Der G7-Gipfel in Frankreich hat eine überraschende Wendung genommen. Nachdem sich die internationale Politik wochenlang ausschließlich um den Iran, Ölpreise, die Straße von Hormus und die Frage drehte, wer eigentlich die Hafengebühren kassiert, erinnerte sich die Runde plötzlich daran:
Moment mal, da war doch noch ein Krieg in der Ukraine.
Trump: „Ach ja, die Ukraine gibt’s ja auch noch“
US-Präsident Donald Trump erklärte in Evian, er wolle sich nun wieder stärker mit dem Ukraine-Krieg beschäftigen.
„Ich war zuletzt auf Iran fokussiert“, räumte Trump ein.
Politische Beobachter übersetzten dies ungefähr mit:
„Der Browser hatte zu viele offene Tabs. Jetzt wurde einer geschlossen.“
Nach monatelanger Nahost-Diplomatie scheint die Ukraine nun wieder auf der Prioritätenliste ganz oben zu stehen – irgendwo zwischen Ölpreisen, Golfturnieren und den Zwischenwahlen.
Sanktionen: Die Rückkehr der Fortsetzung
Die G7-Staaten kündigten neue Sanktionen gegen Russland an.
Wieder einmal.
Manche Diplomaten sollen bereits Schwierigkeiten haben, die Pakete auseinanderzuhalten.
„Ist das jetzt Paket 19, 20, 21 oder die Director’s-Cut-Version von Paket 17?“
Fest steht: Russland soll stärker unter Druck gesetzt werden. Öl, Gas, Schattenflotte, Rüstungsindustrie – alles kommt erneut auf den Prüfstand.
Europas Lieblingssatz: „Wir müssen den Druck erhöhen“
Kein G7-Gipfel ohne diesen Satz.
Während andere Menschen am Morgen Kaffee trinken, erhöhen europäische Regierungschefs offenbar routinemäßig den Druck auf Russland.
Der Satz fiel so oft, dass einige Teilnehmer kurz befürchteten, die Druckanzeige könnte technisch gar nicht mehr weiter steigen.
Selenskyj reist an – Putin bleibt lieber zu Hause
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj war vor Ort und wurde von zahlreichen Staats- und Regierungschefs empfangen.
Putin dagegen ließ mitteilen, man wisse nichts von möglichen Gesprächen.
Das hat mittlerweile Tradition.
Fragt man Moskau nach einem Treffen, lautet die Antwort häufig:
„Davon wissen wir nichts.“
Fragt man nach Sanktionen:
„Davon lassen wir uns nicht beeindrucken.“
Fragt man nach dem Wetter:
„Davon wissen wir derzeit ebenfalls nichts.“
Friedrich Merz entdeckt das „Fenster der Diplomatie“
Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem möglichen „Fenster für die Diplomatie“.
Politische Beobachter suchen dieses Fenster inzwischen mit derselben Intensität, mit der andere nach den iranischen Seeminen in der Straße von Hormus suchen.
Man weiß, dass es irgendwo sein müsste.
Gesehen hat es bislang allerdings kaum jemand.
Von der Leyen sieht die Wende
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte optimistisch:
„Das Blatt wendet sich für die Ukraine.“
Welches Blatt genau gemeint ist, blieb offen.
Sicher ist nur, dass Europa weiterhin überzeugt ist, dass Russland den Krieg nicht gewinnen kann und dass weitere Sanktionen die gewünschte Wirkung entfalten sollen.
Großbritannien und Kanada liefern Nachschub
Großbritannien kündigte gleich 70 neue Sanktionen an.
Kanada legte weitere Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte nach.
Die Schattenflotte dürfte mittlerweile wahrscheinlich mehr Sanktionen gesammelt haben als manche Fußballvereine Pokale.
Fazit
Der G7-Gipfel zeigte vor allem eines:
Die Weltpolitik bleibt ein Multitasking-Projekt.
Gestern ging es um Iran, Öl und Minen.
Heute um Russland, Sanktionen und Diplomatie.
Morgen vermutlich wieder um etwas völlig anderes.
Nur eines bleibt konstant:
Die Staats- und Regierungschefs treffen sich, machen ein Gruppenfoto, verkünden neue Sanktionen und erklären anschließend, dass jetzt wirklich Bewegung in die Sache kommt.
Und irgendwo im Hintergrund fragt sich vermutlich ein Diplomat:
„Könnten wir vielleicht zur Abwechslung einmal einen Konflikt abschließen, bevor der nächste eröffnet wird?“
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