Eigentlich hofften sie auf Hilfe für ihre psychisch schwer belastete Tochter. Stattdessen fanden sich die Eltern einer 14-Jährigen plötzlich mitten in einem Albtraum wieder.
Nach zwei Todesfällen innerhalb weniger Wochen wurde die Therapieeinrichtung Asheville Academy im US-Bundesstaat North Carolina abrupt geschlossen. Familien mussten ihre Kinder innerhalb von 24 Stunden abholen – oft ohne Erklärung und ohne Plan, wie es weitergehen soll.
Zwei Todesfälle erschüttern Einrichtung
Im Mai 2025 starben zwei Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren in der Einrichtung.
Nach dem zweiten Todesfall leitete die Gesundheitsbehörde von North Carolina Ermittlungen ein und stoppte neue Aufnahmen. Kurz darauf wurde das Programm geschlossen.
Für viele Eltern kam die Nachricht völlig überraschend.
Ein Vater aus Texas berichtet, seine Frau habe plötzlich einen Anruf erhalten:
„Sie sagten uns, wir hätten nur 24 Stunden Zeit, unsere Tochter abzuholen.“
Familien hatten enorme Summen bezahlt
Die betroffene Familie hatte nach eigenen Angaben jahrelang versucht, ihrer Tochter zu helfen.
Mehrere Klinikaufenthalte und psychiatrische Programme hatten keine dauerhafte Verbesserung gebracht. Schließlich entschieden sich die Eltern für Asheville Academy.
Die Kosten lagen laut dem Vater bei mehr als 15.000 Dollar pro Monat. Dafür nahm die Familie sogar eine zweite Hypothek auf ihr Haus auf.
Kritik an kaum regulierter Branche
Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die sogenannte „Troubled Teen Industry“ in den USA – ein milliardenschweres Netzwerk aus:
- Therapieinternaten
- Wilderness-Camps
- Bootcamps
- Jugend-Rehaeinrichtungen
Kritiker bemängeln seit Jahren fehlende Kontrollen, mangelhafte Aufsicht und schwere Missstände.
Laut der Organisation Unsilenced wurden seit 2020 mehr als 185 solcher Einrichtungen geschlossen.
Vorwürfe gegen frühere Betreiber
Besonders brisant:
Asheville Academy hatte zuvor unter anderen Namen gearbeitet.
Die Einrichtung hieß früher unter anderem:
- Solstice East
- Magnolia Mill School
Bereits unter diesen Namen gab es Vorwürfe wegen:
- Isolation von Jugendlichen
- körperlicher Zwangsmaßnahmen
- Übermedikation
- psychischem Druck
Ehemalige Bewohner berichten von traumatischen Erfahrungen.
Eine frühere Patientin erklärte:
„Mein Selbstwertgefühl wurde dort völlig zerstört.“
Eltern fühlten sich getäuscht
Mehrere Eltern berichten, sie hätten vor der Anmeldung idyllische Werbevideos und Hochglanzbroschüren erhalten.
Zu sehen gewesen seien:
- Seenlandschaften
- gemütliche Klassenräume
- kreative Therapiebereiche
Die Realität habe jedoch ganz anders ausgesehen.
Eine Mutter sagte, ihre Tochter sei nach einem Aufenthalt mit Narben und Insektenstichen nach Hause gekommen und habe panisch geweint, als sie zurückgebracht werden sollte.
Ermittlungen und Klagen laufen
Nach der Schließung wurden mehrere Klagen gegen die Betreiber eingereicht.
Ehemalige Schülerinnen werfen der Einrichtung unter anderem vor:
- Misshandlung
- Vernachlässigung
- sexuelle Übergriffe
- Zwangsarbeit
- Vertuschungsvorwürfe
Die Betreiber bestreiten die Vorwürfe bislang.
Experten warnen vor undurchsichtigen Strukturen
Organisationen wie Unsilenced kritisieren vor allem häufige Namenswechsel innerhalb der Branche.
Programme würden geschlossen, umbenannt und anschließend unter neuem Namen weitergeführt, wodurch frühere Vorwürfe für Eltern schwer nachvollziehbar seien.
Experten raten Familien deshalb dringend:
- die Vorgeschichte einer Einrichtung zu prüfen
- auf lizenzierte Therapeuten zu achten
- Warnsignale ernst zu nehmen
Viele Familien bleiben traumatisiert zurück
Für viele Eltern endet die Suche nach Hilfe in großer Verzweiflung.
Der Vater aus Texas erklärte, seine Tochter habe durch den Aufenthalt zusätzliche psychische Probleme entwickelt.
„Letztlich hat sich für sie nichts verbessert“, sagte er.
Statt Hoffnung bleibt für viele Familien nun vor allem die Frage:
Wie konnte ein solches System so lange existieren?
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