Kalifornien gilt als Hochburg der Demokraten in den USA – doch ausgerechnet dort könnte es bei der kommenden Gouverneurswahl zu einer politischen Überraschung kommen. Aufgrund eines ungewöhnlichen Wahlsystems und eines stark zersplitterten Kandidatenfeldes besteht die Möglichkeit, dass kein Demokrat die entscheidende Stichwahl erreicht.
Hintergrund ist das sogenannte „Top-Two“-System: Bei der Vorwahl am 2. Juni treten alle Kandidaten unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gegeneinander an. Nur die beiden Bestplatzierten ziehen in die eigentliche Wahl im November ein. Aktuelle Umfragen zeigen jedoch ein enges Rennen zwischen mehreren Demokraten und zwei Republikanern – mit dem Risiko, dass sich die Stimmen der Demokraten aufsplitten.
Da Amtsinhaber Gavin Newsom nicht erneut antreten darf, ist das Rennen offen. Auf republikanischer Seite liegen der frühere Berater und TV-Moderator Steve Hilton sowie der Sheriff Chad Bianco aussichtsreich im Rennen. Ihnen gegenüber stehen mehrere prominente Demokraten, darunter der Kongressabgeordnete Eric Swalwell, die frühere Abgeordnete Katie Porter und der Milliardär Tom Steyer.
Interne Spannungen bei den Demokraten
Die angespannte Lage innerhalb der Demokratischen Partei zeigt sich auch organisatorisch: Eine geplante TV-Debatte wurde kurzfristig abgesagt, nachdem mehrere Kandidaten kritisierten, nicht eingeladen worden zu sein. Der Streit verdeutlicht das zentrale Problem der Partei – zu viele Bewerber konkurrieren um dieselbe Wählerschaft.
Parteifunktionäre warnen bereits vor den Folgen. In einem offenen Brief rief der Vorsitzende der Demokraten in Kalifornien, Rusty Hicks, weniger aussichtsreiche Kandidaten zum Rückzug auf. Ein Szenario, in dem zwei Republikaner die Stichwahl bestreiten, sei zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.
Einflussreiche Wahl mit nationaler Bedeutung
Der Ausgang der Wahl hat weit über Kalifornien hinaus Bedeutung. Mit einer Wirtschaftsleistung von rund vier Billionen US-Dollar wäre der Bundesstaat für sich genommen eine der größten Volkswirtschaften der Welt. Politisch dient Kalifornien oft als Vorreiter für progressive Themen, die später landesweit aufgegriffen werden.
Republikaner wittern Chancen
Die Republikaner sehen in der ungewöhnlichen Konstellation eine seltene Gelegenheit. Beide führenden Kandidaten positionieren sich in der Nähe von Donald Trump, setzen im Wahlkampf jedoch verstärkt auf landespolitische Themen wie Kriminalität und hohe Lebenshaltungskosten.
Zugleich sorgen Aussagen über angeblichen Wahlbetrug für Kontroversen. Sheriff Bianco behauptete kürzlich, Beweise für Unregelmäßigkeiten gefunden zu haben – Vorwürfe, die von den Wahlbehörden entschieden zurückgewiesen wurden.
Fazit
Noch sind es mehrere Wochen bis zur Vorwahl, und viele Wähler haben sich nicht festgelegt. Doch schon jetzt zeigt sich: Selbst in einer demokratischen Hochburg wie Kalifornien kann ein überfülltes Kandidatenfeld die politischen Kräfteverhältnisse unerwartet verschieben.
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