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Fortuna Düsseldorf:Jetzt muss Arabis Fortuna-Umbau funktionieren

jorono (CC0), Pixabay
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Das Transferfenster ist geschlossen, der XXL-Umbruch vollzogen. Nach dem Absturz in die 3. Liga hat Fortuna Düsseldorf seinen Kader nahezu komplett umgebaut. 19 neue Spieler kamen im Sommer, zahlreiche Profis verließen den Verein. Sportvorstand Samir Arabi musste innerhalb weniger Wochen eine neue Mannschaft zusammenstellen – und steht nun gemeinsam mit Trainer Alexander Ende unter erheblichem Erfolgsdruck. Denn trotz des radikalen Neustarts bleibt das Ziel eindeutig: Fortuna will direkt zurück in die 2. Bundesliga.

Für Samir Arabi waren die vergangenen Wochen vermutlich selbst nach seinen Maßstäben außergewöhnlich.

Seit Ende Mai 2026 trägt der 47-Jährige als Sportvorstand die sportliche Gesamtverantwortung bei Fortuna Düsseldorf. Viel Zeit, um Strukturen kennenzulernen oder den Kader behutsam nach seinen Vorstellungen zu verändern, blieb ihm nicht.

Der Abstieg hatte massive Folgen.

Zahlreiche Verträge waren nicht für die 3. Liga ausgelegt. Spieler konnten Fortuna deshalb ablösefrei verlassen. Eine Hypothek aus der Vergangenheit, mit der sich der neue Sportvorstand unmittelbar beschäftigen musste.

Arabis Antwort darauf fiel radikal aus:

19 neue Spieler in einem Transferfenster.

Die beiden letzten waren Flügelspieler Filimon Gerezgiher, der ablösefrei von der SV Elversberg kam, und der 1,96 Meter große Innenverteidiger Lukas Bornschein, den Fortuna vom VfL Osnabrück auslieh.

Damit steht der Kader.

Zumindest bis zum Winter.

19 Transfers – aber wie gut sind sie wirklich?

Die Zahl ist beeindruckend. Sie sagt allerdings noch nichts darüber aus, ob der Neuaufbau gelungen ist.

Denn Arabis Arbeit wird nicht daran gemessen werden, wie viele Spieler er innerhalb weniger Wochen nach Düsseldorf holen konnte. Entscheidend ist, ob unter den 19 Neuzugängen genügend Spieler sind, die Fortuna tatsächlich zurück in die 2. Bundesliga führen können.

Genau darin liegt das Risiko dieses Transfersommers.

Bei einem normalen Kaderumbau werden einige Positionen verändert und bestehende Strukturen erhalten. Fortuna musste dagegen große Teile seiner Mannschaft neu zusammensetzen.

Trainer Alexander Ende brachte die außergewöhnliche Situation selbst auf den Punkt: Einen derart umfangreichen personellen Wechsel habe er in dieser Form noch nicht erlebt.

Und nun muss Ende aus diesem neuen Kader möglichst schnell eine Mannschaft formen.

Denn Geduld ist in Düsseldorf nach dem Abstieg nur begrenzt vorhanden.

Zwei Niederlagen erhöhen sofort den Druck

Fortuna ist mit zwei Niederlagen in die neue Drittligasaison gestartet.

Für einen Verein mit Wiederaufstiegsambitionen ist das kein Grund zur Panik – wohl aber ein Warnsignal.

Gerade nach einem derart großen Umbruch wäre es nachvollziehbar, wenn eine Mannschaft Zeit benötigt. Laufwege müssen entstehen, Hierarchien müssen sich entwickeln, Automatismen müssen eingeübt werden.

Das Problem: Die 3. Liga wartet nicht.

Wer direkt aufsteigen will, kann sich keine monatelange Findungsphase leisten.

Arabi hat deshalb nicht nur einen Kader zusammenstellen müssen, der perspektivisch funktioniert. Er benötigt Spieler, die möglichst schnell funktionieren.

Das ist ein erheblicher Unterschied.

Die zentrale Frage: Hat Arabi die richtige Mischung gefunden?

19 neue Spieler bedeuten 19 einzelne Entscheidungen.

Einige werden einschlagen. Andere vermutlich nicht.

Das ist bei nahezu jedem großen Kaderumbau so.

Entscheidend wird deshalb sein, ob Arabi bei den Schlüsselpositionen richtig lag.

Fortuna braucht in der 3. Liga nicht nur technisch gute Fußballer. Eine Mannschaft, die um den Aufstieg spielen will, benötigt unterschiedliche Qualitäten: Geschwindigkeit, körperliche Präsenz, Kreativität, Mentalität, Erfahrung und Spieler, die auch dann funktionieren, wenn ein Drittligaspiel nicht schön wird.

Genau hier beginnt die eigentliche Bewertung von Arabis Arbeit.

Hat der Kader genügend Führungsspieler?

Wer übernimmt Verantwortung, wenn Fortuna in Rückstand gerät?

Ist die Mannschaft defensiv stabil genug?

Gibt es ausreichend Tempo über die Außen?

Wer entscheidet enge Spiele?

Und vor allem: Hat Fortuna Spieler verpflichtet, die nicht nur individuell interessant sind, sondern gemeinsam funktionieren?

Die Antworten darauf werden darüber entscheiden, wie dieser Transfersommer in einigen Monaten bewertet wird.

Für Arabi ist diese Situation erstaunlich vertraut

Dass Fortuna ausgerechnet Samir Arabi mit diesem Neuaufbau beauftragt hat, ist kein Zufall.

Denn seine Karriere begann auf höchster Managementebene mit einer bemerkenswert ähnlichen Aufgabe.

Im Frühjahr 2011 übernahm Arabi die sportliche Leitung von Arminia Bielefeld.

Auch damals war ein Traditionsverein abgestürzt. Auch damals musste nach dem Abstieg in die 3. Liga ein Kader nahezu vollständig neu zusammengestellt werden. Auch damals waren die finanziellen Möglichkeiten begrenzt.

Arabi musste improvisieren, scouten und Spieler finden, die andernorts nicht unbedingt im Mittelpunkt standen.

Einer seiner ersten Transfers wurde zum Symbol dieser Arbeit.

Fabian Klos.

Der damals weitgehend unbekannte Angreifer kam 2011 nach Bielefeld und entwickelte sich über die folgenden Jahre zur Vereinslegende.

Genau solche Transfers begründeten Arabis Ruf.

Nicht die Verpflichtung des offensichtlich besten oder teuersten Spielers, sondern das Finden eines Spielers, dessen Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist.

Arabis Karriere begann im Scouting

Das passt zu seinem beruflichen Werdegang.

Arabi war kein prominenter Bundesligaprofi.

Er begann bei Alemannia Aachen im Nachwuchsbereich, arbeitete als Jugendtrainer, wechselte anschließend ins Scouting und wurde schließlich Chefscout.

Seine Karriere verlief damit ungewöhnlich geradlinig:

Jugendtrainer. Scout. Chefscout. Sportlicher Leiter. Geschäftsführer Sport. Sportvorstand.

Arabis wichtigste berufliche Ausbildung fand auf Trainingsplätzen und Tribünen statt.

Spieler beobachten. Eigenschaften bewerten. Entwicklungspotenzial erkennen. Kaderprofile erstellen.

Gerade bei einem Verein, der nach einem Abstieg nicht mit Bundesliga-Millionen um sich werfen kann, sind diese Fähigkeiten gefragt.

In Bielefeld funktionierte Arabis Modell – zunächst

Seine Bilanz bei Arminia zeigt, warum Fortuna ihm diesen Neuaufbau zutraut.

2011 begann Arabi mit Bielefeld in der 3. Liga.

2013 gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga.

2014 folgte zwar unmittelbar der erneute Abstieg, doch Arabi reagierte. Ein Jahr später wurde Arminia Drittligameister und kehrte direkt zurück.

Zusätzlich erreichte Bielefeld als Drittligist sensationell das Halbfinale des DFB-Pokals.

Danach gelang der entscheidende Schritt: Arminia entwickelte sich vom Fahrstuhlklub zu einem stabilen Zweitligisten.

2016 wurde Arabi zum Geschäftsführer Sport befördert.

Vier Jahre später folgte der Höhepunkt.

Unter Trainer Uwe Neuhaus wurde Bielefeld 2020 Meister der 2. Bundesliga und stieg in die Bundesliga auf.

Aus dem Drittligisten, dessen Kader Arabi 2011 nahezu von Grund auf neu zusammenstellen musste, war innerhalb von neun Jahren ein Bundesligist geworden.

Aber Bielefeld ist auch Arabis Warnung

Wer Arabis Arbeit beurteilen will, darf allerdings nicht 2020 aufhören.

Denn nach dem Höhepunkt begann der Niedergang.

Die Trennung von Aufstiegstrainer Uwe Neuhaus im März 2021 war umstritten. Mit Frank Kramer gelang zwar zunächst der Bundesliga-Klassenerhalt, doch die sportliche Entwicklung stagnierte.

2022 stieg Arminia aus der Bundesliga ab.

Auch in der 2. Bundesliga gelang keine nachhaltige Stabilisierung.

Im März 2023 endete Arabis fast zwölfjährige Amtszeit. Wenige Monate später spielte Bielefeld wieder in der 3. Liga.

Das gehört genauso zu seiner Vita wie die Aufstiege.

Arabi hat bewiesen, dass er einen Verein langfristig entwickeln kann. Seine letzten Bielefelder Jahre zeigen allerdings auch, dass selbst ein über Jahre erfolgreiches Kaderkonzept kippen kann.

Für Fortuna ist beides relevant.

Ein bisschen Wolf Werner – aber unter anderen Voraussetzungen

Ein derart großer Transferumbruch ist in Düsseldorf übrigens nicht völlig neu.

Fortunas legendärer Manager Wolf Werner musste nach dem Bundesliga-Aufstieg 2012 ebenfalls massiv umbauen.

Damals liefen 20 Verträge aus. Werner verpflichtete im Verlauf der Saison sogar 23 neue Spieler, fünf davon im Winter.

Darunter befand sich mit Andriy Voronin auch ein großer Name.

Doch der prominente Angreifer floppte – und Fortuna stieg trotz einer starken Hinrunde direkt wieder ab.

Die Geschichte liefert eine einfache Erkenntnis:

Viele Transfers sind noch keine gute Transferperiode.

Arabi steht aktuell bei 19 Neuzugängen.

Sollte Fortuna im Winter noch einmal massiv nachlegen, könnte Werners historische Marke sogar in Reichweite kommen.

Das dürfte Arabi allerdings kaum interessieren.

Sein Erfolg wird nicht an einem Transferrekord gemessen.

Sondern an der Tabelle.

Alexander Ende muss Arabis Puzzle zusammensetzen

Damit rückt zwangsläufig Trainer Alexander Ende in den Mittelpunkt.

Arabi hat die Teile ausgesucht.

Ende muss daraus das Puzzle zusammensetzen.

Bei 19 Neuzugängen bedeutet das zunächst enorme Konkurrenz. Nicht jeder Spieler, der im Sommer mit Hoffnungen nach Düsseldorf gekommen ist, kann Stammspieler werden.

Das kann positiv sein.

Konkurrenz erhöht das Trainingsniveau und ermöglicht dem Trainer taktische Varianten.

Es birgt aber auch Risiken.

Ein großer Kader produziert automatisch enttäuschte Spieler. Wer regelmäßig auf der Tribüne oder Bank sitzt, muss trotzdem eingebunden werden. Gerade wenn die Ergebnisse nicht stimmen, kann aus Konkurrenz schnell Unzufriedenheit entstehen.

Endes Aufgabe besteht deshalb nicht nur darin, die beste Startelf zu finden.

Er muss möglichst schnell eine Hierarchie schaffen.

Fortuna braucht ein Gerüst

Das dürfte in den kommenden Wochen entscheidend werden.

Aus den 19 Neuen müssen zunächst fünf oder sechs Spieler hervorgehen, die gemeinsam mit den verbliebenen Kräften das neue Gerüst der Mannschaft bilden.

Eine erfolgreiche Aufstiegsmannschaft benötigt Verlässlichkeit.

Einen Torwart, der Punkte festhält.

Innenverteidiger, die auch körperlich geprägte Drittligaspiele beherrschen.

Mittelfeldspieler, die unter Druck Kontrolle herstellen.

Offensivspieler, die enge Spiele entscheiden.

Und Führungsspieler, die eine Mannschaft nach Rückschlägen wieder aufrichten.

Wenn Arabi diese Achse gefunden hat, kann der große Umbruch funktionieren.

Wenn nicht, können 19 Transfers schnell wie Aktionismus wirken.

Der Wiederaufstieg entscheidet über die Bewertung

Genau deshalb dürfte die Beurteilung von Arabis erstem Düsseldorfer Transfersommer ungewöhnlich hart ausfallen.

Fortuna ist kein gewöhnlicher Drittligist, der sich nach einem Abstieg zunächst konsolidieren möchte.

Der Verein will zurück.

Möglichst sofort.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein verpasster direkter Aufstieg automatisch das Scheitern des gesamten Projekts bedeuten würde. Aber angesichts des Umfangs des Kaderumbaus und der Erwartungen im Umfeld ist klar: Fortuna soll zumindest bis zum Ende ernsthaft um die Aufstiegsplätze kämpfen.

Daran werden Arabi und Ende gemessen.

Im Winter folgt möglicherweise die zweite Prüfung

Das Sommerfenster ist geschlossen. Arabis Arbeit auf dem Transfermarkt allerdings nicht zwingend beendet.

Die kommenden Monate werden zeigen, wo dieser neue Kader tatsächlich steht.

Sollten sich Schwachstellen offenbaren und finanzieller Spielraum vorhanden sein, dürfte der Sportvorstand im Winter erneut reagieren.

Dann wird eine andere Qualität gefragt sein.

Im Sommer musste Arabi Masse und Struktur gleichzeitig schaffen.

Im Winter könnte es darum gehen, sehr gezielt ein oder zwei Spieler zu finden, die den Unterschied im Aufstiegskampf machen.

Auch das wäre typisch für seine Arbeitsweise.

Arabis größtes Düsseldorfer Experiment

19 neue Spieler innerhalb weniger Wochen – dieser Sommer ist für Fortuna ein Experiment mit erheblichem Einsatz.

Aber er ist zugleich eine Aufgabe, die erstaunlich genau zu Arabis beruflicher Vergangenheit passt.

Als Arabi 2011 nach Bielefeld kam, musste er einen abgestürzten Traditionsverein in der 3. Liga nahezu neu aufbauen.

Es gab Rückschläge.

Es gab einen weiteren Abstieg.

Aber es folgten auch zwei Aufstiege aus der 3. Liga, die Etablierung in der 2. Bundesliga, die Zweitligameisterschaft und schließlich der Bundesliga-Aufstieg.

15 Jahre später beginnt für ihn in Düsseldorf eine ähnliche Mission.

Diesmal sind die Erwartungen allerdings höher und die Zeit scheint knapper.

19 neue Spieler hat Samir Arabi verpflichtet. Der Kader steht. Das Transferfenster ist geschlossen.

Jetzt entscheidet sich, ob aus Arabis Großeinkauf tatsächlich eine Aufstiegsmannschaft wird.

Nach zwei Niederlagen zum Start ist die erste Euphorie bereits verflogen. Für Panik ist es zu früh, für Ausreden allerdings ebenfalls.

Arabi hat seinen Kader bekommen.

Alexander Ende hat nun die Aufgabe, daraus eine Mannschaft zu machen.

Und irgendwann im kommenden Frühjahr wird sich eine einfache Frage beantworten lassen:

Waren Arabis 19 Neue gut genug, um Fortuna Düsseldorf zurück in die 2. Bundesliga zu bringen?

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