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Iran und der Blick in ein neues Jahr

FarkhodVakhob9TJK9 (CC0), Pixabay
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Während draußen schwarzer Ölstaub den Innenhof bedeckt, putzt Zahra die Fenster ihrer Wohnung in Teheran. Es ist Nowruz, das persische Neujahrsfest – eigentlich ein Moment der Hoffnung. Doch in diesem Jahr steht es im Zeichen von Krieg, Angst und Wut.

Die Großmutter hat seit Tagen keinen Kontakt zu ihren Kindern. Das Internet ist blockiert. „Meine Kinder nicht hören zu können, macht mich wahnsinnig“, sagt sie. Ihr Name wurde geändert – wie bei allen, die aus dem Iran berichten. Wer mit ausländischen Medien spricht, riskiert Verhaftung.

Fast vier Wochen nach Beginn der Angriffe durch die USA und Israel zeigt sich ein Land im Ausnahmezustand. Nach Angaben von Aktivisten sind bereits fast 3000 Menschen ums Leben gekommen, mehr als die Hälfte Zivilisten. Gleichzeitig geht der Staat hart gegen jede Form von Information vor. Erst kürzlich wurden mehrere Menschen festgenommen, weil sie mit ausländischen Medien kooperiert haben sollen.

Zahras Alltag ist geprägt von Zerstörung. Nach Angriffen auf Ölanlagen ging eine Art „schwarzer Regen“ nieder, der alles überzog. „Wir haben keine Besuche mehr, keine Treffen“, sagt sie. Und doch halte sie an den Ritualen fest: putzen, vorbereiten, hoffen. „Vielleicht weicht diese dunkle Nacht ja doch noch dem Morgen.“

Auf einen Waffenstillstand hofft sie allerdings nicht. Zu groß ist ihr Zorn auf die eigene Führung. „Dieses Regime hat uns über Jahrzehnte mehr Leid zugefügt als jeder Krieg“, sagt sie.

Wie viele Menschen ähnlich denken, lässt sich kaum einschätzen. Die Regierung mobilisiert ihre Anhänger, während unabhängige Informationen rar sind. Erst im Januar wurden Tausende Regimegegner brutal niedergeschlagen – ein Trauma, das nachwirkt.

Samar, eine Studentin in Teheran, beschreibt ein Land, das tief gespalten ist. Die treuesten Anhänger des Regimes seien bereit, für dessen Fortbestand zu sterben. „Sie glauben, mit dem System würde auch ihre Religion untergehen“, sagt sie. Ein Sturz der Führung könne deshalb sogar in einen Bürgerkrieg münden.

Zugleich sei das System auf Kontinuität ausgelegt. Für jeden Funktionär gebe es mehrere mögliche Nachfolger. „Wie eine Hydra“, sagt Samar. „Du schlägst einen Kopf ab, und es wachsen neue nach.“

Auch unter jungen Männern wächst die Angst. Ali, Anfang 20, steht vor dem verpflichtenden Militärdienst. Ein Freund von ihm wurde bei einem Luftangriff getötet. Ein anderer ist desertiert. Er selbst will nicht kämpfen. „Sie holen dich notfalls von zu Hause“, sagt er. „Aber ich werde alles tun, um nicht eingezogen zu werden.“

Zwischen Angst vor dem Krieg, Wut auf die Führung und Unsicherheit über die Zukunft versucht die Bevölkerung, einen Alltag zu bewahren. Doch je länger der Konflikt dauert, desto größer wird die Anspannung.

Ein Waffenstillstand könnte das Regime stabilisieren. Eine weitere Eskalation dagegen würde unberechenbare Folgen haben – für die Führung ebenso wie für die Menschen im Land.

Und während Zahra ihre Fenster putzt, bleibt die Hoffnung auf einen Neuanfang vorerst genau das: ein Ritual gegen die Realität.

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