Ein inszenierter Überfall, fast eine halbe Million Euro Beute und am Ende ein Geständnis: Das Landgericht München hat eine 23 Jahre alte Bankkauffrau zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die junge Frau hatte im Oktober 2024 einen Bankraub vorgetäuscht, dabei jedoch selbst das Geld aus dem Tresor ihrer eigenen Filiale entwendet.
Der fingierte Notruf
Am 25. Oktober 2024 löste die Frau in einer Filiale in Obermenzing den Alarm aus und meldete, zwei Männer hätten sie überfallen und verletzt. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, zwei Männer, die auf ihre Täterbeschreibung passten, wurden vorläufig festgenommen. Doch schnell ergaben sich Zweifel: Ihre Verletzungen ließen sich nicht mit dem angeblichen Tathergang in Einklang bringen, und bei der Vernehmung verstrickte sie sich in Widersprüche.
Geständnis und Urteil
Schließlich legte die Bankangestellte ein Geständnis ab. Sie hatte zusammen mit einem Komplizen fast 460.000 Euro aus dem Tresor gestohlen. Wegen Diebstahls, Vortäuschens einer Straftat und Missbrauchs von Notrufen wurde sie verurteilt. Während die Staatsanwaltschaft sechs Jahre Haft gefordert hatte, plädierte die Verteidigung auf drei Jahre. Das Gericht entschied sich für dreieinhalb Jahre, wobei das Geständnis und die gezeigte Reue strafmildernd berücksichtigt wurden.
Der Komplize und die verschwundene Beute
Ein Teil der Beute bleibt verschwunden. Die Angeklagte selbst soll 100.000 Euro erhalten haben. Rund 66.000 Euro tauchten bei ihrem jungen Komplizen auf – in dessen Matratze versteckt. Er hatte zudem mithilfe der Bankangestellten ein Konto auf den Namen seiner Großmutter eröffnet und darüber bereits Wochen vor der Tat einen Kredit über 10.500 Euro abgehoben. Der Mittäter wurde nach Jugendstrafrecht zu vier Wochen Dauerarrest verurteilt. Da er bereits Untersuchungshaft verbüßt hatte, muss er die Strafe nicht antreten.
Falsche Verdächtigungen
Besonders schwer wog, dass durch die falschen Angaben der Angeklagten zwei Unschuldige ins Visier der Ermittler gerieten und vorübergehend festgenommen wurden. Dieser Missbrauch des Notrufsystems verstärkte das Strafmaß.
Persönlicher Hintergrund
Im Prozess zeichnete die Angeklagte ein Bild einer schwierigen Kindheit: Sie sei in einem von Gewalt geprägten Umfeld aufgewachsen, von der Mutter früh verlassen worden und habe mit Mobbing zu kämpfen gehabt – zunächst wegen ihres Übergewichts, später trotz drastischer Gewichtsabnahme nach einer Magenverkleinerung. Das Gericht erkannte ihre Belastungen an, machte aber deutlich, dass sie allein für die Tat verantwortlich sei.
Fazit
Aus einem inszenierten Überfall wurde ein aufsehenerregender Strafprozess. Während die junge Frau nun eine Haftstrafe antreten muss, bleibt ein Großteil der Beute verschwunden – und zwei Unschuldige mussten die Folgen ihrer Lügengeschichte zeitweise am eigenen Leib erfahren.
Kommentar hinterlassen