Das FBI erweitert seine bekannten Fahndungsprogramme um eine neue Kategorie. Neben den traditionellen Listen der meistgesuchten Flüchtigen und der meistgesuchten Terrorverdächtigen gibt es nun eine offizielle „Most Wanted“-Liste für Personen, denen besonders schwere Betrugsdelikte vorgeworfen werden. Nach Angaben der Bundespolizei soll damit stärker auf Fälle aufmerksam gemacht werden, bei denen Amerikaner, Unternehmen oder staatliche Einrichtungen um große Geldsummen gebracht worden sein sollen.
Die ursprüngliche Liste der „Ten Most Wanted Fugitives“ existiert bereits seit 1950. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 kam die Liste der meistgesuchten Terrorverdächtigen hinzu. Mit der neuen Betrugsliste verfügt das FBI nach eigenen Angaben nun über drei offiziell anerkannte „Most Wanted“-Programme.
FBI-Direktor Kash Patel erklärte, die Behörde habe im Rahmen verstärkter Ermittlungen bereits mehrere Verdächtige festgenommen, denen zusammen Betrugsdelikte in Milliardenhöhe vorgeworfen würden. Die neue Initiative ist Teil einer breiteren Kampagne der US-Regierung gegen Betrug und Missbrauch staatlicher Programme.
Öffentlichkeit soll bei der Fahndung helfen
Das Prinzip der „Most Wanted“-Listen ist seit Jahrzehnten ähnlich: Durch eine möglichst breite Veröffentlichung von Fotos, persönlichen Daten und besonderen Erkennungsmerkmalen sollen Hinweise aus der Bevölkerung gewonnen werden.
Diese Strategie gilt aus Sicht des FBI als erfolgreich. Seit Einführung der ursprünglichen Top-Ten-Liste im Jahr 1950 waren bis März 2025 insgesamt 535 Personen darauf geführt worden. 496 von ihnen wurden festgenommen oder ausfindig gemacht. In 163 Fällen trugen Hinweise aus der Bevölkerung direkt zur Festnahme bei.
Die Liste entstand ursprünglich, nachdem ein Journalist das FBI nach den gefährlichsten gesuchten Personen gefragt hatte. Die enorme öffentliche Resonanz auf den daraus entstandenen Bericht führte dazu, dass der damalige FBI-Direktor J. Edgar Hoover das Fahndungsprogramm dauerhaft einführte.
Im Laufe der Jahrzehnte veränderte sich auch das Profil der Gesuchten. Anfangs standen vor allem Bankräuber und Mordverdächtige im Mittelpunkt, später kamen Mitglieder der organisierten Kriminalität, Cyberkriminelle, Sexualstraftäter und Wirtschaftskriminelle hinzu.
Drei Männer neu auf der Betrugsliste
Zu den jüngsten Gesuchten gehört Manjit Singh Bedi. Ihm wird vorgeworfen, ein staatliches Lebensmittelhilfeprogramm um mindestens 600.000 Dollar betrogen zu haben. Nach Darstellung der Ermittler soll er in einem von ihm betriebenen Geschäft elektronische Sozialleistungskarten missbräuchlich eingesetzt und Geld für sich behalten haben. Das FBI geht davon aus, dass er sich möglicherweise nach Indien abgesetzt hat.
Ebenfalls gesucht wird Bernhard Eugen Fritsch. Ihm wird vorgeworfen, über sein Technologieunternehmen rund 35 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt und einen Teil davon für private Ausgaben verwendet zu haben. Nach Angaben des FBI wurde er 2025 wegen Überweisungsbetrugs verurteilt. Vor einem weiteren Gerichtstermin soll er zunächst nach Mexiko und später nach München geflohen sein. In Abwesenheit wurde er zu 15 Jahren Haft verurteilt und zu hohen Rückzahlungen verpflichtet.
Der dritte Gesuchte ist der türkische Staatsbürger Onur Simsek. Ihm wird eine Beteiligung an einem mutmaßlichen Betrug bei Beschaffungsaufträgen des US-Verteidigungsministeriums vorgeworfen. Ermittler gehen davon aus, dass über eine Scheinfirma falsche Angaben zur Lieferfähigkeit militärischer Komponenten gemacht und anschließend Geld über internationale Überweisungen in die Türkei transferiert worden sein soll.
Für Hinweise, die zur Festnahme und Verurteilung eines der drei Gesuchten führen, bietet das FBI jeweils eine Belohnung von bis zu 150.000 Dollar an.
Mit der neuen Fahndungsliste macht das FBI deutlich, dass groß angelegter Betrug inzwischen ähnlich öffentlichkeitswirksam verfolgt werden soll wie andere schwere Formen der Kriminalität. Die Behörde will damit nicht nur Flüchtige aufspüren, sondern zugleich vor den finanziellen Schäden warnen, die durch organisierte Betrugsmodelle entstehen können.
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