US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sorgt in Kanada für heftige Kritik. Auslöser ist ein Beitrag in sozialen Netzwerken, der offenbar Mitglieder eines kanadischen Kadettenprogramms lächerlich machen sollte.
Hegseth teilte ein Foto, das eine junge Kadettin bei der Entgegennahme einer Auszeichnung von ihrer Ausbilderin zeigt. Dazu schrieb er lediglich „this is real“ und setzte eine kanadische Flagge dahinter. In Kanada wurde der Post vielfach als abwertender Seitenhieb auf das Militär und auf das Aussehen der beiden Frauen verstanden.
Kanadas Verteidigungsminister David McGuinty reagierte scharf und erklärte, der Beitrag liege „unter der Würde des Amtes“, das Hegseth innehabe.
Carney fordert von Washington mehr Ernsthaftigkeit
Der Streit fällt in eine ohnehin angespannte Phase der Beziehungen zwischen Kanada und den USA.
Beide Länder liefern sich derzeit einen Handelskonflikt, der längst auch von persönlichen Angriffen und politischen Provokationen begleitet wird.
Premierminister Mark Carney machte deutlich, dass neue Gespräche mit Washington erst dann sinnvoll seien, wenn die US-Seite wieder ernsthafter auftrete.
Sinngemäß sagte Carney, die Amerikaner müssten aufhören, Memes zu verbreiten, Spitzen auszuteilen und sich möglichst hart geben zu wollen. Erst dann könne wieder seriös über Handelsfragen gesprochen werden.
Das Pentagon reagierte auf die Kritik an Hegseth knapp. Der Beitrag spreche „für sich selbst“.
Kadettenorganisation verurteilt öffentliche Herabsetzung
Das kanadische Kadettenprogramm wird vom Militär begleitet und richtet sich an Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren. Es soll Führungsqualitäten, Fähigkeiten und Gemeinschaftssinn fördern.
Die Army Cadet League of Canada, eine zivile Organisation zur Unterstützung des Programms, verurteilte jede Form von Online-Belästigung oder Lächerlichmachen von Kadetten.
Abwertende Kommentare über Jugendliche, die sich engagierten und ihre Fähigkeiten verbessern wollten, seien nicht akzeptabel.
Kanadas ranghöchste Militärvertreterin, General Jennie Carignan, erklärte zudem, man stehe mit den betroffenen Kadetten in Kontakt und bespreche mit ihnen, wie sie mit dem Vorfall umgehen wollten.
Konservativer Abgeordneter: „Sie sollten sich schämen“
Kritik kam nicht nur aus der Regierung.
Scott Anderson, konservativer Abgeordneter und ehemaliger Militärreservist, warf Hegseth vor, den Respekt und die Verantwortung vermissen zu lassen, die mit seinem Amt verbunden seien.
Hegseth habe sich entschieden, zwei weibliche kanadische Nichtkombattantinnen öffentlich vor Millionen Menschen herabzusetzen.
Anderson schrieb dem US-Verteidigungsminister ausdrücklich, er solle sich dafür schämen.
Zugleich erinnerte er daran, wie eng Kanada und die USA wirtschaftlich, kulturell und in der gemeinsamen Verteidigung miteinander verbunden seien.
Kanadier und Amerikaner hätten grundsätzlich keinen Grund, ein Problem miteinander zu haben. Mit Hegseths Verhalten habe er jedoch sehr wohl eines.
Vorwurf des „Body-Shaming“
Mehrere Kommentatoren und Nutzer in Kanada warfen Hegseth vor, mit seinem Beitrag sogenanntes Body-Shaming betrieben zu haben.
Der genaue Hintergrund seiner Bemerkung blieb zwar offen, doch viele interpretierten das Foto und die knappe Beschriftung als Spott über das äußere Erscheinungsbild der beiden Frauen.
Gerade weil auf dem Bild eine junge Teilnehmerin eines Jugendprogramms zu sehen ist, fällt die Reaktion in Kanada besonders deutlich aus.
Handelsstreit zwischen Kanada und USA eskaliert
Der diplomatische Ärger kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.
Die Handelsgespräche zwischen Kanada und den USA waren im vergangenen Monat zusammengebrochen. Beide Seiten machten jeweils kurzfristige Zusatzforderungen der anderen Seite für das Scheitern einer vorläufigen Einigung verantwortlich.
Die USA verhängten daraufhin Zölle von 50 Prozent auf kanadische Einfuhren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar. Kanada plant entsprechende Gegenmaßnahmen.
Parallel dazu hat sich der Ton immer weiter verschärft.
Ontarios Premier Doug Ford bezeichnete Donald Trump bereits als „Verlierer“. Trump wiederum versucht, den Lake Ontario in „Lake America“ umzubenennen. US-Verkehrsminister Sean Duffy erklärte zudem, Kanada sei ein Land, das „kein Militär“ habe.
Ausgerechnet zwischen jahrzehntelangen Verbündeten
Dabei sind Kanada und die USA seit Jahrzehnten enge Partner in der Verteidigung.
Kanada unterstützte die Vereinigten Staaten unter anderem im Afghanistan-Krieg und arbeitet eng mit Washington bei der kontinentalen Sicherheit zusammen.
Zugleich hat Ottawa seine Verteidigungsausgaben in den vergangenen Monaten deutlich erhöht, nachdem Kanada jahrelang hinter den NATO-Zielen zurückgeblieben war.
Der öffentliche Spott aus Washington trifft deshalb einen besonders empfindlichen Nerv.
Auch Hegseth selbst steht unter Druck
Hegseth steht gleichzeitig auch in den USA unter wachsendem politischen Druck.
Mehrere ranghohe Militärvertreter haben zuletzt das Pentagon verlassen. Zudem gibt es Fragen zum amerikanischen Umgang mit dem Krieg gegen Iran.
Der frühere Soldat Hegseth legt seit Langem großen Wert auf körperliche Fitness und das äußere Erscheinungsbild amerikanischer Streitkräfte. Er spricht dabei regelmäßig von einem neuen „Warrior Ethos“.
Doch der aktuelle Streit zeigt, dass genau diese Haltung diplomatisch schnell zum Problem werden kann.
Denn politische Rivalität zwischen Regierungen ist das eine.
Jugendliche eines verbündeten Landes öffentlich zum Gegenstand von Spott zu machen, ist etwas anderes – und aus kanadischer Sicht offenbar eine Grenze, die ein US-Verteidigungsminister nicht überschreiten sollte.
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