Investition in Naturrohstoffe durch die Ethisch Soziale Assets GmbH – Was steckt dahinter?

Vor wenigen Tagen wurde unserer Redaktion eine Annonce zugespielt, die am 29.1.2017 in der „Welt am Sonntag“ zu finden war. Darin wurde eine Investition in Naturrohstoffe, „sozial und nachhaltig mit hoher Rendite“, beworben und als Kontakt eine E-Mail-Adresse der Domain „gmail.com“ angegeben. Nun erscheint eine kostenlose Mail-Adresse in geschäftlichen Fragen wenig seriös, zumal als Name „Direktinvest“ gewählt wurde, also die Nennung einer verantwortlichen und recherchierbaren Person oder eines Unternehmens strikt vermieden wurde.

Auf Rückfrage teilte uns Bernd Wittweg – zu dieser uns nicht unbekannten Person später – mit, dass er seit über fünf Jahren verbunden sei mit der deutschstämmigen Familie Hecker in Bolivien. Besagte Familie Hecker ist im Besitz der Firma Hylea 1884 S.R.L., welche derzeit der weltweit sechstgrößte Paranussproduzent sei. „Zur Finanzierung des Wachstums placieren wir seit 3 Jahren Gelder von Investoren, die von der Erntephase bis zum Export die Finanzmittel stellen. Laufzeit sind 2 Jahre und die Rendite ab 7 %. Dies ist möglich, da die [Leitzinsen?] in Bolivien wesentlich höher sind.“ Mit dem Hinweis auf die ökologisch sinnvolle Investition, die zum Erhalt des Regenwaldes beitrage, und der damit verbundenen Förderung der indigenen Bevölkerung, hofft Herr Wittweg also, Geld einnehmen zu können.

Während wir Herrn Wittweg über die Domain „gmail.com“ kontaktierten, antwortete er uns mit einer Mail mit der Domain „bwfirmengruppe.de“. Die Signatur seines Antwortschreibens verweist jedoch wiederum auf die Ethisch Soziale Assets GmbH in Isernhagen, auf die wir später zu sprechen kommen. Transparent und seriös erscheint das unserer Meinung nach jedenfalls nicht. Die „BW-Firmengruppe“, bestehend aus der 1996 gegründeten BWA Assecuranzmakler GmbH mit dem aktuellen Geschäftsführer Lars Fröhlich, und der BWC Consults GmbH mit der Geschäftsführerin Claudia Wittweg in Isernhagen (laut der letzten Bilanz von 2012 mit einem nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von fast 40.000 €), bietet Beratungen für Firmen an.

Zwischenzeitlich fungierte Bernd Wittweg als einer der beiden Geschäftsführer bei der ESA Edelholz Südamerika UG (haftungsbeschränkt), welche 2010 im thüringischen Sondershausen eingetragen wurde und sich der „Projektierung von Forstwirtschaft in Südamerika auf eigene Rechnung und für Investoren für Kauf und Pacht in Geschäftsbesorgungsverträgen“ verschrieben hatte. Die Idee war in Zeiten des menschenverursachten Klimawandels durchaus vielversprechend. Der Regenwald sollte gezielt und nachhaltig mit Edelhölzern wiederaufgeforstet werden, die einerseits Kohlenstoff binden, andererseits selber einen veräußerbaren Wert darstellen sollten. Dafür sollte der Investor jedoch, wie es in der zugehörigen Werbebroschüre hieß, entweder einen „20-jährigen Pacht- und Bewirtschaftungsvertrag“ mit der ESA Bolivia S.A. abschließen, „so lange dauert ein Zyklus von der ersten Pflanzung bis zur Schlussernte“, oder „einen Sparplan mit regelmäßiger monatlicher Einzahlung“, „ideal für eine lukrative Altersvorsorge“. Für seine Anlage wurden dem Investor „Chancen auf eine attraktive Rendite von durchschnittlich 10 % und das auf Jahrzehnte“ versprochen. Wohlgemerkt, es wurde nicht die Rendite, sondern die Chance darauf versprochen, „aber nicht auf Kosten von Umwelt, Natur und Menschen. Wir handeln für eine nachhaltige Zukunft: die Ihrer Investition und die unserer Erde“, so Frank Arndt, „Initiator und Verwaltungsrat der ESA-Edelholz Südamerika AG“. Bei letztgenannter AG handelte es sich um den Schweizer Sprößling, der 2012 in das Handelsregister eingetragen wurde. 2015, als Bernd Wittweg aus der Schweizer Dependance ausschied, geriet diese in das Visier der Finanzaufsichtsbehörde. Ende 2016 schließlich wurde die im schweizerischen Buochs ansässige ESA AG nach erfolgter Liquidation aus dem Handelsregister gelöscht; die deutsche UG, die in der letzten hinterlegten Bilanz einen nicht gedeckten Fehlbetrag von über 42.000 € aufwies (wir berichteten davon), ereilte das Schicksal schon Anfang 2016. Interessant ist auch, dass Frank Arndt, seit 1992 als selbständiger Anlageberater in Sondershausen tätig, obwohl Gründer der ESA UG nicht als Eigentümer in Erscheinung trat. Und das aus gutem Grund, hatte ihm die BaFin doch schon im November 2003 die Erlaubnis zum Einlagengeschäft entzogen (s. hier: http://www.gomopa.net/Pressemitteilungen.html?id=1938)!

Vermutlich sagte sich Bernd Wittweg: „Schuster, bleib bei Deinen Leisten!“. Was einmal „funktioniert“ hat, klappt bestimmt ein zweites Mal. Diesmal hat er sich mit einem Spross der Hecker-Familie zusammengetan, Aimé Michel Hecker Urresti. Mit diesem arbeitet Wittweg, wiederum als Prokurist, in der Ethisch soziale Assets GmbH zusammen, bei der Hecker seit 2015 Geschäftsführer ist. Ziel des Unternehmens sei laut Unternehmensregister die „Vermittlung von Investitionen und eigene Investitionen in ökologisch und soziale Projekte und Unternehmen“. Welche Investitionen genau vermittelt bzw. durchgeführt werden sollen, ist weder im Register noch in der eingangs genannten Annonce vermerkt. Erst auf Rückfrage verwies Wittweg auf die bolivianische Firma Hylea 1884 S.R.L., deren Firmengründer laut Webseite Friedrich Hecker war, ein Vorfahr des heutigen Geschäftsführers Aimé Michel. Das Unternehmen, welches im Nordosten Boliviens Grundstücke bewirtschaftet, produziert seit vielen Jahrzehnten Paranüsse, zwischenzeitlich auch Kautschuk und seit kurzem Kakao.

Über ein weiteres Unternehmen, der Pando Invest GmbH & Co. KG, Kaarst, – welche im April 2015 in das Register eingetragen wurde – versuchen die Verantwortlichen Aimé und Peter Hecker Geld für die Hylea 1884 S.R.L. einzunehmen in Form von Anlagen: „Privatanlegern wird die Möglichkeit geboten, über langjährige, traditionelle Investitionsstrukturen, parallel zu finanzstarken institutionellen Investoren in lukrative Rohstoffe des Regenwaldes, insbesondere Paranüsse, zu investieren. Durch klar strukturierte Private Placements erhalten professionelle Anleger Zugang zur direkten Rohstoffanlage und Sicherung des Kapitals im Dollarinvestment“ (aus dem online abrufbaren Unternehmensprofil). Gesellschafter ist die an gleicher Stelle sitzende Pando Invest Verwaltungs-GmbH, Kaarst, bis 2015 Core Capital Invest Vertriebsgesellschaft mbH, Neuss; GF ist bei beiden GmbHs Stefanie Schoth. Im Gegensatz zur Ethisch soziale Assets GmbH wird hier jedoch keine Rendite versprochen, aber auch weitere Angaben bezüglich Laufzeiten usw. sind online nicht zu finden.

Aus der bolivianischen Hylea 1884 S.R.L. heraus haben die geschäftstüchtigen Peter und Aimé Hecker zwei weitere deutsche Firmen entwickelt, die in enger Partnerschaft mit dem Mutterunternehmen stehen: die erste ist die Hylea Regenwaldprojekte AG, im Oktober 2015 im Register eingetragen, die der „Entwicklung und Vermarktung von Investitionen in natürliche Forst- und Agrarprodukte, die dem Erhalt der natürlichen Ressourcen des Regenwalds, der wirtschaftlichen Entwicklung in den Anbauregionen auf ökologisch nachhaltiger Grundlage sowie der Verbesserung der Lebensumstände der jeweils einheimischen Bevölkerung dienen“ soll. Der extra angefertigte Werbefilm, der vor allem auf den Anbau von Teakholz eingeht (man vergleiche dies mit den Zielen der ESA-Edelholz Südamerika AG) und mit einem lohnenswerten Investment wirbt, lässt leider eine Frage unbeantwortet: Der Plantagenanbau erfolge laut Film nur auf Brachflächen, doch stammen diese aus Brandrodungen oder handelte es sich um eigene, stillgelegene Plantagen? Zudem erscheint eine Investition in Teakholz bei einer Laufzeit von mindestens 15 Jahren schon recht riskant. Wie wird das Risiko für den Anleger minimiert?

Erst im Dezember letzten Jahres wurde zudem die Hylea Foods AG, Mönchengladbach, eingetragen, deren Ziel „Herstellung, Verpackung, Import und Export, An- und Verkauf sowie Vertrieb von und Handel mit landwirtschaftlichen Produkten und Lebensmitteln, insbesondere Trockenfrüchten, Nüssen, Kakao, Obst, Gemüse, Kaffee, Salz und Wein“ ist. Diese Gesellschaft ging werbemäßig neue Wege und veröffentlichte geschickt Artikel online und richtete eine persönliche, d.h. keine Unternehmensseite bei Facebook-Seite ein. Dort wird zudem damit geworben (Eintrag vom 7.10.2016), dass die durch die Hylea Foods AG vertriebenen Produkte FairTrade, FairWild usw. zertifiziert seien – dies lässt sich jedoch nicht verifizieren. Eventuell liegt es daran, dass das Unternehmen erst recht jung am Markt ist und die Zertifikatsseiten ihre Informationen noch nicht aktualisiert haben oder dass sie als Zulieferer nicht direkt genannt werden?

Prinzipiell möchten wir hier zusammenfassend festhalten, dass wir keinen Grund haben, an den umweltfreundlichen und sozialen Zielen der über alles stehenden Hylea 1884 S.R.L. in Bolivien direkt zu zweifeln, die unter anderem mit dem WWF zusammenarbeitete. So sorgt die Bewirtschaftung der Paranussbäume, die nur in einem intakten Urwald Früchte tragen (s. den in der Neue Zürcher Zeitung 2007 veröffentlichten Artikel „Wild in Bolivien – edel am Paradeplatz„), für die Erhaltung des Regenwaldes und Förderung der indigenen Bevölkerung. Dass man daraus Kapital schlagen möchte, ist natürlich legitim und dass man diesbezüglich auf den lukrativen und biofreundlichen deutschsprachigen Markt abzielt (sämtliche Internetseiten sind in Deutsch und gelegentlich auch in Englisch verfasst, aber nicht in der Heimatsprache), ist ebenfalls verständlich. Dass man sich aber bezüglich der Teakholzplantagen, die auf gerodete Regenwaldflächen entstehen, mit einem Prokuristen wie Bernd Wittweg einlässt, der mit einem auffallend ähnlichen Konzept schon einmal gescheitert ist und nun ominöse Anzeigen schaltet, die diverse Ungereimtheiten und Versprechen beinhalten, erscheint seltsam. Die Familie Hecker muss sich schließlich aufgrund der angeblichen langjährigen Freundschaft dessen bewusst gewesen sein. Eine Anfrage unsererseits bezüglich der Kooperation zwischen Hylea und Wittweg blieb bisher unbeantwortet. Aber tatsächlich gibt es eine weitere personelle Überschneidung: Der damals für die deutsche ESA UG mit Aufforstungen betreute Forstwirt Alfredy Alvarez war ab 2006 als Geschäftsführer von ESA Bolivia S.A. für über 800 Hektar Teakplantagen verantwortlich. Und ebendieser Alvarez erscheint nun im Werbevideo der Hylea Regenwaldprojekte AG, die natürlich, ebenso wie die anderen Hylea-Firmen, mit keinem Wort auf eine Kooperation mit Wittweg eingeht!

Daher möchten wir hier alle eventuellen Anlageinteressierten zur Vorsicht mahnen und empfehlen, Angebote gut zu studieren, da dieses „Gemauschl“ mit den diversen Firmen und dem erfolglosen Bernd Wittweg, so hehr und edel auch die Absichten der Hylea 1884 S.R.L. sein mögen, doch einen faden Beigeschmack erzeugt. Zudem sind die im Internet verfügbaren Informationen bezüglich der Anlagekonditionen und -sicherheiten sowohl für die Paranuss- als auch die Teakernte sehr gering. Passend dazu möchten wir daher diese Betrachtung mit einem Auszug aus dem Prospekt der liquidierten schweizerischen ESA-Edelholz Südamerika AG beenden: „Der Auftraggeber [d.h. der Investor] ist sich bewusst, dass der Vertrag eine langfristige Investition darstellt, dass keinerlei Ertrags- oder Renditegarantien bestehen und dass politische oder ökologische Risiken bis hin zum Totalverlust nicht ausgeschlossen werden können.“

2 Kommentare

  1. Georg Preuß 15. November 2017
  2. Georg Preuß 17. September 2017

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