohe Produktionskosten
Viele große Shows mussten bereits sparen oder wurden eingestellt.
So reduzierte Jimmy Fallon seine „Tonight Show“ auf vier Tage pro Woche. Seth Meyers strich seine Live-Band, und mehrere andere Formate verschwanden komplett.
Trotzdem bleibt Late-Night kulturell wichtig
Trotz aller Probleme sehen viele Experten weiterhin einen großen kulturellen Wert im Genre.
Late-Night-Shows gelten in den USA noch immer als wichtiger Ort für:
- politische Satire
- gesellschaftliche Debatten
- Popkultur
- große Interviews
- gemeinschaftliche TV-Momente
Gerade in Krisenzeiten oder bei großen Ereignissen prägen Moderatoren wie Colbert, Kimmel oder Jon Stewart weiterhin öffentliche Diskussionen.
Zukunft könnte deutlich kleiner werden
Viele Insider glauben allerdings, dass sich das Format stark verändern wird.
Weniger große Studios, kleinere Teams und stärkere Verlagerung ins Internet könnten die Zukunft sein.
Comedian Ben Gleib startet beispielsweise bereits eine neue Late-Night-Show direkt auf YouTube.
Auch Jon Stewart kehrte nach Streaming-Experimenten wieder zu einem klassischen Talkformat zurück.
Ende einer TV-Generation
Medienexperten sprechen inzwischen offen vom möglichen Ende der traditionellen Late-Night-Ära.
Paley-Center-Kurator Jason Lynch erklärte:
„Es wirkt wie das Ende einer Ära.“
Dennoch glauben viele nicht, dass das Genre komplett verschwinden wird.
Jimmy Kimmel sagte zuletzt:
„Vielleicht wird Late Night kleiner. Aber irgendeine Form davon wird immer existieren.“
Denn trotz TikTok und Streaming bleibt eines offenbar zeitlos:
Menschen, die spätabends gemeinsam über Politik, Kultur und das Leben lachen wollen.
Kommentar hinterlassen