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LaVita nach dem „Goldenen Windbeutel“: Vitamine drin, Vertrauen draußen?

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Früher verteilte Gerd Truntschka auf dem Eis Torvorlagen, heute verteilt sein Unternehmen Vitamine. Und zwar nicht zu knapp. Nun hat LaVita allerdings einen Preis gewonnen, den man sich eher ungern ins Firmenfoyer stellt: den „Goldenen Windbeutel“ von Foodwatch.

Die Verbraucherorganisation wirft dem Nahrungsergänzungsmittel irreführende Werbung, überzogene Gesundheitsversprechen und einen bemerkenswert sportlichen Preis vor. Umgerechnet koste ein Liter rund 100 Euro. Dafür bekommt man laut Foodwatch vor allem Fruchtsaftkonzentrat und 26 zugesetzte Vitamine und Nährstoffe.

LaVita hält dagegen: Das Produkt sei gar kein gewöhnlicher Saft, weshalb der Literpreis wenig aussagekräftig sei. Als Vergleich nennt Firmenchef Truntschka Espresso. Auch der koste im Café hochgerechnet bis zu 100 Euro pro Liter und werde schließlich nicht aus Maßkrügen getrunken.

Das ist nachvollziehbar. Allerdings wirbt ein Espresso normalerweise auch nicht damit, nahezu jeden relevanten Körperbereich gleichzeitig mit „Treibstoff“ zu versorgen. Er verspricht lediglich, dass man nach dem dritten Glas wieder weiß, wie man heißt.

Zehn Milliliter Hoffnung am Tag

LaVita wird in kleinen Mengen eingenommen. Zehn Milliliter sollen laut Hersteller genügen. Bei Stress dürfe es auch die doppelte Menge sein.

Foodwatch sieht genau darin ein Problem. Bereits bei der einfachen Tagesdosis würden mehrere Nährstoffe über den jeweiligen Referenzmengen liegen. Bei der doppelten Portion seien es noch mehr.

LaVita betrachtet die Darstellung als verkürzt und wissenschaftlich nicht angemessen. Das Unternehmen fühle sich durch plakative Vorwürfe auf eine Art Vitaminsirup reduziert, obwohl hinter dem Produkt ein komplexes Konzept stehe.

Komplex ist zumindest die Kommunikation: „rundum gut versorgt“, „Treibstoff für die Zellen“, „fit fürs Leben“ und „Produkt mit vielen Wirkungen“. Fehlt eigentlich nur noch: „Hilft bei Steuererklärungen und schwierigen Gesprächen mit den Schwiegereltern.“

Der Literpreis als philosophische Frage

Besonders ärgert Truntschka die Formulierung „100 Euro pro Liter Fruchtsaft“. Ein Literpreis sei bei einem Konzentrat nicht sinnvoll.

Das stimmt grundsätzlich. Auch Parfüm wird selten literweise gekauft. Trotzdem könnte man bei 100 Euro pro Liter kurz fragen, ob die Orange im Konzentrat persönlich von einem Sternekoch ausgepresst wurde.

Foodwatch kritisiert zudem die Nährwertangaben. Statt klarer Prozentwerte würden Häkchen verwendet. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück und will weiterhin an seinem Produktkonzept festhalten.

Vertrauen lässt sich nicht konzentrieren

Nach der Kritik seien Kunden verunsichert. In Internetforen wenden sich offenbar auch langjährige Käufer ab. Marketingexperten warnen, nach einem solchen Imageschaden könne der Wiederaufbau von Vertrauen schwierig werden.

LaVita will deshalb nun aufklären – faktenbasiert, ausführlich und vermutlich mit deutlich weniger Häkchen.

Truntschka selbst zeigt sich vor allem über die Art der Kritik enttäuscht. Sein Team arbeite seit Jahrzehnten mit Leidenschaft an dem Produkt. Komplexe Zusammenhänge dürften nicht auf wenige Schlagzeilen reduziert werden.

Das Problem ist nur: Wer sein Produkt jahrelang mit besonders einfachen Versprechen bewirbt, darf sich nicht wundern, wenn auch die Kritik irgendwann in besonders einfacher Form kommt.

Für LaVita bleibt damit eine anspruchsvolle Aufgabe: Das Unternehmen muss beweisen, dass sein Produkt mehr ist als sehr teurer Saft mit Zusatzstoffen – und dass der „Goldene Windbeutel“ nicht der einzige Preis bleibt, dessen Wirkung sofort nach der Einnahme spürbar ist.

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