In den USA reicht inzwischen offenbar schon ein Strandspaziergang für eine neue Anklage. Ex-FBI-Direktor James Comey steht erneut vor Gericht – diesmal wegen eines Instagram-Posts, der mehr Interpretationsspielraum bietet als ein moderner Kunstkatalog.
Der Auslöser: zwei Zahlen, kunstvoll aus Muscheln gelegt – „86“ und „47“. Während normale Menschen darin vermutlich einen leicht esoterischen Urlaubsgruß erkennen würden, sah Donald Trump darin sofort einen Mordkomplott. Seine Deutung: „86“ stehe für „umbringen“, „47“ für ihn selbst als 47. Präsident. Fall gelöst, Motiv klar, Muscheln schuldig.
Comey zeigte sich weniger kreativ in der Interpretation und wies die Vorwürfe zurück. Er sei gegen Gewalt, erklärte er – und löschte den Beitrag vorsichtshalber. Sicher ist sicher, man weiß ja nie, welche Botschaften als Nächstes in Sandburgen entdeckt werden.
Bemerkenswert ist vor allem die juristische Hartnäckigkeit: Erst vor wenigen Monaten war eine ähnliche Klage gegen Comey gescheitert. Doch in Washington gilt offenbar: Wenn die Realität nicht passt, versucht man es einfach noch einmal – vielleicht diesmal mit mehr Fantasie.
Die Vorgeschichte macht das Ganze nicht weniger pikant. Comey, einst oberster Ermittler in Sachen russischer Einflussnahme auf die Wahl 2016, wurde von Trump persönlich gefeuert – eine Beziehung, die seitdem ungefähr so entspannt ist wie ein Grillabend im Minenfeld.
Bleibt die Frage: Was kommt als Nächstes? Anklage wegen verdächtig geformter Wolken? Ermittlungen gegen Zahlenkombinationen im Alltag? In einem politischen Klima, in dem Muscheln zu Morddrohungen werden, scheint zumindest eines sicher: Die Grenze zwischen Realität und Satire wurde längst überspült.
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