Der zweite Spieltag der Bundesliga hat schon am Samstag gezeigt, wie wenig sich diese Saison an alte Gewissheiten halten will. Der FC Bayern bleibt auf Schalke torlos, Borussia Dortmund dreht in Hoffenheim einen 0:2-Rückstand, Aufsteiger Elversberg gewinnt erneut spektakulär und der SC Freiburg steht plötzlich an der Tabellenspitze. Dazu meldet sich Bayer Leverkusen mit einem deutlichen Sieg zurück, während Werder Bremen RB Leipzig überraschend klar bezwingt.
Das größte Ausrufezeichen des Abends setzte Schalke 04. Der Aufsteiger erkämpfte sich gegen den deutschen Meister ein 0:0 und beendete damit mehrere beeindruckende Bayern-Serien. Die Münchner hatten saisonübergreifend 67 Spieltage an der Tabellenspitze gestanden und in 59 Pflichtspielen in Folge mindestens einmal getroffen. Beides ist nun vorbei. Schalke wiederum holte erstmals seit Jahren wieder einen Punkt gegen den Rekordmeister. Vor allem Torhüter Loris Karius hatte großen Anteil daran, dass die Null bis zum Schlusspfiff stand.
Für Bayern bedeutet das Remis nach zwei Spielen vier Punkte – solide, aber eben nicht makellos. Noch bemerkenswerter ist, dass der Rekordmeister damit zumindest vorerst nicht an der Spitze steht. In einer Liga, in der München in den vergangenen Jahren häufig schon früh das Tempo vorgab, wirkt das zumindest für den Moment ungewohnt.
Borussia Dortmund musste derweil in Hoffenheim deutlich mehr investieren, um seine weiße Weste zu behalten. Die TSG führte bereits mit 2:0 und schien auf dem Weg zum ersten Saisonsieg. Doch der BVB reagierte mit einer starken Schlussphase. Serhou Guirassy verkürzte zunächst und bereitete kurz darauf den Ausgleich vor. In der Schlussphase sorgte ein abgefälschter Ball für den 3:2-Siegtreffer. Dortmund steht damit nach zwei Spieltagen bei sechs Punkten und hat früh gezeigt, dass diese Mannschaft auch schwierige Spiele noch drehen kann.
Noch erstaunlicher ist allerdings der Start der SV Elversberg. Der Aufsteiger hatte bereits zum Auftakt Bayer Leverkusen überrascht und legte nun bei Borussia Mönchengladbach nach. Dabei wurde es geradezu irrwitzig: Gladbach führte zwischenzeitlich 3:1, doch Elversberg kam zurück und gewann noch 4:3. Der entscheidende Treffer fiel in der Nachspielzeit. Damit hat der Neuling seine ersten beiden Bundesligaspiele gewonnen und bereits sieben Tore erzielt – ein außergewöhnlicher Start, der die Mannschaft schlagartig zu einer der interessantesten Geschichten dieser jungen Saison macht.
Für Gladbach hingegen wächst schon früh der Druck. Zwei Spiele, zwei Niederlagen – und nun eine Partie, die man nach einer Zwei-Tore-Führung aus der Hand gab. Solche Niederlagen hinterlassen Spuren, gerade wenn eine Saison ohnehin mit Fragezeichen begonnen hat.
Bayer Leverkusen zeigte dagegen die erhoffte Reaktion auf die überraschende Auftaktpleite gegen Elversberg. Gegen Union Berlin gewann die Werkself deutlich mit 4:0. Bereits nach einer Minute fiel die Führung, danach kontrollierte Leverkusen die Begegnung nahezu nach Belieben. Union kam offensiv kaum zur Geltung und musste bereits die zweite deutliche Niederlage der Saison hinnehmen.
Auch Werder Bremen gelang eine eindrucksvolle Antwort auf den schwachen Start. Nach dem 1:4 in Freiburg bezwangen die Bremer RB Leipzig mit 3:1. Besonders emotional war der Treffer von Niclas Füllkrug, der nach seiner Rückkehr nach Bremen wieder in der Bundesliga für Werder traf. Bremen spielte mutig, zielstrebig und deutlich entschlossener als noch eine Woche zuvor. Für Leipzig war es dagegen ein überraschender Rückschlag nach dem gelungenen Auftakt.
Der SC Freiburg hält sich derweil beinahe unauffällig ganz oben. Beim SC Paderborn genügte ein 1:0, um auch das zweite Saisonspiel zu gewinnen. Nach dem 4:1 gegen Bremen zum Auftakt stehen die Breisgauer bei sechs Punkten und führen dank des Torverhältnisses die Tabelle an. Freiburg macht dabei genau das, was den Club seit Jahren auszeichnet: wenig Spektakel abseits des Platzes, dafür erstaunlich viel Stabilität auf dem Rasen.
Auch der VfB Stuttgart hat nach seiner Auftaktniederlage gegen Bayern zurückgeschlagen. Das 4:1 gegen Köln am Freitag war deutlich und dürfte auch Bundestrainer Jürgen Klopp interessiert haben. Mehrere Stuttgarter Spieler drängen sich mit starken Leistungen für höhere Aufgaben auf.
So ergibt sich nach den bisherigen Begegnungen ein Tabellenbild, das kaum jemand vorhergesagt hätte. Freiburg steht ganz oben, Dortmund und Elversberg folgen punktgleich, während Bayern zunächst hinterherläuft. Ein Aufsteiger aus dem Saarland gehört zu den erfolgreichsten Teams der Liga, Schalke trotzt dem Meister einen Punkt ab und Gladbach sowie Hoffenheim stehen bereits früh unter Druck.
Am Sonntag wird der Spieltag mit zwei weiteren Begegnungen abgeschlossen. Der Hamburger SV empfängt Mainz 05, anschließend trifft Eintracht Frankfurt auf den FC Augsburg. Für den HSV geht es dabei bereits darum, nach dem Fehlstart die ersten Punkte einzufahren.
Die Saison ist erst zwei Spieltage alt, doch sie hat schon jetzt jene Unberechenbarkeit, die der Bundesliga in manchen Jahren gefehlt hat. Bayern ist verwundbar, Dortmund zeigt Comeback-Qualitäten, Freiburg ist effizient wie eh und je – und Elversberg mischt plötzlich ganz oben mit.
Wenn dieser Spieltag ein Vorgeschmack auf die kommenden Monate ist, könnte die Bundesliga 2026/27 deutlich unruhiger werden als erwartet.
Kommentar hinterlassen