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Krieg gegen Iran erschüttert Wall Street: US-Börsen steuern auf schwächstes Quartal seit 2022 zu

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Noch zu Beginn des Monats notierten die großen US-Indizes nahe ihrer Rekordstände. Nun droht der Wall Street der schwächste Quartalsabschluss seit 2022. Der Krieg mit Iran hat die Märkte in den vergangenen Wochen massiv unter Druck gesetzt, die Nervosität ist deutlich gestiegen.

Der S&P 500 steuert auf sein schlechtestes Quartal seit mehr als drei Jahren zu. Auch der Dow Jones und der technologielastige Nasdaq sind zwischenzeitlich in Korrekturterritorium gerutscht. Vor allem der starke Anstieg der Ölpreise belastet die Stimmung an den Märkten.

Öl über 100 Dollar – Investoren fürchten neue Inflationswelle

Auslöser der Turbulenzen ist vor allem die Lage im Nahen Osten. Der Krieg mit Iran hat den Ölmarkt in Unruhe versetzt. Während die Straße von Hormus faktisch blockiert bleibt, stieg der Preis für Brent-Rohöl, die globale Referenzsorte, im März um fast 50 Prozent. Am Dienstag notierte Öl zeitweise wieder bei mehr als 100 Dollar pro Barrel.

Für Anleger ist das ein Warnsignal. Höhere Energiepreise treiben nicht nur die Kosten für Unternehmen, sondern könnten auch eine neue Inflationswelle auslösen – zu einem Zeitpunkt, an dem die Notenbanken eigentlich auf Entspannung gehofft hatten.

Die Sorge: Wenn Energie wieder teurer wird, könnte die US-Notenbank Fed gezwungen sein, Zinssenkungen hinauszuzögern oder vorsichtiger vorzugehen als bislang erwartet.

Volatilität schießt nach oben

Die Unsicherheit ist an der Wall Street deutlich ablesbar. Der VIX-Index, oft als „Angstbarometer“ des Marktes bezeichnet, sprang im März auf den höchsten Stand seit April. Zeitweise kletterte er über 30 Punkte – ein Niveau, das für deutlich erhöhte Nervosität und starke Kursschwankungen steht.

Auch der Fear & Greed Index von CNN notierte zuletzt im Bereich „extreme fear“ und fiel auf den niedrigsten Stand seit November.

Mit anderen Worten: Die Märkte handeln derzeit nicht nur Daten, sondern vor allem Schlagzeilen.

Hoffnung auf Kriegsende sorgt für Erholung

Am Dienstag zeigte sich allerdings eine Gegenbewegung. Die US-Börsen starteten fester in den Handel und steuerten auf einen versöhnlichen Monatsabschluss zu.

  • Der Dow Jones stieg um 548 Punkte oder 1,2 Prozent
  • Der S&P 500 legte um 1,1 Prozent zu
  • Der Nasdaq Composite gewann 1,3 Prozent

Auslöser für die Erholung war ein Bericht des Wall Street Journal, wonach Präsident Donald Trump über ein mögliches Ende des Krieges gesprochen haben soll. Anleger hoffen offenbar auf mehr Klarheit über die Dauer des Konflikts – denn genau diese Ungewissheit belastet die Märkte derzeit besonders stark.

Dennoch bleibt die Lage fragil

Trotz der Erholung bleibt die Lage angespannt. Denn die zentrale Frage ist weiterhin unbeantwortet: Wie lange bleibt die Straße von Hormus geschlossen?

Sollte die wichtige Handelsroute blockiert bleiben und die Ölpreise auf hohem Niveau verharren, dürfte eine nachhaltige Bodenbildung an den Aktienmärkten schwierig werden.

Der Marktstratege Matt Maley von Miller Tabak + Co formulierte es deutlich:
Wenn die Straße von Hormus geschlossen bleibe und die Ölpreise extrem hoch blieben, werde es für den Aktienmarkt „sehr schwer“, einen Boden in der laufenden Abwärtsbewegung zu finden.

Fed-Hoffnungen stützen den Markt – trotz Kriegsrisiko

Parallel richtet sich der Blick auf die Geldpolitik. Ein Teil der jüngsten Stabilisierung an den Börsen hängt auch mit der Hoffnung zusammen, dass die Fed im weiteren Jahresverlauf doch wieder mit Zinssenkungen beginnen könnte.

In den vergangenen Wochen schwankten die Erwartungen der Anleger stark: Einerseits sorgt der Ölpreisschock für Inflationssorgen, andererseits wächst mit dem Krieg das Risiko für schwächeres Wachstum. Genau dieses Spannungsfeld macht die Lage für die Notenbank kompliziert.

Die Reaktion am Anleihemarkt zeigt, wie unsicher Investoren derzeit sind:
Die Renditen von US-Staatsanleihen gaben zuletzt nach, weil Anleger wieder verstärkt in sichere Häfen flüchteten – nachdem die Renditen zuvor im Monatsverlauf noch deutlich gestiegen waren.

Dollar profitiert als sicherer Hafen

Auch der US-Dollar profitierte von der Unsicherheit. Der Dollar-Index gab am Dienstag zwar leicht nach, liegt im Monatsvergleich aber immer noch 2,6 Prozent im Plus. Damit steuert die US-Währung auf ihren stärksten Monat seit Juli zu.

Das passt ins Bild: In geopolitischen Krisen suchen viele Investoren Schutz in Dollar-Anlagen, US-Staatsanleihen und anderen als sicher geltenden Vermögenswerten.

Ein Markt im Krisenmodus

Die Wall Street wird derzeit von zwei Kräften gleichzeitig getrieben:

  • geopolitische Eskalation im Nahen Osten
  • Unsicherheit über die Reaktion der US-Notenbank

Solange der Ölpreis hoch bleibt und die Lage rund um Iran und die Straße von Hormus unklar ist, dürfte diese Nervosität anhalten.

Oder, wie es Marktstratege Jay Woods von Freedom Capital Markets formulierte:

„Alle Augen bleiben auf dem Ölpreis und den Nachrichten aus dem Nahen Osten. So wie die Spannungen in der Region zu- oder abnehmen, wird sich auch die Richtung der Märkte verändern.“

Fazit

Die Wall Street erlebt einen Monat, der aus Sicht vieler Anleger wie ein Stresstest wirkt. Noch Anfang März dominierten Rekordstände und Zinshoffnungen. Nun prägen Kriegsrisiken, Ölpreisschocks und Inflationsängste das Bild.

Dass sich die Kurse am Dienstag erholten, ändert daran wenig.
Solange der Krieg mit Iran andauert und die Straße von Hormus blockiert bleibt, dürfte die Lage an den Märkten fragil bleiben.

Die entscheidende Variable ist derzeit nicht die Gewinnsaison.
Es ist der Ölpreis.

 

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