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Gefährlicher Alltag im Schatten der Krise: Wie pakistanische Schmuggler iranischen Treibstoff durch die Wüste transportieren

FarkhodVakhob9TJK9 (CC0), Pixabay
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Während die internationale Aufmerksamkeit auf den Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA gerichtet ist, spielt sich entlang der iranisch-pakistanischen Grenze ein anderer Überlebenskampf ab. Tausende Menschen in der pakistanischen Provinz Belutschistan verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Schmuggel von billigem iranischem Treibstoff – unter lebensgefährlichen Bedingungen.

Auf Motorrädern durch die Gluthitze

Einer von ihnen ist „Mazaar“ – sein Name wurde aus Sicherheitsgründen geändert. Auf seinem kleinen Motorrad transportiert er mehrere große Kanister mit Benzin, insgesamt mehr als 270 Kilogramm schwer. Die Behälter sind mit Seilen befestigt und hängen gefährlich an den Seiten des Fahrzeugs.

Seine Route führt über rund 350 Kilometer durch eine der heißesten Regionen der Welt. Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius lassen die Kunststoffkanister aufquellen. Platzt ein Behälter oder tritt Kraftstoff aus, drohen Brände oder Explosionen. Immer wieder kommen Schmuggler auf diese Weise ums Leben.

Krieg treibt Nachfrage nach Schmuggelware

Der jüngste Krieg zwischen Iran und Israel sowie die zeitweise Beeinträchtigung der Schifffahrt in der Straße von Hormus haben die Energiepreise steigen lassen. Dadurch wächst in Pakistan die Nachfrage nach günstigem Treibstoff aus dem Nachbarland Iran.

Nach Schätzungen pakistanischer Geheimdienste, über die bereits 2024 berichtet wurde, werden jährlich Treibstoffprodukte im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar von Iran nach Pakistan geschmuggelt. Branchenvertreter beklagen inzwischen massive Umsatzeinbußen legaler Anbieter.

Armut als Motor des Schmuggels

Belutschistan ist zwar reich an Bodenschätzen, zählt aber gleichzeitig zu den ärmsten Regionen Pakistans. Arbeitsplätze sind rar, die wirtschaftlichen Perspektiven begrenzt.

Mazaar arbeitete früher als Landwirt. Wegen anhaltender Dürre konnte er seine Felder jedoch nicht mehr bewirtschaften. Heute ernährt er mit dem Treibstofftransport seine Familie.

Ähnlich geht es „Irfan“, der nach einer Polio-Erkrankung körperlich eingeschränkt ist. Er transportiert Diesel statt Benzin, weil die Brandgefahr geringer ist. Für ihn ist der Schmuggel die einzige Möglichkeit, überhaupt Geld zu verdienen.

Grenzregion zwischen Konflikt und Korruption

Die Lage in Belutschistan wird zusätzlich durch den seit Jahrzehnten andauernden Konflikt zwischen Separatisten und pakistanischen Sicherheitskräften erschwert. Menschenrechtsorganisationen berichten immer wieder von gewaltsamen Auseinandersetzungen und Verschwindenlassen von Personen.

Gleichzeitig werfen Schmuggler den Behörden vor, gegen Bestechungsgelder wegzusehen. Die pakistanische Regierung weist solche Vorwürfe zurück und betont, verstärkt gegen illegale Treibstofftransporte vorzugehen.

Profitiert auch das iranische Regime?

Experten vermuten, dass Teile des Schmuggelgeschäfts über Netzwerke laufen könnten, die Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden haben. Ziel sei es unter anderem, westliche Sanktionen zu umgehen und von den gestiegenen Energiepreisen zu profitieren.

Die iranische Regierung macht hingegen kriminelle Banden für den Schmuggel verantwortlich und verweist auf die staatlich subventionierten Kraftstoffpreise im Land, die den Weiterverkauf attraktiv machen.

„Der Krieg hat uns ruiniert“

Für Mazaar hat der Krieg die Situation paradoxerweise verschlechtert. Zwar stieg die Nachfrage, gleichzeitig verteuerte sich der Einkaufspreis des geschmuggelten Benzins. Sein Tagesverdienst sank von umgerechnet rund 13 Euro auf etwa 8 Euro.

Trotz aller Gefahren fährt er weiter.

„Der Krieg hat uns ruiniert“, sagt er.

Angst vor einem Unfall oder dem Tod habe er nicht. „Eines Tages muss jeder sterben. Ob heute oder morgen, das entscheidet Allah.“

Für viele Menschen in Belutschistan ist der Treibstoffschmuggel längst kein kriminelles Geschäftsmodell mehr – sondern die letzte Möglichkeit, ihre Familien zu ernähren.

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