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Max bald allein im Rennstall: Bei Red Bull läuft die große Flucht

jganesh (CC0), Pixabay
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Bei Red Bull Racing wird offenbar gerade mit Hochdruck an einem neuen Geschäftsmodell gearbeitet:
Formel 1 ohne Personal.

Nach und nach verabschiedet sich dort alles, was Rang, Namen und Ahnung hat – und Max Verstappen dürfte sich langsam fragen, ob er 2028 überhaupt noch in ein Auto steigt oder ob er vorher noch schnell den Kaffee an der Box selber kochen muss.

Jetzt verliert der vierfache Weltmeister den nächsten engen Vertrauten: Gianpiero „GP“ Lambiase, der Mann am Funk, Seelentröster, Streitpartner, Übersetzer, Krisenmanager und vermutlich der Letzte, der Max gelegentlich noch erklären konnte, warum das Auto schon wieder fährt wie ein Einkaufswagen mit Achsbruch.

Red Bull bestätigte am Donnerstag:
Lambiase verlässt den Rennstall Ende 2027 und wechselt zu McLaren.

Oder anders gesagt:
Selbst der Mann, der jahrelang Verstappens Funksprüche überlebt hat, sagt irgendwann: Danke, reicht.

Bis zu seinem Abschied soll „GP“ natürlich weiterhin seine Aufgaben erfüllen. Offiziell klingt das gewohnt geschniegelt: geschätztes Teammitglied, Erfolgsbilanz ausbauen, gemeinsame Zukunft würdig beenden.

Inoffiziell heißt das wohl eher:
Bitte haltet noch zwei Jahre durch, bevor der nächste tragende Pfeiler das sinkende Schiff verlässt.

Und natürlich befeuert dieser Abgang sofort die Frage, die bei Red Bull inzwischen im Raum steht wie ein Motorschaden in Kurve 1:
Wie lange tut sich Max Verstappen diesen Zirkus eigentlich noch an?

Helmut Marko, inzwischen eher Elder Statesman mit Restkontakt als Strippenzieher, formulierte es gewohnt trocken:
„Er spricht mehr über den Nürburgring als über die Formel 1.“

Das ist ungefähr so beruhigend für Red Bull wie wenn der Pilot vor dem Start sagt:
„Fliegen ist ja nett, aber eigentlich interessiere ich mich inzwischen mehr fürs Bahnfahren.“

Verstappen ist mit dem aktuellen Reglement unzufrieden. Zu viel Energiemanagement, zu viel Software, zu wenig echtes Fahren. Früher war der Fahrer noch König, heute darf er offenbar vor allem brav mitarbeiten, während irgendwo ein Laptop entscheidet, ob man Kurve 7 mit 3,2 oder 3,4 Prozent Batterielaune anfahren darf.

Marko bringt es auf den Punkt:
Der Fahrer hat seine dominierende Rolle verloren.

Für jemanden wie Verstappen, der am liebsten mit Vollgas, maximalem Risiko und null Geduld fährt, ist das natürlich ungefähr so attraktiv wie Yoga mit Handbremse.

Sportlich läuft es dazu auch noch unerquicklich:
Nach drei Rennwochenenden ist Verstappen nur WM-Neunter.
WM-Neunter!
Für Red Bull klingt das inzwischen vermutlich schon wie ein medizinischer Notfall.

Und mitten in diese Krise platzt nun der Lambiase-Abgang. Ein Mann, der seit 2016 an Verstappens Seite steht und mit ihm funktionierte wie ein altes Ehepaar – inklusive regelmäßiger Diskussionen, kleiner Funk-Eskalationen und der Gewissheit, dass man sich am Ende doch wieder braucht.

Marko nannte den Abschied folgerichtig einen „großen Wertverlust“.
Das ist charmant formuliert.
Man könnte auch sagen:
Red Bull verliert gerade Personal in einer Geschwindigkeit, bei der andere Teams schon den Insolvenzverwalter rufen würden.

Denn Lambiase ist ja längst nicht der Erste.

Schon weg oder abgewandert sind unter anderem:

  • Helmut Marko – der langjährige Mentor ist raus
  • Christian Horner – der frühere Teamchef Geschichte
  • Adrian Newey – Design-Genie jetzt bei Aston Martin
  • Jonathan Wheatley – ebenfalls weg
  • Rob Marshall – zu McLaren
  • Will Courtenay – auch zu McLaren

Kurz gesagt:
Bei Red Bull bleibt inzwischen fast nur noch das Logo und ein Kühlschrank voller Dosen.

McLaren dürfte sich derweil ins Fäustchen lachen. Während Red Bull verzweifelt versucht, die Updates nicht noch weiter in die falsche Richtung zu entwickeln, sammeln andere Teams munter genau jene Leute ein, die früher das Erfolgsgeheimnis der „Bullen“ ausmachten.

Denn auch technisch läuft es nicht rund. Laut Marko haben gerade die Updates – vor allem das in Japan – das Auto eher verschlechtert.
Was in der Formel 1 auch eine beachtliche Leistung ist:
Man entwickelt weiter – und wird dabei schlechter.

Das muss man erst mal schaffen.

Immerhin gibt es durch die abgesagten Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien wegen des Iran-Kriegs etwas mehr Zeit zum Schrauben, Rechnen und Hoffen. Teamchef Laurent Mekies soll nun den Rückstand auf Mercedes verkleinern.

Viel Spaß dabei.

Und während Red Bull in der Formel 1 an Vertrauen, Personal und Performance verliert, entdeckt Verstappen offenbar seine neue Liebe: Langstrecke.

Vor dem Japan-GP drehte er bereits am Nürburgring auf, am 17. Mai startet er beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife.

Das allein ist schon ein Statement.

Wenn dein Formel-1-Star lieber auf der Nordschleife zwischen Nebel, Leitplanke und Wahnsinn seine Glücksmomente sucht, dann sollte man sich im eigenen Team vielleicht mal fragen, ob das Problem wirklich nur am Reglement liegt.

Fazit:

Red Bull verliert Personal wie andere Teams Trainingszeit.
Lambiase geht.
Marko ist raus.
Newey ist weg.
Andere Schlüsselkräfte ebenfalls.
Das Auto ist schlechter geworden.
Verstappen ist genervt.
Und spricht lieber über den Nürburgring als über die Formel 1.

Max bald allein im Rennstall?
Ganz ehrlich:
Wenn das so weitergeht, steht er 2028 an der Box, funkt sich selbst an, schraubt am Setup, schimpft über die Software – und fragt am Ende, ob wenigstens noch jemand da ist, der ihm einen Red Bull aufmacht.

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