Während in Deutschland noch diskutiert wird, ob ein Bauantrag vielleicht bis 2034 bearbeitet werden kann, druckt Japan inzwischen einfach ganze Häuser aus dem Computer. In nur 14 Tagen entstand dort nun das erste zweistöckige 3D-gedruckte Wohnhaus des Landes – erdbebensicher, futuristisch und offenbar schneller gebaut als manche deutsche Garage genehmigt wird.
Ein Haus aus dem Drucker
Das sogenannte „Stealth House“ wurde von dem Startup Kizuki gemeinsam mit mehr als 20 Unternehmen entwickelt. Das Gebäude steht in der Präfektur Miyagi und gilt als technischer Meilenstein: Erstmals wurde in Japan ein komplettes zweistöckiges Wohnhaus direkt vor Ort ausgedruckt.
Die Konstruktion erinnert optisch eher an eine Mischung aus Science-Fiction-Bunker und luxuriöser Höhle. Kizuki spricht von Inspiration durch natürliche Felsformationen. Kritiker würden vermutlich sagen: Beton trifft Vulkanlandschaft.
Gedruckt wurde mit einem gigantischen Portaldrucker. Die Außenwände bestehen aus einer Hohlstruktur mit verstärktem Beton – schließlich soll das Haus auch japanische Erdbeben überstehen und nicht schon beim ersten stärkeren Niesen umkippen.
Japans Bauwirtschaft am Limit
Hinter dem Projekt steckt allerdings ein ernstes Problem. Japans Bauindustrie leidet massiv unter Fachkräftemangel und Überalterung. In den kommenden zehn Jahren könnten fast die Hälfte aller qualifizierten Bauarbeiter in Rente gehen.
Für die Branche ist das ein Albtraum. Für Technologieunternehmen dagegen ein Geschäftsmodell.
Denn 3D-Druck verspricht genau das, wonach die Industrie verzweifelt sucht: weniger Personal, weniger Zeitaufwand und geringere Kosten. Statt sieben Gewerke gleichzeitig koordinieren zu müssen, übernimmt künftig womöglich ein Drucker die Arbeit – vorausgesetzt, er streikt nicht wegen Softwareupdate.
Häuser für Krisengebiete und entvölkerte Regionen
Die Entwickler sehen enorme Chancen für abgelegene Regionen und Katastrophengebiete. Gerade nach Erdbeben könnten Häuser künftig deutlich schneller errichtet werden. Bereits nach dem schweren Beben auf der Noto-Halbinsel kamen erste gedruckte Notunterkünfte zum Einsatz.
Kizuki wirbt damit, dass selbst kleine Teams hochwertige Häuser errichten könnten. Ein interessanter Gedanke in einem Land, das vielerorts kaum noch genügend Arbeitskräfte findet.
Banken und Behörden bremsen den Hype
Ganz so einfach wird der große Durchbruch allerdings nicht. Noch kämpfen die Unternehmen mit strengen Vorschriften, komplizierten Genehmigungen und skeptischen Banken.
Denn während das Haus futuristisch aussieht, reagieren Kreditgeber eher traditionell. Viele Standardhypotheken in Japan setzen größere Wohnflächen voraus – die meisten 3D-Häuser fallen derzeit durchs Raster.
Dazu kommen offene Fragen: Wie langlebig sind solche Gebäude wirklich? Wie entwickelt sich der Wiederverkaufswert? Und was passiert eigentlich, wenn irgendwann der Druckerhersteller pleitegeht?
Die Baustelle der Zukunft
Trotz aller Risiken investiert Japan massiv in automatisiertes Bauen. Schon heute setzt die Regierung auf Digitalisierung, Robotik und autonome Baumaschinen. Bis 2040 soll der Arbeitsaufwand auf Baustellen um 30 Prozent sinken.
Für die Branche bedeutet das einen radikalen Wandel. Aus dem klassischen Knochenjob könnte ein Hightech-Beruf werden – mit Tablet statt Maurerkelle.
Oder anders gesagt: Der Bauarbeiter der Zukunft trägt vielleicht keinen Helm mehr, sondern programmiert morgens erst einmal seinen Beton-Drucker neu.
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