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Generation X

Peggy_Marco (CC0), Pixabay
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Die ältesten Angehörigen der Generation X steuern inzwischen auf die 60 zu. Ein Alter, in dem viele Menschen anfangen, sich Gedanken darüber zu machen, was nach ihrem Tod mit Geld, Immobilien, Konten oder Vollmachten passieren soll. Doch ausgerechnet die oft als pragmatisch geltende Zwischengeneration scheint bei diesem Thema erstaunlich unvorbereitet zu sein. Eine neue US-Studie kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Ausgerechnet die Generation X ist bei der Nachlassplanung schlechter aufgestellt als Ältere – und sogar schlechter als Jüngere.

Laut dem „Estate Planning Report 2026“ des US-Anbieters Trust & Will verfügen rund 62 Prozent der Generation X über keinerlei Nachlassdokumente. Das heißt: kein Testament, kein Trust, keine Vorsorgevollmacht, keine Patientenverfügung, keine medizinische Freigabe für Angehörige. Anders gesagt: Die Mehrheit dieser Generation hat bislang nicht festgelegt, was mit Vermögen, Besitz oder Entscheidungen im Notfall passieren soll.

Damit ist die Generation X laut der Erhebung die „am wenigsten geschützte“ Altersgruppe in den USA. Das ist deshalb bemerkenswert, weil viele ihrer Angehörigen längst in einer Lebensphase angekommen sind, in der Verantwortung normalerweise eher zunimmt als abnimmt: Kinder, Immobilien, Altersvorsorge, pflegebedürftige Eltern, komplexe Familienkonstellationen, Scheidungen, neue Partnerschaften. Gerade in dieser Lebensmitte wäre ein geregelter Nachlass oft keine Frage des Luxus, sondern der Vernunft.

Die Studie basiert auf einer Befragung von 5000 Erwachsenen Anfang des Jahres. Insgesamt zeigt sich: Nicht nur die Generation X tut sich schwer mit dem Thema. 56 Prozent aller US-Amerikaner haben laut der Untersuchung überhaupt keine Nachlassunterlagen. Bei den Babyboomern sind es 48 Prozent, bei den Millennials 58 Prozent, bei der Generation Z 54 Prozent. Nur 26 Prozent der Erwachsenen besitzen ein Testament. Ein sogenannter Trust, also eine Art Vermögensstruktur, die in den USA häufig genutzt wird, um Vermögen zu Lebzeiten und nach dem Tod zu regeln, existiert sogar nur bei 14 Prozent.

Das Bild ist eindeutig: Das Thema wird verdrängt. Und das, obwohl finanzielle Berater seit Jahren dazu raten, sich nicht erst im hohen Alter mit Testamenten und Vollmachten zu beschäftigen. Denn Nachlassplanung regelt nicht nur den Tod, sondern auch das Leben davor. Wer trifft medizinische Entscheidungen, wenn jemand handlungsunfähig wird? Wer darf auf Konten zugreifen? Wer kümmert sich um minderjährige Kinder? Wer verwaltet Immobilien oder Unternehmensanteile? Ohne klare Regelung landen solche Fragen im Zweifel vor Gericht – oder in familiären Konflikten.

Warum also schiebt gerade die Generation X das Thema so hartnäckig vor sich her? Der Chef von Trust & Will spricht von einer Generation „auf der Kippe“. Sie brauche Aufklärung, Bewusstsein – und einen Anstoß. Dahinter steckt offenbar auch ein kulturelles Problem. Viele Angehörige der Generation X seien in gewisser Weise „old school“: Sie wollten solche Dokumente lieber klassisch über Anwälte regeln, statt digitale Angebote zu nutzen. Das sei nicht falsch, aber es gebe inzwischen schlicht zu wenige spezialisierte Anwälte. Gerade in den USA trifft eine wachsende Nachfrage auf einen Mangel an Fachleuten.

Jüngere Generationen gehen mit dem Thema offenbar pragmatischer um. Millennials und Gen Z seien „Digital Natives“, heißt es in der Studie. Sie nutzen eher Online-Dienste, um sich mit Testamenten und Vollmachten zu befassen. Das bedeutet nicht, dass sie insgesamt besser vorbereitet wären – aber offenbar sind sie weniger stark an traditionelle Hürden gebunden.

Hinzu kommt ein psychologischer Effekt, den Forscher schon länger beobachten: Viele Menschen beschäftigen sich erst dann ernsthaft mit ihrem Nachlass, wenn ein naher Angehöriger stirbt. Bei den Babyboomern ist das häufiger bereits passiert – viele haben ihre Eltern verloren und mussten sich dadurch mit Erbschaften, Vollmachten oder Nachlassverfahren auseinandersetzen. Für viele Angehörige der Generation X, so die Einschätzung, sei diese Realität noch nicht mit voller Wucht angekommen. Oder anders gesagt: Man weiß theoretisch, dass man sich kümmern sollte. Aber solange kein akuter Anlass da ist, bleibt das Thema auf der mentalen To-do-Liste irgendwo zwischen Zahnreinigung und Steuererklärung.

Dabei kann genau dieses Zögern teuer werden. Wer ohne Testament stirbt, überlässt die Verteilung seines Vermögens den gesetzlichen Regeln und Gerichten. Wer keine Vollmachten vorbereitet hat, riskiert, dass selbst enge Angehörige plötzlich nicht handlungsfähig sind. Wer minderjährige Kinder hat und nichts geregelt hat, hinterlässt unter Umständen nicht nur Trauer, sondern auch Chaos.

Natürlich hat Nachlassplanung einen schlechten Ruf. Sie kostet Zeit, oft auch Geld, und sie zwingt dazu, sich mit dem unangenehmsten aller Themen zu beschäftigen: der eigenen Endlichkeit. Dazu kommt, dass viele Verfahren unnötig kompliziert wirken. In den USA ist das System ohnehin stark formalisiert, aber auch in Europa gilt: Wer einmal beginnt, sich mit Testament, Erbfolge, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung zu befassen, versteht schnell, warum viele Menschen lieber noch eine Woche – oder zehn Jahre – warten.

Doch Fachleute warnen davor, Perfektion zur Ausrede werden zu lassen. Ein einfaches Testament sei besser als gar keines. In den USA gibt es inzwischen Online-Angebote, die für vergleichsweise geringe Gebühren erste Dokumente erstellen. Auch dort lautet die pragmatische Botschaft: Wer sich keinen spezialisierten Anwalt leisten kann oder keinen Termin bekommt, sollte lieber eine einfache Lösung nutzen als gar keine.

Die eigentliche Pointe der Studie liegt aber woanders. Generation X galt lange als nüchterne, belastbare Generation zwischen den großen Blöcken: nicht so zahlreich wie die Babyboomer, nicht so laut wie die Millennials, oft übersehen, oft unterschätzt. Nun zeigt sich ausgerechnet bei einem zentralen Thema persönlicher Verantwortung ein erstaunliches Bild: Viele aus dieser Generation haben Karriere gemacht, Häuser gekauft, Familien gegründet, Eltern gepflegt, Krisen gemeistert – aber nicht festgelegt, was passiert, wenn sie plötzlich ausfallen.

Es ist ein Befund, der weit über juristische Formulare hinausweist. Er erzählt von Verdrängung, von Alltagsüberlastung, von einem Lebensalter, in dem man sich gleichzeitig um Kinder, Eltern, Job und Zukunft kümmern muss – und gerade deshalb das Offensichtliche liegen bleibt. Die Generation X ist alt genug, um es besser zu wissen. Aber offenbar noch jung genug, um zu glauben, man habe dafür später noch Zeit.

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