Die große Sorge vor dem ersten Formel-1-Rennen auf dem neuen „Madring“ war eigentlich:
Chaos.
Crashs.
Abbrüche.
Fliegende Carbonteile.
Bekommen haben die Zuschauer stattdessen etwas ganz anderes:
eine Prozession mit Motorengeräusch.
Beim ersten Grand Prix auf dem neuen Stadtkurs in Madrid blieb das große Durcheinander aus.
Leider blieb teilweise auch das Rennen aus.
Kimi Antonelli gewann.
Und hinter ihm fuhren viele andere ziemlich geordnet hintereinander her.
So geordnet, dass einige Fahrer hinterher sinngemäß erklärten:
Fast eingeschlafen.
Nicht ganz das Werbeversprechen, mit dem man bis 2035 Formel 1 verkaufen möchte.
„Wer hat sich dieses Layout eigentlich angeschaut?“
Lando Norris brachte die Stimmung relativ deutlich auf den Punkt.
Er fragte sinngemäß, wer sich dieses Streckenlayout anschauen könne und anschließend ernsthaft sage:
„Perfekt.“
Eine berechtigte Frage.
Denn die Strecke sieht zwar modern aus, bietet schnelle Kurven, eine beeindruckende Steilkurve namens „La Monumental“ und vermutlich sehr hübsche Drohnenbilder.
Nur eine Kleinigkeit fehlt:
Überholen.
Und das ist bei Autorennen bekanntlich nicht völlig unwichtig.
George Russell sucht ebenfalls Überholmöglichkeiten
Mercedes-Pilot George Russell kam zu einem ähnlichen Urteil.
Seine Diagnose:
Hier könne man praktisch nicht überholen.
Das sei besonders schade, weil es sich um eine komplett neue Strecke handle.
Normalerweise baut man einen neuen Kurs ja mit dem Vorteil, nicht erst herausfinden zu müssen, welche Kurven seit 70 Jahren problematisch sind.
In Madrid hat man offenbar direkt modern geplant:
Man kennt die Probleme einfach vom ersten Rennen an.
Russell fordert deshalb Änderungen für die Zukunft.
Das könnte hilfreich sein.
Immerhin soll die Formel 1 bis einschließlich 2035 dort fahren.
Neun Jahre Prozessionsverkehr wären selbst für Motorsportfans mit ausgeprägter Leidensfähigkeit ambitioniert.
Verstappen sucht noch die Kurve zum Überholen
Auch Max Verstappen hatte bereits vor dem Rennen eine kleine Herausforderung formuliert.
Er müsse erst noch eine Kurve finden, in der man tatsächlich überholen könne.
Nach dem Rennen dürfte die Suche weiterlaufen.
Vielleicht gibt es sie.
Möglicherweise ist sie nur sehr gut versteckt.
Oder sie wird erst 2028 nachgerüstet.
Norris hat einen einfachen Vorschlag: Kurven weg
Norris wurde anschließend sogar konstruktiv.
Seine Idee:
Die Kurven 18 und 19 können weg.
Einfach raus damit.
Stattdessen lieber eine längere Gerade.
Das besitzt zumindest einen gewissen Charme.
Andere Rennstrecken benötigen jahrelange Ingenieursstudien, Windkanäle und Simulationen.
Norris sagt im Grunde:
„Da hinten diese zwei Kurven? Löschen.“
Manchmal kann Motorsportentwicklung so einfach sein.
Eigentlich macht die Strecke sogar Spaß
Ganz vernichtend wollte Norris dann allerdings doch nicht sein.
Die Strecke mache beim Fahren grundsätzlich Spaß.
Besonders die schnelle Steilkurve „La Monumental“ gefalle ihm.
Der Madring könne sogar eine großartige Rennstrecke werden.
Nur eben noch nicht jetzt.
Das ist ungefähr wie bei einer neuen Wohnung:
Tolle Lage.
Schöne Aussicht.
Großes Potenzial.
Nur leider fehlen Türen, Küche und Toilette.
Aber ansonsten fantastisch.
Dann kam auch noch das Virtual Safety Car
Damit es nicht langweilig bleibt – beziehungsweise noch langweiliger –, mischte sich anschließend auch das Virtual Safety Car in die Geschichte ein.
Lance Strolls Aston Martin blieb liegen.
Das Fahrzeug musste entfernt werden.
Also wurde das Rennen neutralisiert.
Und plötzlich konnten nahezu alle Fahrer hinter Norris günstig an die Box fahren.
Norris selbst hatte Pech.
Er führte mit großem Vorsprung.
Und wurde dafür im Grunde bestraft.
Als er schließlich selbst stoppen konnte, war die VSC-Phase vorbei.
Danach kam das bereits bekannte Madring-Problem:
Er musste überholen.
Und Überholen war an diesem Wochenende ungefähr so leicht wie ein Termin beim Bürgeramt ohne Wartezeit.
Am Ende wurde Norris Dritter.
Glücklich war er darüber verständlicherweise nicht.
Pole, Führung – und dann Pech
Norris hatte eigentlich alles richtig gemacht.
Pole Position.
Rennen kontrolliert.
Vorsprung herausgefahren.
Und trotzdem verlor er die Führung aufgrund des Timings des Virtual Safety Cars.
Seine Kritik:
Ein Rennen sollte nicht auf diese Weise entschieden werden.
Auch daran ist etwas dran.
Denn wer sich einen großen Vorsprung herausfährt, erwartet normalerweise einen Vorteil.
Nicht die Belohnung:
„Herzlichen Glückwunsch, jetzt verlieren Sie 20 Sekunden.“
Norris will deshalb auch die Regeln ändern
Der Weltmeister schlug mehrere Möglichkeiten vor.
Man könne bei einem Virtual Safety Car beispielsweise eine Runde komplett neutralisieren.
Oder allen Fahrern dieselbe Chance auf einen Boxenstopp geben.
Oder die Boxengasse kurzfristig schließen.
Irgendetwas jedenfalls, das verhindert, dass der Zeitpunkt eines liegen gebliebenen Autos stärker über das Ergebnis entscheidet als die eigentliche Rennleistung.
Das dürfte noch für Diskussionen sorgen.
Baku dürfte wieder etwas mehr Action bringen
In zwei Wochen geht es nach Aserbaidschan.
Auch Baku ist ein Stadtkurs.
Aber dort gibt es immerhin lange Geraden und deutlich bessere Überholmöglichkeiten.
Nach Madrid dürfte sich mancher Fahrer deshalb regelrecht darauf freuen.
Normalerweise gilt Baku als unberechenbar.
Nach diesem Wochenende könnte das schon als Qualitätsmerkmal durchgehen.
Fazit: Hübsch, schnell – aber bitte künftig mit Rennen
Der Madring hat seine Premiere also ohne großes Chaos überstanden.
Das ist positiv.
Die Strecke funktioniert.
Die Autos passen durch.
Die Tribünen stehen.
Niemand musste das Rennen wegen einer Katastrophe abbrechen.
Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Kleinigkeit:
Racing.
Bis 2035 bleibt noch Zeit.
Vielleicht werden Kurven verändert.
Vielleicht wird die Gerade verlängert.
Vielleicht findet Verstappen doch noch irgendwo eine Überholmöglichkeit.
Und wenn nicht, könnte man den Grand Prix künftig einfach etwas früher starten.
Dann können die Fahrer nach der Prozession wenigstens rechtzeitig ins Bett.
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