Auf einer wichtigen Verkehrsachse in den Rocky Mountains ist es im US-Bundesstaat Colorado zu einer schweren Massenkarambolage mit rund 70 beteiligten Fahrzeugen gekommen. Acht Menschen wurden in Krankenhäuser gebracht, mindestens eine Person erlitt schwere Verletzungen. Ausgelöst wurde der Unfall offenbar durch winterliche Straßenverhältnisse und eine Serie von Kollisionen auf schneeglatter Fahrbahn.
Der Unfall ereignete sich am Dienstagnachmittag gegen 14.50 Uhr Ortszeit auf der Interstate 70 nahe dem Eisenhower-Johnson Memorial Tunnel, rund 100 Kilometer westlich von Denver. Die Strecke gilt als zentrale Verbindung zwischen der Ost- und Westseite der Rocky Mountains und ist besonders für den Transitverkehr von großer Bedeutung.
Zunächst war von einer Sperrung in beide Richtungen die Rede. Später teilte die Colorado State Patrol mit, dass sich die Massenkarambolage auf die Fahrtrichtung Osten beschränkt habe. Für Rettungsmaßnahmen wurde jedoch zeitweise auch eine westliche Spur gesperrt, während der Verkehr dort nur langsam weiterlief.
Nach Angaben der Einsatzkräfte waren etwa 70 Fahrzeuge in den Unfall verwickelt. Insgesamt wurden 19 Menschen medizinisch untersucht. Elf von ihnen lehnten eine Einlieferung ins Krankenhaus ab, acht wurden in umliegende Kliniken gebracht. Über den Zustand der Verletzten machten die Behörden zunächst nur begrenzte Angaben. Bekannt ist bislang lediglich, dass mindestens eine Person schwere Verletzungen erlitt.
Colorados Gouverneur Jared Polis erklärte, seine Regierung beobachte den „schweren Mehrfachunfall“ genau. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, das Gebiet zu meiden und den Anweisungen der Behörden Folge zu leisten.
Der Unfall fiel in eine Phase ohnehin chaotischer Straßenverhältnisse. Bereits am Morgen hatte das Sheriffbüro von Clear Creek County von insgesamt sechs Unfällen in der Region berichtet. Fünf davon ereigneten sich auf einem Abschnitt der westwärts führenden Interstate 70, ein weiterer auf dem Highway 40. Einige seien Alleinunfälle gewesen, andere hätten mehrere Fahrzeuge betroffen, teilten die Behörden mit. Der Appell war deutlich: langsamer fahren, mehr Abstand halten, sicher ankommen.
Nur kurze Zeit später meldeten die Behörden dann einen weiteren schweren Unfall auf der Auffahrt von Highway 6 zur Interstate 70 nahe dem Skigebiet Loveland. Dort war zunächst sogar von mindestens 75 beteiligten Fahrzeugen die Rede. Später präzisierte die State Patrol die Zahl auf rund 70.
Das Verkehrsministerium von Colorado sprach von einem „schweren Mehrfahrzeugunfall“ östlich des Eisenhower-Johnson-Tunnels und warnte Autofahrer davor, dass sie über Stunden hinweg umkehren müssten. Die Ostspur der Interstate 70 blieb nach ersten Schätzungen vier bis sechs Stunden gesperrt. Erst gegen 20.10 Uhr Ortszeit konnte der Abschnitt wieder freigegeben werden.
Hinzu kam auf der Gegenfahrbahn ein weiterer Zwischenfall: Dort musste die westliche Fahrtrichtung zeitweise wegen eines Pick-ups mit Anhänger geschlossen werden, der ins Schleudern geraten war und querstand. Auch diese Sperrung konnte später aufgehoben werden.
Die Wetterlage hatte sich bereits zuvor als heikel abgezeichnet. Das Verkehrsministerium hatte am Dienstag vor winterlichen Bedingungen entlang des sogenannten I-70 Mountain Corridor gewarnt. Der Nationale Wetterdienst in Boulder sprach von Schneeschauern in den Bergen, teils auch kräftig, und kündigte glatte Straßen insbesondere an höher gelegenen Passagen an.
Damit zeigt sich einmal mehr, wie schnell sich die Lage auf den Passstraßen der Rocky Mountains zuspitzen kann: ein wenig Neuschnee, schlechte Sicht, zu hohe Geschwindigkeit – und aus einer viel befahrenen Transitroute wird binnen Minuten ein kilometerlanges Trümmerfeld.
Kommentar hinterlassen