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Großrazzia gegen „Hells Angels“ – 1.200 Beamte suchen vermutlich das Offensichtliche

RyanMcGuire (CC0), Pixabay
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Frühmorgens, wenn der normale Bürger noch darüber nachdenkt, ob er die Snooze-Taste ein drittes Mal drücken darf, rollt in Nordrhein-Westfalen das ganz große Besteck an: 1.200 Polizisten, Spezialkräfte, Spürhunde und gepanzerte Fahrzeuge – offenbar, um einer Organisation auf die Spur zu kommen, die seit Jahren ungefähr so unauffällig ist wie ein Presslufthammer im Wohnzimmer.

Im Visier: die „Hells Angels“. Überraschend. Wirklich.

Gleich in 28 Städten gleichzeitig wird durchsucht, über 50 Objekte werden unter die Lupe genommen – Wohnungen, Geschäftsräume und natürlich die Vereinsheime, in denen man sich bislang vermutlich ausschließlich zum Kaffeekränzchen und zur Pflege der Straßenverkehrsordnung getroffen hat.

Das Innenministerium spricht von einem der größten Einsätze gegen Rockerkriminalität in der Landesgeschichte. Man könnte auch sagen: Man hat sich endlich entschlossen, das Offensichtliche mit ausreichend Personal zu bestätigen.

Auslöser der Aktion ist – man ahnt es kaum – der Verdacht auf Bildung einer kriminellen Vereinigung. Ein Verdacht, der offenbar so überraschend kam wie Regen im November. Jahrelang wuchs der Club, sammelte Mitglieder, expandierte fröhlich vor sich hin – und nun stellt man fest: Da könnte etwas nicht ganz koscher sein.

Besonders bemerkenswert: Die „Hells Angels“ waren zuletzt mit 469 Mitgliedern die größte Rockergruppe in NRW. Fast möchte man ihnen dafür einen Wachstumspreis überreichen – hätte man nicht gleichzeitig den leichten Verdacht, dass das Geschäftsmodell weniger mit Start-up-Romantik und mehr mit klassischen Methoden der „Überzeugungsarbeit“ zu tun hat.

Auch frühere Verbote einzelner Chapter zeigen: Das Prinzip „Wir lösen euch auf, ihr nennt euch einfach anders und macht weiter“ scheint bislang eine gewisse Beliebtheit zu genießen.

Bleibt die Frage, was nach so einem Einsatz bleibt: beschlagnahmte Gegenstände, viele Pressefotos – und die leise Hoffnung, dass man diesmal nicht nur Türen eintritt, sondern auch Strukturen nachhaltig verändert.

Oder, um es weniger diplomatisch zu sagen: 1.200 Beamte sind eine beeindruckende Zahl. Noch beeindruckender wäre allerdings ein Ergebnis, das länger hält als die nächste Umbenennung eines Chapters.

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