Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben im Norden des Gaza Strip mindestens zwei Palästinenser getötet. Militärangaben zufolge seien am Samstag „mehrere bewaffnete Terroristen“ auf israelischer Seite der sogenannten „Gelben Linie“ identifiziert worden. Diese markiert im Rahmen der Waffenruhe mit der islamistischen Organisation Hamas die Rückzugsposition der israelischen Streitkräfte.
Die Armee erklärte, die Männer seien aus unterirdischer Infrastruktur aufgetaucht und hätten in der Nähe israelischer Soldaten Stellung bezogen. Man habe eine „unmittelbare Bedrohung“ gesehen und das Feuer eröffnet. Zwei Personen seien getötet worden, weitere möglicherweise ebenfalls. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben liegt bislang nicht vor. Das Militär sprach von einem „eklatanten Verstoß“ gegen die Waffenruhe und kündigte an, das Gebiet weiter nach bewaffneten Kämpfern zu durchsuchen.
Seit Inkrafttreten der Feuerpause am 10. Oktober kommt es im Gazastreifen immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen.
Unterdessen hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) Teile ihrer Arbeit im Nasser-Krankenhaus in Chan Junis aus Sicherheitsgründen ausgesetzt. Mitarbeitende und Patienten hätten wiederholt bewaffnete, maskierte Männer auf dem Klinikgelände gesehen. Das Nasser-Krankenhaus zählt zu den größten noch funktionsfähigen Kliniken im Gazastreifen und versorgt Hunderte Verletzte.
MSF erklärte, alle nicht lebensnotwendigen medizinischen Aktivitäten seien aufgrund „schwerwiegender Sicherheitsrisiken“ vorübergehend eingestellt worden. Berichtet wurde unter anderem von Einschüchterungen, willkürlichen Festnahmen von Patienten und dem Verdacht auf Waffenbewegungen innerhalb des Krankenhauskomplexes. Unklar blieb, welchen Gruppierungen die Bewaffneten angehörten.
Krankenhäuser müssten geschützte zivile Räume bleiben, betonte die Organisation. Während des Krieges hatte Israel wiederholt medizinische Einrichtungen angegriffen und der Hamas vorgeworfen, diese militärisch zu nutzen. Zugleich berichten Klinikmitarbeiter von bewaffneten Gruppen in und um Gesundheitseinrichtungen. Das von der Hamas kontrollierte Innenministerium kündigte an, die Präsenz bewaffneter Männer in Krankenhäusern zu unterbinden und für mehr Sicherheit zu sorgen.
Hilfsorganisationen und Menschenrechtsgruppen weisen darauf hin, dass große Teile des Gesundheitssystems im Gazastreifen seit Beginn des Krieges schwer beschädigt oder außer Betrieb gesetzt wurden.
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