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Frieden mit Putin – und dann? Warum Selenskyj nach dem Krieg ein anderes Problem bekommen könnte

ChiaJo (CC0), Pixabay
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Der Krieg in der Ukraine wird oft als Kampf zwischen Demokratie und Autoritarismus dargestellt: hier Selenskyj als Symbol des Widerstands, dort Putin als Aggressor. Doch je länger der Krieg dauert, desto deutlicher wird auch eine unangenehme Realität: Selbst wenn irgendwann Waffen schweigen sollten, bedeutet das noch lange keinen politischen Frieden für Wolodymyr Selenskyj.

Denn parallel zum Krieg wächst in der Ukraine ein zweiter Konflikt – der um Korruption, Machtzirkel und wirtschaftliche Netzwerke im Umfeld der Regierung.

„Minditschgate“ trifft das Machtzentrum Selenskyjs

Die Vorwürfe rund um die sogenannte Operation „Midas“ beziehungsweise „Minditschgate“ sind politisch hochgefährlich, weil sie nicht mehr nur einzelne Beamte oder Oligarchen betreffen, sondern direkt ins Zentrum des Präsidentenapparats führen.

Dass ausgerechnet Andrij Jermak – über Jahre Selenskyjs engster Vertrauter – nun unter Geldwäscheverdacht steht, ist kein gewöhnlicher Korruptionsfall. Jermak galt faktisch als zweiter Machtpol im Staat: Außenpolitik, Verhandlungen, Sicherheitsfragen, Personalentscheidungen – vieles lief über ihn.

Wenn ein solcher Mann fällt, fällt immer auch ein Schatten auf den Präsidenten selbst.

Besonders brisant wird es durch die geleakten Mitschnitte über Luxusimmobilien für einen „Andrij“ und einen „Wowa“. Dass „Wowa“ die Kurzform von Wolodymyr ist, macht die Sache politisch explosiv – selbst wenn es niemals gerichtsfest bewiesen werden sollte.

Der Krieg schützt Selenskyj politisch

Der entscheidende Punkt ist: Der Krieg schützt Selenskyj derzeit noch.

Solange Russland Städte bombardiert und ukrainische Soldaten an der Front sterben, steht für viele Ukrainer die nationale Existenzfrage über allem. In Kriegszeiten werden Korruptionsaffären oft verdrängt oder als zweitrangig angesehen.

Das erklärt auch, warum Selenskyjs Zustimmungswerte trotz der Affären weiterhin relativ hoch bleiben.

Doch genau das könnte sich mit einem Waffenstillstand oder Frieden schlagartig ändern.

Nach dem Krieg beginnt die Abrechnung

Ein Friedensprozess würde die politische Aufmerksamkeit sofort verschieben:

  • Milliardenhilfen aus dem Westen müssten überprüft werden
  • Rüstungsaufträge würden untersucht
  • Vermögensnetzwerke kämen stärker ans Licht
  • Machtmissbrauch innerhalb des Präsidentenumfelds würde intensiver verfolgt

Und plötzlich würde Selenskyj nicht mehr nur als Kriegspräsident gesehen werden, sondern als Staatschef eines Landes mit massiven strukturellen Korruptionsproblemen.

Gerade westliche Unterstützer würden dann deutlich härtere Fragen stellen:
Wohin floss das Geld? Wer profitierte vom Krieg? Welche Rolle spielten Präsidentenfreunde und ehemalige Geschäftspartner?

Das Problem der Kriegswirtschaft

Besonders heikel ist dabei die Verbindung zwischen Politik, Rüstungsindustrie und persönlichen Netzwerken.

Die Vorwürfe rund um Fire Point zeigen ein bekanntes Muster vieler Kriegsstaaten:
Wer Zugang zur politischen Führung hat, erhält Zugang zu milliardenschweren Aufträgen.

Dass ausgerechnet ein Unternehmen mit mutmaßlichen Verbindungen zum Umfeld von Timur Minditsch zu einem zentralen Akteur der ukrainischen Drohnenproduktion wurde, wirkt zumindest politisch problematisch – selbst wenn die Waffen militärisch effektiv sind.

Genau hier entsteht ein moralisches Dilemma:
Kann man Korruption ignorieren, wenn die Produkte gleichzeitig entscheidend für die Verteidigung des Landes sind?

Frieden mit Putin bleibt ohnehin schwer vorstellbar

Gleichzeitig stellt sich die grundsätzliche Frage, ob zwischen Putin und Selenskyj überhaupt ein echter Frieden möglich ist.

Zu tief ist mittlerweile:

  • das gegenseitige Misstrauen
  • die persönliche Feindschaft
  • die politische Symbolik des Krieges
  • der propagandistische Einsatz beider Figuren

Putin kann Selenskyj kaum als gleichwertigen Partner akzeptieren, weil die Existenz einer prowestlichen Ukraine sein geopolitisches Narrativ untergräbt.

Und Selenskyj wiederum kann Putin kaum vertrauen, solange Russland weiterhin Gebietsansprüche erhebt und militärischen Druck ausübt.

Deshalb wirkt ein echter Frieden derzeit eher wie eine Pause zwischen Konfliktphasen als wie eine dauerhafte Lösung.

Selenskyjs größtes Risiko könnte der Frieden selbst sein

Paradoxerweise könnte ausgerechnet ein Kriegsende für Selenskyj politisch gefährlicher werden als der Krieg selbst.

Im Krieg ist er der Verteidiger der Nation.
Im Frieden könnte er plötzlich zum Verantwortlichen für:

  • Korruptionsnetzwerke
  • Vetternwirtschaft
  • verschwundene Milliarden
  • zweifelhafte Machtstrukturen

werden.

Der Westen akzeptiert im Krieg vieles aus geopolitischer Notwendigkeit. Nach dem Krieg dürfte diese Schonfrist enden.

Und genau deshalb könnte „Minditschgate“ erst der Anfang einer viel größeren politischen Belastung für Selenskyj sein.

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