Nach dem ergebnislosen Ende des Mordprozesses gegen Lindsay Clancy hat sich ihr früherer Ehemann Patrick Clancy erstmals öffentlich geäußert. Über seinen Anwalt ließ er mitteilen, ein weiterer Prozess wäre für ihn und seine Familie „außerordentlich schmerzhaft“.
Das Verfahren gegen Lindsay Clancy war am 4. September ohne Urteil beendet worden, nachdem sich die Geschworenen nicht einstimmig auf eine Entscheidung einigen konnten. Die 36-Jährige war wegen des Todes ihrer drei Kinder Cora, fünf Jahre, Dawson, drei Jahre, und des acht Monate alten Callan angeklagt. Die Kinder starben am 24. Januar 2023 im Haus der Familie in Duxbury im US-Bundesstaat Massachusetts.
Die Verteidigung bestritt nicht, dass Lindsay Clancy für den Tod der Kinder verantwortlich war. Sie argumentierte jedoch, dass sie zum Tatzeitpunkt aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung nicht schuldfähig gewesen sei. Im Prozess verwiesen ihre Anwälte auf eine postpartale Depression und eine Psychose.
Keine Einigung unter den Geschworenen
Nach sechs Wochen Verhandlung und mehr als 38 Stunden Beratung kam die Jury zu keinem einstimmigen Ergebnis. Berichten zufolge stand die Entscheidung zuletzt elf zu eins. In einer Mitteilung an das Gericht hieß es, ein einzelnes Jurymitglied habe sich geweigert, seine Position zu ändern.
Die Verteidigung versuchte noch, einen Abbruch des Verfahrens zu verhindern und den betreffenden Geschworenen ersetzen zu lassen. Auch ein kurzfristiger Antrag beim Obersten Gerichtshof von Massachusetts blieb ohne Erfolg.
Nun muss die zuständige Staatsanwaltschaft entscheiden, ob Lindsay Clancy vor einer vollständig neuen Jury erneut angeklagt wird.
Vater spricht von nicht heilbarem Verlust
Patrick Clancys Anwalt David Meier erklärte, sein Mandant sei dem Gericht und den Geschworenen für ihre Arbeit dankbar. Gleichzeitig betonte er, dass der Verlust seiner drei Kinder eine Wunde hinterlassen habe, die niemals vollständig heilen werde.
Die Aussicht, die Ereignisse in einem weiteren Prozess erneut durchleben zu müssen, sei für Patrick Clancy, seine Familie und alle Beteiligten eine enorme emotionale Belastung.
Patrick Clancy sagte selbst im Prozess aus
Patrick Clancy war Ende Juli der erste Zeuge im Verfahren. Vor Gericht schilderte er, wie er nach einem kurzen Einkauf und dem Abholen des Abendessens nach Hause gekommen sei. Dort habe er seine damalige Frau schwer verletzt außerhalb des Hauses gefunden. Die Kinder entdeckte er später im Keller.
Lindsay Clancy soll anschließend versucht haben, sich selbst das Leben zu nehmen, indem sie aus einem Fenster sprang. Seitdem ist sie gelähmt.
Patrick Clancy berichtete außerdem, dass sich der psychische Zustand seiner damaligen Frau bereits vor dem Tod der Kinder deutlich verschlechtert habe. Sie habe sich bei mehreren Fachstellen in Behandlung begeben, Medikamente erhalten und sei zuvor wegen Suizidgedanken stationär behandelt worden.
Nach dem Tod der Kinder ließen sich Patrick und Lindsay Clancy scheiden. Patrick Clancy hat inzwischen erneut geheiratet.
Ob es zu einem zweiten Verfahren kommt, ist noch offen. Die Entscheidung darüber liegt nun bei der Staatsanwaltschaft von Plymouth County.
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