Im Ringen um ein mögliches Ende des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran verdichten sich Hinweise auf diplomatische Fortschritte. Laut mehreren mit den Gesprächen vertrauten Quellen wird Teheran heute seine Antwort auf einen US-Vorschlag übermitteln, der zunächst in Form eines kurzen Memorandums den Weg zu einer Waffenruhe ebnen soll.
US-Präsident Donald Trump sprach von „sehr guten Gesprächen“ mit dem Iran innerhalb der vergangenen 24 Stunden. Gleichzeitig drohte er erneut mit weiteren Luftangriffen, falls Teheran einem Abkommen nicht zustimmen sollte.
Das geplante Papier umfasst laut CNN lediglich eine Seite. Vorgesehen ist demnach zunächst eine formelle Beendigung der Kampfhandlungen sowie eine 30-tägige Verhandlungsphase zu offenen Streitpunkten. Dazu zählen das iranische Atomprogramm, die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte sowie Sicherheitsfragen rund um die Straße von Hormus.
Trump erklärte gegenüber PBS, ein mögliches Abkommen könne auch vorsehen, dass der Iran hoch angereichertes Uran an die USA übergibt und auf den Betrieb unterirdischer Atomanlagen verzichtet.
Die Entwicklungen wirken sich bereits auf die internationalen Märkte aus. Die Ölpreise setzten ihren Rückgang fort, nachdem Hoffnungen auf eine Entspannung im Konflikt zunahmen. Die Nordseesorte Brent fiel um 1,5 Prozent auf knapp 100 Dollar pro Barrel, nachdem sie bereits am Mittwoch um fast acht Prozent eingebrochen war.
Trotz der diplomatischen Annäherung bleibt die Lage im Persischen Golf angespannt. Das US-Militär eröffnete nach Angaben amerikanischer Medien das Feuer auf einen Tanker unter iranischer Flagge, der Kurs auf einen iranischen Hafen genommen hatte. Washington begründete den Vorfall mit der Durchsetzung der Seeblockade.
Zuvor hatte Teheran ein neues Gremium vorgestellt, das künftig den Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus kontrollieren soll. Die Wasserstraße gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten für den weltweiten Öltransport.
Rund 1.600 Schiffe sitzen derzeit weiterhin in der Region fest. Reedereien und Versicherer warnen vor unkalkulierbaren Risiken. Nach Angaben der International Maritime Organization wurden seit Beginn des Konflikts bereits 32 Schiffe durch Raketen beschädigt, mindestens zehn Menschen kamen ums Leben.
Auch Israel verfolgt die Verhandlungen mit Sorge. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu führte nach israelischen Angaben Gespräche mit Vertretern der Trump-Regierung, um sich über den Stand der Kontakte mit Teheran zu informieren. In Jerusalem wächst offenbar die Befürchtung, Washington könnte dem Iran in letzter Minute weitreichende Zugeständnisse machen.
Parallel verschärfte sich die Lage im Libanon erneut. Israel griff erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe wieder Ziele in Beirut an und tötete nach eigenen Angaben einen ranghohen Hisbollah-Kommandeur.
Unterdessen demonstrierten in Teheran tausende Menschen ihre Unterstützung für die iranische Führung. Teilnehmer bezeichneten den Iran als „Sieger des Krieges“ und zweifelten daran, dass Trump einen weiteren Militärschlag wagen werde.
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