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Frankfurter Börse unter Druck: Deutsche Bank trotzt dem Trend, Nebenwerte geraten kräftig ins Rutschen

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Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Mittwoch schwach präsentiert. Während sich der DAX vergleichsweise glimpflich aus der Affäre zog, gerieten vor allem MDAX und SDAX deutlich unter Druck. Steigende Ölpreise, wachsende geopolitische Risiken und höhere Anleiherenditen sorgten für Zurückhaltung bei den Anlegern.

Der DAX lag am späten Nachmittag rund 0,5 Prozent im Minus bei etwa 25.840 Punkten. Deutlich schlechter sah es bei den mittelgroßen und kleineren Werten aus: Der MDAX verlor zeitweise rund 1,35 Prozent, der SDAX etwa 1,3 Prozent.

Damit setzte sich ein bekanntes Muster fort: Je kleiner und konjunkturabhängiger ein Unternehmen ist, desto stärker reagiert die Aktie derzeit auf die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, steigenden Energiekosten und höheren Finanzierungskosten.

Deutsche Bank gehört zu den Lichtblicken

Zu den auffälligsten Gewinnern im DAX zählte die Deutsche Bank. Die Aktie legte zeitweise um rund 2,2 Prozent zu.

Rückenwind kam von einer Hochstufung durch Goldman Sachs. Banken profitieren zudem teilweise von höheren Zinsen beziehungsweise höheren Kapitalmarktrenditen, sofern sich daraus bessere Margen im Zinsgeschäft ergeben.

Auch adidas und Qiagen konnten sich dem schwächeren Gesamtmarkt zeitweise entziehen.

Die freundliche Entwicklung einzelner Finanz- und Qualitätswerte konnte die allgemeine Schwäche allerdings nicht ausgleichen.

Zalando und Volkswagen deutlich unter Druck

Auf der Verliererseite stand vor allem Zalando.

Die Aktie des Onlinehändlers büßte zeitweise mehr als 4,5 Prozent ein. In einem Umfeld mit steigenden Zinsen und erneuten Inflationssorgen geraten konsumabhängige Unternehmen häufig besonders schnell unter Verkaufsdruck.

Auch Volkswagen gehörte zu den schwächeren DAX-Werten. Die Aktie verlor zeitweise mehr als drei Prozent.

Zusätzliche Belastung kam von der Nachricht, dass Volkswagen aus dem Euro Stoxx 50 ausscheiden soll.

Auch Continental, GEA und Heidelberg Materials standen unter Druck.

Gerade zyklische Unternehmen leiden derzeit unter der Sorge, dass höhere Energiepreise die Konjunktur belasten und gleichzeitig den Spielraum der Notenbanken für Zinssenkungen einschränken könnten.

MDAX: AUTO1 und Deutz mit kräftigen Verlusten

Noch deutlicher waren die Ausschläge im MDAX.

AUTO1 und Deutz verloren zeitweise jeweils knapp sechs Prozent und gehörten damit zu den größten Tagesverlierern.

Auch Salzgitter, flatexDEGIRO und thyssenkrupp standen unter erheblichem Verkaufsdruck.

Auf der anderen Seite konnten sich Evonik, Talanx und Lanxess teilweise im positiven Bereich halten.

Die Schwäche des MDAX zeigt, dass Anleger momentan bei konjunkturabhängigen und kapitalintensiven Geschäftsmodellen besonders vorsichtig sind.

SDAX: Evotec gewinnt, Redcare Pharmacy stürzt ab

Im SDAX zeigte sich ein noch deutlicheres Bild.

Zu den Gewinnern gehörte Evotec mit einem Plus von rund 4,6 Prozent.

Auch Alzchem, LPKF Laser, Schott Pharma und Shelly konnten zulegen.

Auf der anderen Seite verlor Redcare Pharmacy zeitweise knapp sieben Prozent.

Auch GFT geriet mit einem Minus von rund 5,7 Prozent deutlich unter Druck. Verbio, SMA Solar und SFC Energy gehörten ebenfalls zu den schwächeren Nebenwerten.

Gerade Wachstumsunternehmen reagieren empfindlich auf steigende Anleiherenditen. Wenn sichere Staatsanleihen höhere Renditen bieten, sinkt häufig die Bereitschaft der Anleger, für zukünftige Unternehmensgewinne besonders hohe Bewertungen zu bezahlen.

Ölpreis wird zum neuen Belastungsfaktor

Der wichtigste Belastungsfaktor für die Märkte war allerdings nicht eine einzelne Unternehmensmeldung.

Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und Iran sorgten erneut für Nervosität.

Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl war zeitweise auf mehr als 95 Dollar gestiegen.

Damit rückt ein Problem zurück, das Anleger eigentlich schon etwas aus dem Blick verloren hatten: die Inflation.

Steigende Ölpreise verteuern nicht nur Benzin und Diesel. Sie erhöhen auch die Kosten für Transporte, Chemie, Industrieproduktion und zahlreiche Dienstleistungen.

Bleibt der Ölpreis längere Zeit auf einem hohen Niveau, könnte der Inflationsdruck wieder stärker werden.

Höhere Anleiherenditen verschärfen die Sorgen

Parallel dazu stiegen die Renditen deutscher Staatsanleihen deutlich.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte zeitweise den höchsten Stand seit 2011.

Das ist für den Aktienmarkt gleich aus mehreren Gründen problematisch.

Höhere Renditen machen Anleihen im Vergleich zu Aktien attraktiver.

Gleichzeitig verteuern sich Kredite für Unternehmen.

Und schließlich wächst die Sorge, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen länger hochhalten oder sogar erneut anheben könnte, sollte die Inflation wieder stärker zunehmen.

Diese Mischung belastet vor allem hoch bewertete Wachstumsunternehmen, Immobilienwerte und stark verschuldete Firmen.

Auffällige Branchenteilung

Der Handelstag zeigte deshalb eine deutliche Trennung zwischen den Branchen.

Banken konnten sich vergleichsweise gut behaupten.

Dagegen standen Einzelhandel, Automobilhersteller, Industrieunternehmen und zahlreiche kleinere Wachstumswerte stärker unter Druck.

Auch Unternehmen mit hohem Energieverbrauch werden derzeit wieder kritischer betrachtet.

Der Markt beginnt damit erneut, Unternehmen danach zu unterscheiden, wie stark sie von Ölpreis, Zinsen und Konjunktur abhängig sind.

Anleger schalten auf Vorsicht

Insgesamt war der Mittwoch ein klassischer Risk-off-Tag.

Investoren reduzierten Positionen in riskanteren und konjunkturabhängigen Aktien und konzentrierten sich stärker auf Unternehmen mit robusten Geschäftsmodellen oder konkreten positiven Unternehmensnachrichten.

Der DAX konnte die Verluste noch vergleichsweise begrenzen.

MDAX und SDAX zeigten dagegen deutlich, wie nervös die Stimmung unter der Oberfläche inzwischen geworden ist.

Für die kommenden Handelstage dürften deshalb vor allem vier Faktoren entscheidend bleiben: die Entwicklung des Konflikts zwischen den USA und Iran, der Ölpreis, die europäischen Inflationsdaten und die Anleiherenditen.

Sollten sich diese Belastungsfaktoren weiter verschärfen, dürften insbesondere Nebenwerte und zyklische Aktien unter Druck bleiben.

Entspannt sich dagegen die geopolitische Lage und fällt der Ölpreis wieder zurück, könnte sich die Stimmung an der Frankfurter Börse schnell stabilisieren.

Für den Moment lautet die Botschaft des Marktes jedoch eindeutig:

Vorsicht ist wieder wichtiger als Euphorie.

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