Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Nepal hat sich die Zahl der Vermissten deutlich erhöht. Nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde gelten inzwischen 4.247 Menschen als vermisst. Mindestens 903 Todesopfer wurden bislang bestätigt. Unter den Vermissten befinden sich 3.655 nepalesische Staatsbürger und 592 Ausländer.
Besonders große Sorge gilt den Beschäftigten mehrerer Wasserkraftwerke. 933 Arbeiter werden vermisst, viele von ihnen könnten in Tunneln eingeschlossen sein. Die Rettungskräfte konzentrieren ihre Arbeiten deshalb auf verschiedene Anlagen, darunter die Kraftwerke Trishuli-3A, Upper Trishuli 1 sowie weitere Projekte in der Region.
Rettungsteams sprengen Zugänge zu Tunneln frei
Am Wasserkraftwerk Trishuli-3A setzten die Behörden kontrollierte Sprengungen ein, um verschüttete Zugänge zu öffnen. Zwei Bagger gruben sich bereits rund zehn Meter tief in das Gelände. Gleichzeitig versuchen Einsatzkräfte, Wasser, Schlamm und Trümmer aus den Tunnelanlagen zu entfernen.
Trotz der dramatischen Situation gibt es weiterhin Hoffnung. Bereits am Freitag konnten nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde 191 Menschen aus Tunneln gerettet werden, am Samstag kamen weitere 88 Überlebende hinzu.
Eine Angehörige berichtete der BBC, dass zurückgekehrte Arbeiter von Menschen gesprochen hätten, die sich noch in den Tunnelanlagen befinden könnten. Sie hoffe deshalb weiterhin darauf, dass ihr dort vermisster Bruder gerettet werden könne.
Internationale Spezialisten unterstützen Nepal
Nepal erhält inzwischen Unterstützung aus mehreren Ländern. Spezialteams aus Indien, China und Südkorea helfen bei den schwierigen Rettungsarbeiten in den Tunneln. Besonders benötigt werden technische Fachkenntnisse bei der Suche nach Verschütteten sowie Unterstützung bei der Identifizierung von Todesopfern mittels DNA-Analysen.
Auch Drohnen werden eingesetzt, um schwer zugängliche Tunnelbereiche zu erkunden. In einem Tunnel des Rasuwagadhi-Wasserkraftwerks konnten Einsatzkräfte bislang allerdings keine Menschen finden.
Weiterer Regen erschwert die Arbeiten
Die Wetterlage bleibt angespannt. Für Teile des Nordostens Nepals gelten Warnungen vor weiterem starken Regen. In einigen Regionen könnten bis Dienstag zusätzliche Niederschlagsmengen von bis zu 60 Millimetern fallen. Die ohnehin schwierigen Rettungsarbeiten werden dadurch zusätzlich erschwert.
Die Flutkatastrophe wurde nach Angaben des US Geological Survey durch den Zusammenbruch eines Gletschers ausgelöst. Die dabei entstandenen Eis-, Schlamm- und Geröllmassen trafen mit solcher Wucht auf das Tal, dass ein Erdbebenstoß der Stärke 5,2 registriert wurde. Die anschließenden Fluten bewegten sich über eine Strecke von rund 100 Kilometern talwärts und verwüsteten zahlreiche Orte.
Frühwarnsysteme wurden von den Fluten zerstört
Die Katastrophe hat auch wichtige Überwachungssysteme beschädigt. Sechs Hochwassersensoren wurden von den Fluten weggerissen. Nepal beginnt deshalb damit, neue Überwachungstechnik zu installieren.
Im besonders betroffenen Distrikt Rasuwa sollen zunächst zwei Überwachungskameras sowie ein Seismometer eingesetzt werden. Damit sollen neue Fluten, größere Erdrutsche oder Eis- und Felsabbrüche möglichst früh erkannt werden.
Hilfslieferungen erreichen die Katastrophengebiete
Militärstützpunkte wurden inzwischen zu großen Rettungs- und Versorgungszentren umfunktioniert. Krankenwagen, Lastwagen und Hubschrauber transportieren Medikamente, Lebensmittel und weitere Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete.
Viele Regionen waren zunächst ausschließlich aus der Luft erreichbar, nachdem Straßen durch die Wassermassen zerstört worden waren. Inzwischen konnten erste Ausweichstraßen wieder geöffnet werden. Die Behörden bitten darum, Hubschrauber möglichst ausschließlich für dringende Rettungs- und Hilfseinsätze einzusetzen.
Die Dimension der Katastrophe bleibt enorm. Ganze Ortschaften wurden von Wasser, Schlamm und Geröll verwüstet, zahlreiche Familien suchen weiterhin nach Angehörigen.
Doch während die Zahl der Opfer steigt, setzen Hunderte Rettungskräfte ihre Arbeit fort. Besonders in den bislang nicht vollständig erreichten Tunneln der Wasserkraftwerke besteht weiterhin die Hoffnung, noch Menschen lebend zu finden.
Kommentar hinterlassen