Ich weiß ja nicht, wie es euch geht. Aber früher war ein vereinsloser Fußballer jemand, bei dem man erst einmal Transfermarkt googeln musste und anschließend feststellte: letzte Station dritte Liga Belgien.
Heute schaust du auf die Liste der Spieler ohne Vertrag und denkst:
Moment mal – damit hätte man vor ein paar Jahren noch locker eine Champions-League-Mannschaft aufstellen können.
David Alaba? Kein Klub.
Jadon Sancho? Kein Klub.
Raphaël Guerreiro? Kein Klub.
Karim Benzema? Kein Klub.
Paul Pogba? Kein Klub.
Philippe Coutinho? Ebenfalls kein Klub.
Fehlen eigentlich nur noch Messi, Ronaldo und der Zeugwart von Real Madrid, dann können die Herren direkt eine eigene Mannschaft anmelden.
Jadon Sancho: 18 Millionen Marktwert – aber niemand nimmt ihn
Der wertvollste Spieler auf der Liste ist ausgerechnet Jadon Sancho.
Marktwert: 18 Millionen Euro.
Aktueller Verein: Sofa.
Mit 26 Jahren!
Sancho war zuletzt bei Manchester United unter Vertrag – eine Beziehung, bei der man irgendwann nicht mehr wusste, wer eigentlich unglücklicher war: Manchester United, Sancho oder die Fans, die sich das Ganze anschauen mussten.
Eine Rückkehr nach Dortmund war angeblich im Gespräch. Florenz und die AS Rom sollen ebenfalls verhandelt haben.
Geworden ist daraus: nichts.
Sancho ist damit wahrscheinlich einer der wenigen Menschen auf der Welt, die 18 Millionen Euro wert sein sollen und trotzdem keinen Arbeitgeber finden.
Versuch das mal deinem Sachbearbeiter bei der Arbeitsagentur zu erklären.
„Welche Qualifikationen bringen Sie mit?“
„Champions League.“
„Sehr schön. Und Excel?“
David Alaba: Von Real Madrid direkt in die Warteschleife
Noch erstaunlicher finde ich David Alaba.
34 Jahre alt, jahrelang FC Bayern, danach Real Madrid.
Ein Mann mit einer Titelsammlung, für die andere Profis ein zusätzliches Wohnzimmer anbauen müssten.
Und jetzt?
Vereinslos.
Europa scheint derzeit keine besonders heiße Spur zu sein. Dafür werden Inter Miami und Al-Sadd in Doha genannt.
Das ist im modernen Fußball offenbar der natürliche Lauf der Dinge:
Bayern München.
Real Madrid.
Und irgendwann sitzt du mit deinem Berater da und diskutierst, ob Florida oder Katar im Januar das angenehmere Klima hat.
Es gibt schlimmere Karriereprobleme.
Guerreiro ist 32 – und plötzlich will ihn keiner mehr
Raphaël Guerreiro überrascht mich fast noch mehr.
Der Mann ist 32. Nicht 42.
Borussia Dortmund, Bayern München, portugiesischer Nationalspieler – technisch hervorragend, flexibel einsetzbar.
AC Mailand, Bayer Leverkusen und Atlético Madrid sollen sich mit ihm beschäftigt haben.
Offenbar allerdings ungefähr so intensiv, wie ich mich jedes Frühjahr mit einer Mitgliedschaft im Fitnessstudio beschäftige:
Man denkt ernsthaft darüber nach. Und dann passiert nichts.
Jetzt ist das Transferfenster geschlossen und Guerreiro wartet weiter.
Benzema ohne Verein – dieser Satz klingt immer noch falsch
Dann haben wir Karim Benzema.
38 Jahre alt, zuletzt Al-Hilal.
Natürlich ist 38 für einen Fußballprofi ein stolzes Alter. Aber wir reden hier von Karim Benzema.
Ballon-d’Or-Gewinner. Champions-League-Sieger. Real-Madrid-Legende.
Wenn Benzema früher auf dem Markt gewesen wäre, hätten sich Sportdirektoren gegenseitig aus dem Transferbüro geprügelt.
Heute steht daneben:
Vereinslos. Marktwert fünf Millionen Euro.
Fußball ist manchmal brutal.
Gestern hältst du den Ballon d’Or in der Hand, heute hält dein Berater das Handy in der Hand und sagt: „Komisch, immer noch keiner angerufen.“
Und irgendwo sitzt Paul Pogba
Paul Pogba ist ebenfalls zu haben.
33 Jahre alt, zuletzt AS Monaco, Marktwert zweieinhalb Millionen Euro.
Pogba war einmal einer der teuersten Fußballer der Welt.
Heute kostet er keine Ablöse.
Eigentlich müsste irgendwo ein Sportdirektor nachts um halb drei wach werden und denken:
„Paul Pogba ablösefrei! Das kann doch nicht schiefgehen!“
Und irgendwo daneben müsste sofort jemand das Licht einschalten und sagen:
„Karl-Heinz, leg das Handy weg.“
Coutinho – erinnert ihr euch noch?
Und dann Philippe Coutinho.
34 Jahre.
Zuletzt Vasco da Gama.
Marktwert: 2,5 Millionen Euro.
Ich weiß noch, als der FC Barcelona für Coutinho eine Summe bezahlte, bei der man kurz überprüfen musste, ob Spanien versehentlich seine Staatsverschuldung überwiesen hatte.
Später landete Coutinho beim FC Bayern – und half ausgerechnet den Münchnern dabei, Barcelona beim legendären 8:2 aus der Champions League zu schießen.
Auch so eine Fußballgeschichte, die ein Drehbuchautor wahrscheinlich zurückbekommen hätte mit der Notiz:
„Zu unrealistisch.“
Jetzt ist auch Coutinho ohne Verein.
Sterling, Icardi, Martial – bitte einmal hinten anstellen
Die Liste geht ja weiter.
Raheem Sterling, 31.
Mauro Icardi, 33.
Anthony Martial, 30.
Joselu, 36.
Renato Sanches, 29.
Daniel Carvajal, 34.
Das sind keine Spieler, bei denen man sagt: „Ach ja, den gab’s auch mal.“
Das sind teilweise Namen, die noch vor wenigen Jahren auf den größten Fußballbühnen Europas unterwegs waren.
Und jetzt könnten Bundesligisten theoretisch zuschlagen, denn vertragslose Spieler dürfen auch nach dem Deadline Day verpflichtet werden.
Ich sehe schon die Krisensitzung bei irgendeinem Verein nach drei Niederlagen:
„Chef, wir brauchen dringend Verstärkung.“
„Transferfenster ist geschlossen.“
„Aber Benzema wäre frei.“
Kurze Stille.
„Was will er?“
„Vermutlich mehr als wir haben.“
„Gut. Dann nehmen wir doch wieder den 19-Jährigen aus der U23.“
Der Fußball hat sich verändert
Natürlich gibt es für jeden dieser Fälle unterschiedliche Gründe.
Alter, Verletzungen, Gehaltsvorstellungen, sportliche Entwicklung, Karriereplanung – und manchmal passen Spieler und interessierte Vereine finanziell einfach nicht zusammen.
Trotzdem zeigt diese Liste ziemlich eindrucksvoll, wie schnell sich der Fußball dreht.
Heute bist du Weltstar.
Morgen bist du „interessant für mehrere Vereine“.
Übermorgen liest du den gefährlichsten Satz des Transferjournalismus:
„Ein Wechsel kam jedoch nicht zustande.“
Und dann sitzt du da.
Mit Champions-League-Medaille, Millionen Followern und einem Marktwert, von dem normale Menschen 14 Leben lang ihre Miete bezahlen könnten.
Aber ohne Verein.
Mein Vorschlag deshalb:
Alaba, Sancho, Guerreiro, Pogba, Coutinho, Benzema, Sterling und Icardi schließen sich einfach zusammen.
Noch einen vereinslosen Torwart suchen, zwei Verteidiger dazustellen und anmelden.
FC Arbeitslos International.
Trainer wird natürlich José Mourinho – sobald irgendwo der nächste Verein auf die Idee kommt, ihn zu entlassen.
Und ich sage euch:
Diese Truppe würde wahrscheinlich immer noch irgendwo um die Europa League mitspielen.
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