Mitten im eskalierenden Konflikt mit den USA und Israel setzt Teheran auf ein altbekanntes Druckmittel – und entdeckt plötzlich dessen wirtschaftliches Potenzial. Der Iran fordert nun nicht nur politische Zugeständnisse, sondern auch die Anerkennung seiner Kontrolle über die Straße von Hormus. Eine Forderung, die weit über Symbolik hinausgeht.
Die Meerenge, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasexports fließt, ist zum zentralen Hebel Irans geworden. Nachdem Angriffe und Unsicherheiten den Schiffsverkehr nahezu zum Erliegen gebracht haben, spielt Teheran offen mit dem Gedanken, daraus ein Geschäftsmodell zu machen.
Vom Nadelöhr zur Einnahmequelle
Konkret geht es um eine Art „Mautsystem“ für Tanker. Berichten zufolge könnten bis zu zwei Millionen Dollar pro Durchfahrt verlangt werden. Hochgerechnet ergäbe das Einnahmen von mehreren hundert Millionen Dollar im Monat – Summen, die mit den Erlösen des Suezkanals konkurrieren könnten.
Für ein Land, das unter massiven Sanktionen leidet, wäre das ein finanzieller Befreiungsschlag. Beobachter sprechen von einer „einfachen und kostengünstigen“ Möglichkeit, wirtschaftliche Verluste zu kompensieren.
Völkerrechtlich hoch umstritten
International stößt die Idee auf scharfe Kritik. Nach geltendem Seerecht gilt die Straße von Hormus als internationale Wasserstraße – eine freie Durchfahrt darf eigentlich nicht eingeschränkt oder bepreist werden.
US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete entsprechende Pläne als „illegal“ und „gefährlich“. Auch die G7-Staaten fordern die uneingeschränkte Freiheit der Schifffahrt.
Doch Iran könnte versuchen, rechtliche Grauzonen auszunutzen – unter anderem, weil das Land bestimmte internationale Abkommen nicht unterzeichnet hat.
Erste Tests im Schatten
Hinweise deuten darauf hin, dass Teheran bereits Fakten schafft. Einige Tanker sollen gezielt näher an der iranischen Küste entlangfahren – möglicherweise gegen Bezahlung für sicheres Geleit. Offiziell bestätigt ist das nicht, doch Branchenbeobachter berichten von ersten entsprechenden Fällen.
Parallel hat die Revolutionsgarde offenbar ein Registrierungssystem für Schiffe eingerichtet. Für die Reedereien bedeutet das vor allem eines: Unsicherheit.
Ein globales Risiko
Die Folgen reichen weit über die Region hinaus. Steigende Ölpreise, unterbrochene Lieferketten und nervöse Märkte zeigen, wie verwundbar die Weltwirtschaft ist.
Was als militärisches Druckmittel begann, könnte sich zu einem dauerhaften geopolitischen Geschäftsmodell entwickeln. Die entscheidende Frage lautet nun: Lässt sich dieser Hebel wieder aus der Hand nehmen – oder wird Hormus zur teuersten Durchfahrt der Welt?
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