Eine satirische Glosse
Jürgen Klopp wollte eigentlich alles anders machen.
Als er im Januar 2025 seinen neuen Job als „Head of Global Soccer“ bei Red Bull antrat, klang das fast wie ein Friedensvertrag für Trainer. Keine hektischen Entlassungen mehr. Keine Kurzschlussreaktionen. Keine Schleudersitze.
„Ich hoffe, dass Trainer acht, neun Jahre bei uns bleiben“, sagte Klopp damals.
Heute dürfte mancher Trainer bei Red Bull schon froh sein, wenn er acht oder neun Monate schafft.
Denn die Bilanz des ehemaligen Liverpool-Meisters liest sich inzwischen weniger wie die eines Fußballvisionärs und mehr wie die Personalabteilung eines Callcenters in der Probezeit.
Neun Trainer gingen seit Klopps Amtsantritt.
Neun.
In gerade einmal 17 Monaten.
Da hat mancher Joghurt im Kühlschrank eine längere Haltbarkeit.
Aus dem Motivator wurde der Terminator
Dabei war Klopp einst berühmt dafür, Spieler und Trainerkollegen aufzubauen.
Heute wirkt sein Jobprofil eher wie das eines professionellen Möbelpackers.
Kaum hat sich ein Trainer häuslich eingerichtet, die Familienfotos aufgestellt und den Lieblingsparkplatz gefunden, steht schon der Umzugswagen vor der Tür.
Marco Rose?
Weg.
Sandro Schwarz?
Weg.
Thomas Letsch?
Weg.
Ole Werner?
Weg.
In Salzburg, Leipzig, New York, Paris, Brasilien oder Japan scheint inzwischen eine neue Red-Bull-Regel zu gelten:
Wer den Vereinsnamen richtig aussprechen kann, hat die Probezeit bestanden.
Mehr aber auch nicht.
Klopp und die Mainzer Sterbehilfe
Besonders bemerkenswert:
Selbst alte Weggefährten genießen keinen Sonderstatus.
Marco Rose war einst Klopps Kapitän in Mainz.
Sandro Schwarz ebenfalls ein enger Wegbegleiter aus Mainzer Tagen.
Früher hätte Klopp für solche Leute vermutlich einen Marathon laufen können.
Heute reicht offenbar ein schlechter Saisonstart.
Man könnte meinen, die alte Mainzer Freundschaft sei inzwischen ungefähr so belastbar wie ein Regenschirm bei einem Hurrikan.
Der Trainer-Verschleiß bei Red Bull
Die Chronik liest sich inzwischen wie die Speisekarte eines Schnellrestaurants:
- Marco Rose – März 2025
- Tetsu Nagasawa – September 2025
- Sandro Schwarz – Oktober 2025
- Fernando Seabra – Oktober 2025
- Thomas Letsch – Februar 2026
- Stéphane Gilli – Februar 2026
- Daniel Beichler – Mai 2026
- Yuki Miyazawa – Mai 2026
- Ole Werner – Juni 2026
Wer den Überblick verloren hat: Das sind neun Trainer.
In 17 Monaten.
Rechnerisch fliegt damit alle 57 Tage ein Coach.
Manche Menschen brauchen länger, um eine neue Kaffeemaschine auszusuchen.
Die neue Red-Bull-Karriereplanung
Trainerbewerbung 2026:
Frage: „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“
Antwort: „Arbeitslos.“
Frage: „Und in sechs Monaten?“
Antwort: „Wahrscheinlich auch.“
Der 16. Klopp-Trainer
Besonders beeindruckend:
Mit Martín Demichelis soll in Leipzig bereits Trainer Nummer 16 antreten, der während Klopps Amtszeit mit ausgewählt wurde.
16 Trainer in 17 Monaten.
Andere Menschen sammeln Briefmarken.
Klopp sammelt Trainer.
Wenn das so weitergeht, braucht Red Bull bald keine Fußballakademie mehr, sondern eine Trainerakademie mit Fließbandfertigung.
Vielleicht ist Klopp einfach zu gut als Trainer
Das eigentliche Problem könnte ein ganz anderes sein.
Jürgen Klopp war einer der besten Trainer seiner Generation.
In Mainz verehrt.
In Dortmund gefeiert.
In Liverpool zur Legende geworden.
Dort baute er Mannschaften über Jahre auf.
Er entwickelte Spieler.
Er schuf Identität.
Er gewann Vertrauen.
Und genau deshalb wirkt seine aktuelle Rolle so seltsam.
Denn ein Trainer denkt langfristig.
Ein Sportchef muss manchmal kurzfristig handeln.
Ein Trainer gibt Menschen Zeit.
Ein Funktionär bewertet Ergebnisse.
Klopp war großartig darin, Mannschaften zu entwickeln.
Vielleicht ist er einfach weniger begeistert davon, Trainer entwickeln zu lassen.
Herr Klopp, werden Sie wieder Trainer
Vielleicht wäre deshalb die einfachste Lösung auch die beste.
Stellen Sie sich wieder an die Seitenlinie.
Setzen Sie die Kappe auf.
Brüllen Sie Schiedsrichter an.
Umarmen Sie Spieler.
Feiern Sie Tore.
Machen Sie das, was Sie weltweit berühmt gemacht hat.
Denn bislang sieht es so aus, als hätten Sie in 17 Monaten mehr Trainer verabschiedet als manche Vereinspräsidenten in einer ganzen Amtszeit.
Und wenn alle 57 Tage ein Coach geht, könnte man irgendwann auf die Idee kommen, dass das Problem vielleicht nicht immer auf der Trainerbank sitzt.
Herr Klopp, werden Sie wieder Trainer. Das andere können Sie offenbar nicht.
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